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Eine Chance für junge Familien

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Sybille Wegerich und Barbara Akdeniz (rechts) in der Musterwohnung.
Sybille Wegerich und Barbara Akdeniz (rechts) in der Musterwohnung. © Andreas Kelm

Wohnungen in der Lincolnsiedlung sind besonders für Empfäger mittlerer Einkommen geeignet.

Für wohlhabende Darmstädter ist es kein Problem, sich mit einem luxuriösen Zuhause zu versorgen. Bürgern mit geringem Einkommen steht das – im Lauf der Zeit kleiner gewordene – Angebot öffentlich geförderter Wohnungen offen. Was aber ist mit der Mittelschicht, die weder bei den rasant steigenden Mieten im freien Markt mithalten kann, noch ein Anrecht auf eine sogenannte Sozialwohnung hat?

Diese Gruppe gerät, obwohl sie nicht zu den im klassischen Sinn Bedürftigen zählt, zunehmend ins Blickfeld der Sozialpolitik. Stadt und Bauverein haben ihr daher in dem städtebaulichen Vertrag, der zur Entwicklung der Lincolnsiedlung geschlossen wurde, extra Wohnungen reserviert – 20 im nördlichen Abschnitt, dessen insgesamt 108 Wohnungen derzeit in der Vermietung sind. Fünfzig weitere sollen in den noch zu errichtenden Neubauten dazukommen.

Angesprochen ist vor allem der Kreis junger Familien, wie Sozialdezernentin Barbara Akdeniz betont, die das Angebot zusammen mit Bauvereinsdirektorin Sybille Wegerich vorstellte. „Die leben als Paar in einer eher kleinen Wohnung, die sie sich gerade noch leisten können“, erklärt Akdeniz. „Dann kommen Kinder, eine Weile geht es noch in der kleinen Wohnung. Dann aber braucht die Familie eine größere – und da hat sie so gut wie keine Chance in Darmstadt.“

Die nun präsentierten Wohnungen in der Lincolnsiedlung aber sind ideal für diese Gruppe. Drei oder vier Zimmer, bis zu 90 Quadratmeter im einen, bis 120 Quadratmeter im anderen Fall. Der Zuschnitt erinnert noch an die früheren amerikanischen Bewohner: die Küche zum Wohnraum offen, in der Regel ein zweites, ans Schlafzimmer gekoppeltes Bad, dafür keine Diele.

Junge Familien finden sich nicht selten unter jenen „Empfängern mittlerer Einkommen“, um die sich Stadt und Bauverein hier kümmern. Doch was heißt das genau? Das Anrecht auf eine Sozialwohnung ist präzise geregelt und wird, so Akdeniz, „streng kontrolliert“. Der nun angesprochene erweiterte Kreis darf bis zu zwanzig Prozent mehr als die Sozialwohnungsberechtigten verdienen. „Nehmen wir eine vierköpfige Durchschnittsfamilie“, sagt Akdeniz. „Mit einem Jahreseinkommen von 50 000 Euro kann sie eine Sozialwohnung beanspruchen. Bei bis zu 60 000 Euro könnte sie sich für eine der hier vorgestellten Wohnungen bewerben.“

Rund 8000 Darmstädter Haushalte leben in Sozialwohnungen. Über 2000 weitere Haushalte sind beim Amt für Wohnungswesen gemeldet – für sie wird eine Sozialwohnung gesucht. Die Vermittlung ist stets Sache der Stadt. Wie viele Bürger der unteren Mittelschicht für das erweiterte Angebot öffentlich geförderter Wohnungen in Frage kommt, ist bislang nicht bekannt.

Bei Neubauwohnungen gibt es dafür Zuschüsse des Landes. Bei Bestandsgebäuden wie in der Lincolnsiedlung fördert die Stadt dieses neue Programm mit 21 000 Euro pro Wohnung.

In der Lincolnsiedlung sind Mittelschichtwohnungen über alle Blocks hinweg verteilt – der Fehler der Ghettobildung wie in früheren Jahren soll tunlichst vermieden werden. „Wir wollen Lincoln in seiner ganzen Buntheit“, sagt Sybille Wegerich. Einerseits gilt für die Wohnungen ringsum der Marktpreis entsprechend dem Mietspiegel, andererseits „leben hier nun auch zehn Flüchtlingsfamilien, und die Nachbarschaft“, so Wegerich, „findet zueinander“.

Die Miete der frei finanzierten Wohnungen reicht bis zu über 9 Euro pro Quadratmeter. Bei den Mittelschichtwohnungen sind es 7,15 bis 7,90 Euro. (ers)

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