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Ein neues Hochhaus in der Innenstadt von Darmstadt

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Von: Annette Schlegl

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Der Siegerentwurf zum Hochhaus, das auf dem Marienplatz in Darmstadt gebaut werden soll.
Der Siegerentwurf zum Hochhaus, das auf dem Marienplatz in Darmstadt gebaut werden soll. © luxfeld digital art

Ein Wohnturm soll in Darmstadts Mitte entstehen. Der Siegerentwurf des Realisierungswettbewerbs sieht umlaufende Balkone, begrünte Wände und ein bewaldetes Dach vor.

Auf dem Marienplatz in Darmstadt entsteht ein 16-stöckiger Wohnturm. Was sich erst einmal unspektakulär anhört, ist durchaus imposant: Das Hochhaus hat eine außergewöhnliche Architektur und wird eines der auffälligsten Gebäude in der Stadt sein. Der Entwurf des Darmstädter Architekturbüros Netzwerkarchitekten hat den Realisierungswettbewerb gewonnen, den der Schweizer Bau- und Immobiliendienstleister Implenia ausgelobt hatte. Der Marienplatz, der derzeit noch als geschotterter Parkplatz genutzt wird, ist vor einem Jahr für 14,2 Millionen Euro an Implenia verkauft worden.

Auf dem 1,4 Hektar großen Areal in der Stadtmitte soll ein nachhaltiges Wohnquartier entstehen, das sich in ein mäanderförmiges, bis zu sechs Geschosse hohes Gebäude und den 57 Meter hohen Wohnturm gliedert. Im Realisierungswettbewerb hatte eine elfköpfige Jury zunächst zwei Entwürfe für das Hochhaus ausgewählt, die im Mai aber nochmals überarbeitet werden mussten. Der finale Entwurf der Netzwerkarchitekten überzeugte schließlich in einer zweiten Jury-Sitzung. Platz zwei ging an das Architekturbüro „a+r Architekten“ aus Stuttgart.

Große Tröge mit geschosshohen Pflanzen sollen das Darmstädter Hochhaus begrünen

Die Architektur des Wohnturms ist besonders: Das Gebäude hat umlaufende Balkone und soll stark begrünt werden. Pflanztröge von bis zu 1,10 mal 1,10 Metern Größe seien an der Hauswand geplant sowie dort, wo zwei Wohnungen aneinandergrenzen, sagt Karim Scharabi, geschäftsführender Gesellschafter der Netzwerkarchitekten. „Es ist den Mietern überlassen, diese Pflanz-Optionen zu nutzen“, erklärt er. Sein Unternehmen stellt sich nicht nur Blumen, sondern auch größere Gewächse vor, die geschosshoch sein können – zum Beispiel als Sichtschutz zum Nachbarn. Die Begrünung sorge für ein gutes Mikroklima und die Verschattung der bodentiefen Fenster, so Scharabi. „Die Balkonflächen ersetzen quasi einen Garten und erweitern den Lebensraum der Bewohner und Bewohnerinnen.“

Die Etagen 15 und 16 sind als Penthouse-Maisonetten geplant, wobei das Obergeschoss baulich zurückspringt. Entlang dieser Dachterrassen soll ein Baumhain gepflanzt werden, das Hochhaus bekommt also eine grüne Krone.

Recyclingbeton und Holztafelelemente als nachhaltige Baustoffe beim Wohnturmbau in Darmstadt

Planungsdezernent Michael Kolmer (Grüne) spricht von „ökologischen Qualitäten des Entwurfs“, die die Jury überzeugt haben. Das Gebäude ist nämlich nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich grün geplant. „Wir versuchen, beim Bauen die Massen zu minimieren und mit einem Minimum an Beton auszukommen, weil Zement energieintensiv ist bei der Herstellung“, sagt Scharabi. Weitgehend solle Recyclingbeton – Beton aus wiederverwerteten Baustoffen – zum Einsatz kommen, „nur beim Keller erlaubt das die Norm nicht“.

Zudem sind an den Außenwänden Holztafelelemente vorgesehen, die man aber nicht sehen wird. Sie müssen eingekapselt, also mit einer Rigips-Schicht ummantelt werden, weil die Fassade nicht aus brennbarem Material bestehen darf.

Photovoltaik, Solar- und Geothermie sowie Wärmepumpen für Hochhaus in Darmstadts Mitte

Auf dem Dach sollen Photovoltaik- und Solarthermie-Module installiert werden, in den Brüstungen zusätzlich Photovoltaikzellen für den Betrieb der Gebäudetechnik. Mit Geothermie und Wärmepumpen wird das Gebäude im Winter geheizt und im Sommer gekühlt.

Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) sieht den markanten Wohnturm als „wichtigen Auftakt für die weitere Hochbauentwicklung“.
Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) sieht den markanten Wohnturm als „wichtigen Auftakt für die weitere Hochbauentwicklung“. © luxfeld digital art

Wie viele Wohnungen in dem Hochhaus entstehen werden, sei noch nicht ganz klar, heißt es vom Immobilienentwickler Implenia. Bisher seien nur Höhe und Kubatur festgelegt. Im gesamten Marienplatz-Quartier sind jedenfalls rund 320 Miet- und Eigentumswohnungen geplant. 45 Prozent davon sollen laut Implenia als geförderter Wohnraum entstehen. 25 Prozent der Wohnfläche sind dabei für Personen mit geringem Einkommen vorgesehen, 20 Prozent für Haushalte mit mittlerem Einkommen. Auch eine Kita wird auf dem Grundstück errichtet.

Das Hochhaus wird nicht dem Wohnen allein dienen. Im Erdgeschoss ist ein Nahversorger und eine kleine Gastronomie geplant, in dem darüberliegenden Geschoss wird es Büroflächen geben. Die nächsten Planungsschritte sind die Offenlage und danach der Satzungsbeschluss.

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