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Ein Theater im Einkaufszentrum Loop5 in Weiterstadt

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Eine Szene aus dem Theaterstück „Ganz oder gar nicht“, das Stein’s Tivoli Theater im Shoppingcenter Loop5 aufführen wird.
Eine Szene aus dem Theaterstück „Ganz oder gar nicht“, das Stein’s Tivoli Theater im Shoppingcenter Loop5 aufführen wird. © Daniel Dornhöfer

Stefan Stein eröffnet im Shoppingcenter Loop5 in Weiterstadt ein Theater. In der FR spricht er über seine Motivation und sein Konzept für die Bühne.

Das Einkaufszentrum „Loop5“ in Weiterstadt erfindet sich neu als Freizeitpark. Neben Freefall-Tower, Klettergerüst und Rutschen gehört auch Stein’s Tivoli Theater zu den geplanten Attraktionen. Dessen Macher, Stefan Stein, möchte mit Theater auch Geld verdienen. Dazu hat er sich im Lockdown ein neues Konzept ausgedacht und plant, gleich eine ganze Kette an Unterhaltungsbühnen zu gründen.

Herr Stein, wie passen Shoppingmall und Theater zusammen?

Wir haben mit sehr, sehr vielen Einkaufszentren gesprochen. Die haben das Problem, dass die reinen Läden eben nicht mehr die Zugkraft haben, die sie mal hatten. Alle Einkaufszentren leiden unter Besucherschwund und orientieren sich neu, egal ob sie in Frankfurt das MyZeil nehmen oder in Sulzbach das Main-Taunus-Zentrum. Die Entertainment-Bereiche sollen neues Publikum anziehen, aber auch die Attraktivität steigern für die anderen Läden. Wir kommen mit dem Angebot. Ob das funktionieren wird, kann ich echt noch nicht sagen.

Das heißt, Sie zahlen dem Loop5 auch eine günstigere Miete?

Ich zahle definitiv nicht die Miete, die der normale Ladenbesitzer hier zahlt. Soviel kann ich Ihnen sagen, ohne Vertragsdetails zu offenbaren. Weil es natürlich so ist, dass wir ein einmaliges Angebot haben, das es sonst auf dem deutschen Markt nicht gibt.

Folgt man dem Namen Tivoli, der antiken Stadt, die heute als Synonym für Freizeitparks steht, dann bieten Sie vor allem eine Mischung aus Vergnügen und...?

Unterhaltung, Entertainment. Wir machen nichts Edukatives. Kommen Sie zwei Stunden ins Theater, lassen sich gut unterhalten, berieseln, singen Sie mit, klatschen Sie mit. Dann gehen Sie und hatten einen schönen Abend. Mehr Anspruch haben wir nicht. Ich will die Leute nicht belehren. Ich würde niemals zeitgenössische Stücke spielen oder irgendwelche Dramen oder klassische Schauspiele – immer nur Komödien und Musicals.

Aber Sie werben mit Elementen, die noch nicht im Theater umgesetzt wurden. Was soll man sich darunter vorstellen?

Unsere Sessel sind nicht nur komplett drehbar, sondern auch in Höhe und Neigung verstellbar, damit man möglichst gemütlich sitzt. Und in jeder Vierergruppe gibt es einen kleinen Tisch in der Mitte, an dem die Gäste bedient werden mit Getränken.

Aber was ist das Neue?

Die Stühle sind deswegen drehbar, weil wir nicht nur die Bühne, sondern auch das Auditorium als Spielfläche betrachten. Nur dadurch haben die Gäste die Möglichkeit, alles mitzubekommen, was passiert. Rings um das Auditorium haben wir große Bildschirme, die immer szenisch das auffangen, was wir spielen. Zusätzlich gibt es Surround-Sound, Klang und Ton kommen immer aus der Richtung, wo sich eine Aktion abspielt oder der Zuschauer sie vermutet. Wir arbeiten mit Lasern, Nebel, jeder Menge Sound und Effekten. Wir wollen die Zuschauer in die Szenerie, in der gerade gespielt wird, hineinversetzen. Es geht darum, das Geschehen erlebbarer zu machen.

Dafür ist es dann aber auch kein klassisches Bildungsbürgertheater?

Theater-Kostproben

Stein’s Tivoli Theater bietet im Einkaufszentrum Loop5 kostenlose Kurzvorstellungen als „Appetithäppchen“ für die Aufführungen an.

Die Kostproben über 10 bis 15 Minuten gibt es vom 30. September bis 15. Oktober jeweils freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 18 Uhr im Theater im Loop5, Gutenbergstraße 3, in Weiterstadt. swo

Wenn wir Komödien spielen, folgen wir keinem intellektuellen Anspruch.

Und Sie bekommen auch keine Förderung?

Für mich steht der wirtschaftliche Gedanke hier auch durchaus im Vordergrund. Ich möchte mit Theater auch Geld verdienen. Das heißt eben, dass man Dinge spielt, die auch bei den Leuten Nachfrage finden. Sobald Sie anfangen mit Förderung, haben Sie Menschen, die ihnen reinsprechen und eine bestimmte Ausrichtung haben wollen. Ich wollte immer die Unabhängigkeit wahren, um genau den Spielplan auf die Bühnen zu bringen, von dem wir denken, dass er zum Publikum am besten passt. Und eben um zu zeigen, dass man Theater auch ohne Zuschüsse machen kann.

Nachdem Sie 13 Jahre lang ein Theater in Rodenbach betrieben haben, wollen Sie nun gleich drei neue Standorte aufmachen – neben dem im Loop5 auch im MyZeil in Frankfurt und in der City-Galerie in Aschaffenburg. Woher kommen solche ambitionierten Expansionspläne, gerade in diesen Zeiten?

Ich hab die letzten Jahre dazu genutzt, dieses neue Konzept zu entwickeln. Ich glaube an das Konzept und bin davon überzeugt, dass es auch an anderen Standorten gut funktionieren wird. Insbesondere dort, wo bereits kulturelles Publikum existiert, in jedem Fall Frankfurt und auch Aschaffenburg.

Wenn Sie allein schon für Weiterstadt einen, wie Sie sagen, höheren sechsstelligen Betrag investieren, muss Ihnen da nicht noch jemand Geld geben?

Wir sind nicht bankenfinanziert. Das kommt alles von mir privat.

Wollen Sie sich als Franchise für Investoren öffnen?

Das ist durchaus eine Überlegung und wir hatten da schon Nachfrage. Aber erst mal wollen wir zeigen, dass das Konzept auch funktioniert. Das kann man nur mit eigenen Häusern. Unsere Spielplanung ist darauf ausgelegt, mehrere Häuser zu haben. Der Plan ist es, mit einer Produktion nach drei Monaten in das nächste Theater zu gehen und dann rotieren die Spielpläne.

Und so wird es dann wirtschaftlich?

Dann sind die Produktionskosten für jedes Stück viel geringer. Auch die Theater, die wir planen, sind alle baugleich.

Interview: Sebastian Weißgerber

Stefan Stein, 57, produziert seit mittlerweile 27 Jahren kommerzielles Unterhaltungstheater.
Stefan Stein, 57, produziert seit mittlerweile 27 Jahren kommerzielles Unterhaltungstheater. © privat

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