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Einkauf bei der Tafel in Darmstadt nur noch alle zwei Wochen

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Aktuell werden täglich 70 bis 80 Menschen bei der Darmstädter Tafel alle zwei Wochen mit Lebensmitteln versorgt.
Aktuell werden täglich 70 bis 80 Menschen bei der Darmstädter Tafel alle zwei Wochen mit Lebensmitteln versorgt. © Rolf Oeser

Die Darmstädter Tafel reagiert auf die zahlreichen neuen Kunden: Nur noch alle zwei Wochen gibt es Lebensmittel für die Bedürftigen. Die Warteliste konnte dadurch abgebaut werden.

Zu wenig Waren für zu viele Kunden. Die Darmstädter Tafel hat reagiert und ihr System umgestellt. Der Einkauf ist für die Bedürftigen nur noch alle zwei Wochen möglich. Statt rund 100 Kunden pro Tag durften sich zum 1. Oktober erstmals nur noch täglich 50 mit gespendeten Lebensmitteln versorgen. Der Erfolg spricht für diese Lösung: „Wir konnten dadurch wieder aufstocken, sind jetzt bei 70 bis 80 Tagesgästen“, sagt der 2. Vorsitzende Gert Hauschild. Der Verein versorge nun über 30 Prozent mehr Menschen, die Transferleistungen beziehen.

Allein 300 ukrainische Kunden kamen bei der Darmstädter Tafel neu dazu

Die Darmstädter Tafel e.V. spricht von einer extrem gestiegenen Nachfrage. Früher waren die Räume an der Bismarckstraße nur dreimal pro Woche geöffnet, dann weitete der Verein die Öffnungszeiten auf täglichen Einkauf von Montag bis Samstag aus. Trotzdem reichte das bald nicht mehr. Corona und der Ukrainekrieg bescherten der Tafel sehr viele neue Kunden, die sie aber nicht berücksichtigen konnte. Die Warteliste sei groß gewesen, erinnert sich Hauschild und spricht von 300 neuen Kunden, die allein aus der Ukraine in relativ kurzer Zeit dazugekommen seien.

Kein Gedränge an der Durchreiche. Das Nummernsystem für den Einkauf bei der Darmstädter Tafel hat sich bewährt.
Kein Gedränge an der Durchreiche. Das Nummernsystem für den Einkauf bei der Darmstädter Tafel hat sich bewährt. © Rolf Oeser

Auch in der Dependance in Jugenheim seien die Menschen, die bei der Tafel einkauften, wegen der großen Nachfrage auf zweiwöchentlichen Einkauf umverteilt worden. Die Tafel öffnet dort nur dienstags. „Statt 60 Kunden haben wir so 30 Kunden pro Woche bedient und sind jetzt wieder bei 50“, berichtet Hauschild.

Die Preise

Die Tafel in Darmstadt verlangt einen symbolischen Preis von zwei Euro für den Einkauf von Lebensmitteln. Ein Euro sind bei der Tafel in Jugenheim zu zahlen.

Aussuchen können sich die Kunden die Lebensmittel nicht. Was sie bekommen, hängt immer davon ab, was gerade verfügbar ist.

Ein Mittagessen bei der Tafel kostet 1,50 Euro. Es besteht aus Salatteller, Suppe, Hauptspeise, Kaffee und Kuchen und wird von ehrenamtlichen Helfern täglich frisch gekocht. ann

Die Warteliste ist also durch die neue Regelung in beiden Kommunen abgebaut, der Kundenkreis konnte vergrößert werden; aktuell kommt jeder dran. Wer außer seinen Pass einen entsprechenden Nachweis vom Sozialamt oder dem Jobcenter vorlegt, erhält eine Berechtigungskarte für die Tafel und wird dort registriert. Auf einer Terminkarte ist für die ehrenamtlichen Helfer ersichtlich, wer in der ungeraden oder geraden Woche einkaufsberechtigt ist, an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit, wird durch Nummern geregelt. „Wir wechseln die Nummern alle zwei Monate, damit es keinen Streit gibt“, sagt Hauschild.

Vizevorsitzender der Tafel Darmstadt sieht noch mehr Bedürftige im Winter

Der Vizevorsitzende sieht aber wieder schwarze Wolken aufziehen. Er glaubt, dass zu den vereinzelten Rentnern, die jetzt die Tafel aufsuchen, noch viel mehr dazukommen werden, weil das Geld wegen der hohen Inflation und der gestiegenen Gaspreise nicht mehr reicht. „Wir erwarten die, die eigentlich schon längst da sein müssten, sich bisher aber geschämt haben, zur Tafel zu gehen“, sagt er. Außerdem komme schon wieder eine neue Flüchtlingswelle „mit vor allem jungen Menschen“.

Fleißige ehrenamtliche Helfer holen jeden Tag überzählige, aber noch verwertbare Waren für die Tafel aus den Geschäften.
Fleißige ehrenamtliche Helfer holen jeden Tag überzählige, aber noch verwertbare Waren für die Tafel aus den Geschäften. © Rolf Oeser

Gleichzeitig geben die Geschäfte für die Tafel weniger überzählige, aber noch verwertbare Waren ab. „Die Lebensmittel werden knapper“, habe ihm eine Ehrenamtliche, die jeden Abend bei der Metro Waren für die Tafel abhole, erst am Donnerstag berichtet. Deshalb versuche man, fehlende Produkte dazuzukaufen. Seit zwei Monaten darf der Verein nämlich nicht nur Waren, sondern auch Geld annehmen. Der Bund habe die Arbeit der Ehrenamtlichen außerdem „mit einer größeren Summe“ unterstützt, so Hauschild. Trotzdem bleibt ein Wunsch offen: „Ein kleines Kühlfahrzeug, um Lebensmittel unter Einhaltung der Kühlkette aus Geschäften im Kreis Darmstadt-Dieburg abholen zu können.“

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