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Eine Frau für alle Fälle

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Anja Fuchs leitet die Regionale Kriminalinspektion bei der Polizei Südhessen.
Anja Fuchs leitet die Regionale Kriminalinspektion bei der Polizei Südhessen. © Polizei Hessen

Anja Fuchs leitet die Regionale Kriminalinspektion bei der Polizei Südhessen

Auf dem Schreibtisch von Anja Fuchs landen die harten Fälle. Mord und schwerer Raub, Einbrüche, Betrug, Sozialkriminalität, Trickdiebstahl und Rauschgiftdelikte. Die 35-Jährige ist Kriminaloberrätin und leitet seit Anfang November die Regionale Kriminalinspektion (RKI) im Polizeipräsidium Südhessen, sie ist also zuständig für Darmstadt und Darmstadt-Dieburg.

Rund 65 Mitarbeiter hat die Juristin, die als Quereinsteigerin nach dem Studium zur Polizei kam. Damals suchte das Innenministerium Juristen, Betriebswirte und IT-Ingenieure für den Höheren Dienst. Die Polizeireihen sollten durch Kollegen mit Blickwinkel von außen angereichert werden.

Anja Fuchs hatte schon kurz nach dem Abitur damit geliebäugelt, zur Polizei zu gehen, sich aber vom Sporttest abschrecken lassen. Stattdessen studierte die Königsteinerin Jura in Bonn. Strafrecht war schon im Studium ein Interessensschwerpunkt. Aber Rechtsanwältin zu werden - das konnte sie sich nicht vorstellen. "Ich wollte nicht so abhängig von Mandaten sein", sagt sie, "ich hätte mir nicht meine juristische Bewertung diktieren lassen wollen." Da hätte sie sich zu sehr verbiegen müssen, fürchtete sie, und dazu war sie nicht bereit.

Quereinstieg bei der Polizei

Die Ausschreibung des Innenministeriums kam also gerade recht. Gegen 40 andere musste Fuchs sich im Bewerbungsverfahren behaupten, auch im Sporttest, den sie als Abiturientin noch gescheut hatte. Fünf Stellen hätte es gegeben, drei wurden schließlich besetzt. Alle mit Frauen.

Die drei durchliefen ein Schnellprogramm mit hohem praktischen Anteil, zu dem nicht nur die Polizeihochschule und verschiedene Kripostationen in unterschiedlichen Präsidien, sondern auch der Streifendienst zählte. Diese praktische Zeit findet Fuchs bis heute wichtig. "Verständnis dafür, wie es im Nachtdienst abläuft und eine Vorstellung, unter welchem Stress die Kollegen stehen, hat man nur, wenn man das selbst mal gemacht hat."

Schließlich kam sie zum Staatsschutz beim Landeskriminalamt und hat dort die vergangenen fünfeinhalb Jahre verbracht. Die Analyse der Gefährdungslage durch politische Extremisten und Terroristen sowie die Abstimmung auf Bundesebene waren ihre Aufgaben. Aber der Landespolizeipräsident setzt Führungskräfte gern an unterschiedlichen Stationen im Land ein und so fing sie im November schließlich in Darmstadt an, als fünfte RKI-Leitung in fünf Jahren.

Ihr wichtigstes Ziel ist daher, Kontinuität in die Arbeit zu bringen. "Es ist mir wichtig, den Leuten zu signalisieren, es ist ein verlässlicher Ansprechpartner da." Fachlich sei sie noch in der Phase, die Baustellen zu erkunden, sagt die Kriminaloberrätin. Was sie an ihrem Beruf aber grundsätzlich schätzt, ist die "tägliche Ungewissheit". Jeder Anruf könne etwas völlig Neues bringen.

Ein persönlicher Schwerpunkt für die Juristin ist naheliegend die Zusammenarbeit mit der Justiz. Für einen Polizisten ist der Festgenommene ein Täter. Für die Justiz ist es zunächst nur ein Verdächtiger, dessen Schuld bewiesen werden muss. "Gegenseitig Verständnis wecken", ist ihr deshalb ein Anliegen. (rwb)

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