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Verpachtet ist nur ein Teil des Platzes am Herrngartencafé – das verdeutlicht die Stadt nun mit einem Bauzaun.

Herrngarten

Eingezäunte Cafébesucher

Die Stadt streitet mit dem Betreiber des Herrngartencafés über dessen Public-Viewing-Angebot. Das Problem: Das Rondell, auf dem Rauer sein Café betreibt, steht ihm nur zur Hälfte zu.

Um das Public Viewing zur Fußballweltmeisterschaft im Darmstädter Herrngarten streitet der Betreiber des Cafés mit der Stadt. Die jüngste Eskalationsstufe: ein Bauzaun, quer durch das Gelände. „Einfach einen Zaun zu errichten, diese Denkweise entspricht der einer Berliner Mauer“, findet Gastronom Rauno Rauer und erklärt: „Die Bürger sind nun vom öffentlichen Platz ausgesperrt, dazu hat die Stadt kein Recht.“

Verschwendung von Steuergeldern

Das Problem: Das Rondell, auf dem Rauer sein Café betreibt, steht ihm nur zur Hälfte zu. Der südliche Teil ist öffentlicher Platz und wird damit von der Stadt verwaltet. Für das Public Viewing wollte Rauer die öffentliche Fläche mitnutzen, seine Leinwand neben der Konzertmuschel aufstellen. Als die Leinwand am vergangenen Freitag aufgebaut war, ordnete das zuständige Grünflächenamt den Abbau an. „Wie jeder andere auch hätte der Veranstalter für die Nutzung der Fläche zahlen müssen“, erklärt Sigrid Dreiseitel, Pressesprecherin der Stadt. Die Gebühr von 300 Euro pro gezeigtem Spiel lehnte Rauer jedoch ab. Die Konsequenz: Die Leinwand musste auf das private Gelände, steht nun am westlichen Ende des Biergartens.

Für Rauer ist das „hinnehmbar“, auch wenn er dadurch weniger Gäste bedienen könne. Nicht akzeptieren will der Gastwirt dagegen den Bauzaun, der nun die öffentliche Fläche von dem Biergarten abgrenzt. „Die Gäste fühlen sich wie im Käfig. Das bedeutet für mich einen Umsatzausfall, auch im Tagesgeschäft.“ Darüber hinaus sorgt sich Rauer um die Sicherheit der Besucher, die nun völlig umzäunt sind.

Ein weiteres Ärgernis: „Eine Hochzeitsgesellschaft musste am Wochenende 300 Euro dafür zahlen, dass der Zaun abgebaut wird und sie die Natur genießen können. Danach wurde der Zaun wieder aufgebaut. Das ist einfach Verschwendung von Steuergeldern“, empört sich Rauer.

300 Euro Gebühr pro Spiel

Die Stadt begründet die Aufstellung des Bauzauns so: „Der Gastronom wollte sich nicht an die vertraglichen Bedingungen halten. Wir wollen mit dem Bauzaun verhindern, dass der öffentliche Raum ohne Genehmigung von einem kommerziellen Betreiber genutzt wird“, so Dreiseitel.

Vertraglich festgehalten sei mit dem Pächter des Herrngartencafés, François Fritz, eine rein gastronomische Nutzung. „Sonderveranstaltungen wie Public Viewing müssen daher gesondert genehmigt und bezahlt werden“, sagt Dreiseitel. Rauer dagegen ist der Meinung, dass die Erbpacht eine Zahlung bei kulturellen Veranstaltungen, für die kein Eintritt verlangt wird, rechtswidrig macht.

Rauers Wunsch ist nun vor allem, den Zaun für die noch kommende WM-Zeit zu entfernen. „Wir sind eine so liberale Stadt, da passt der Zaun einfach nicht her.“

Über das Wochenende ist der Zaun wegen einer anderen Veranstaltung auf dem öffentlichen Teil des Rondells zunächst verschwunden, am Montag wolle die Stadt ihn aber wieder errichten, kündigt Pressesprecherin Dreiseitel an.
„Erst, wenn sichergestellt ist, dass das Public Viewing auf dem eigenen Gelände bleibt, kann der Zaun weg. Hier wäre es am Veranstalter, uns davon zu überzeugen“, sagt Dreiseitel. ers

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