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Aus einer Villa werden fünf Reihenhäuser

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Bäume sollen gefällt werden und Reihenhäusern Platz machen.
Bäume sollen gefällt werden und Reihenhäusern Platz machen. © Winfried Eberhardt

Es ist das übliche Spiel. Die Eigentümer großer Grundstücke sterben, die Erben haben kein Interesse daran und verkauft die Immobilie. So werden aus einem Haus oft plötzlich fünf. Nicht zur Freude der Nachbarn.

Es ist das übliche Spiel, fast wöchentlich in Darmstadts Wohngebieten zu beobachten: Die Eigentümer großer Grundstücke sterben, die Erben haben kein Geld oder kein Interesse, das Erbe zu erhalten und zu sanieren; so wird die Immobilie an einen Investor verkauft, und aus einem Haus werden plötzlich fünf.

Dies ist auch das Schicksal des Grundstücks Klappacher Straße 117, das dem 2002 gestorbenen Darmstädter Kaufmann Ernst Utsch gehört hat. Die Villa ist bereits abgerissen, auf dem knapp 2000 Quadratmeter großen Gelände entstehen vier zweigeschossige Reihenhäuser zur Klappacher Straße hin und rückwärtig, am Flachsbachweg, ein dreigeschossiger Sechs-Familien-Block.

Behörden haben keine Wahl

Ein Vorhaben, das bei den Nachbarn naturgemäß keine Begeisterung auslöst – sei es wegen der Menge des Zuwachses, sei es wegen der hier ungewohnten Flachdächer, unter denen die Reihenhäuschen strammstehen. Hier entzündete sich die Empörung jedoch an etwas anderem: am, wie es empfunden wurde, rüden Fällen von vier Bäumen, darunter zwei großen, alten Eichen. Wie konnte das geschehen? Es geschah, weil es erlaubt war, sagt die Stadtverwaltung. 30 Bessunger Bürger meldeten Protest an, vergebens. Denn das Grundstück wird vom Bebauungsplan S?13 abgedeckt; ihm zufolge ist die Ausnutzung des Grundstücks rechtens.

„Es gab eine lange Diskussion um die Verdichtung“, sagt Harald Kissel vom Stadtplanungsamt. Doch die Parameter – Grundflächenzahl und Geschossflächenzahl – bewegen sich im normalen Rahmen. Dummerweise standen die Eichen so, dass sich laut Behörde nicht um sie herumbauen ließ. Birgit Kretzschmar vom Umweltamt hat sich noch mal alle Akten auf den Schreibtisch gelegt; bei der Lektüre kommt Trauer hoch. „Nein, es ist nicht schön“, sagt die Amtsleiterin.

Die Eichen zu erhalten, hätte bedeutet, dass 60 Prozent des Grundstücks nicht bebaut werden können. Entsprechend hätte die Stadt den Eigentümer entschädigen müssen, „und das kann sie sich nicht leisten“ sagt Kretzschmar. Der Bebauungsplan sei recht alt, „aber nun mal gültig – und Festsetzungen zum Erhalt der Bäume gibt es darin nicht“. Bei seiner Aufstellung hatte sich wohl niemand Konflikte, wie sie heute an der Tagesordnung sind, vorstellen können.

Über allem steht das Eigentumsrecht und eine höchstrichterliche Rechtsprechung, die Eingriffsmöglichkeiten durch Behörden beschneidet. „Und das ist politisch auch so gewollt“, sagt Kretzschmar. Da der Baugenehmigung nichts im Wege stand, sei ihr nichts anderes übrig geblieben, als die Fällgenehmigung zu erteilen. „Glücklich sind wir damit nicht.“

Die Stellung der Gebäude auf dem Grundstück ergab sich im übrigen schon durch die Abstandsregeln: sechs Meter zueinander, drei Meter zum Nachbargrundstück. Und drunter eine Tiefgarage. Immerhin wurden die Genehmigungen mit Auflagen erteilt; unter anderem muss der Bauträger fünf neue Bäume setzen. Die Firma habe ein umfangreiches Pflanzkonzept als Teil der Freiflächenplanung vorgelegt. Gleichwohl bleibt bei der Stadt das bittere Gefühl zurück, nicht genug ausrichten zu können. ( ers)

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