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Landrat Alfred Jakoubek (SPD) beim Spatenstich.
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Landrat Alfred Jakoubek (SPD) beim Spatenstich.

Interview mit Jakoubek

"Der Egoismus war zu stark"

Darmstadt-Dieburgs Landrat Alfred Jakoubek (SPD)scheidet. Im Interview mit der Frankfurter Rundschau spricht er über regionale Zusammenarbeit und gemachte Fehler.

Man kennt Sie als stets korrekt, zumeist im dunklen Anzug. Wie sind Sie abseits davon?Immer locker und froh darüber, es mir privat ohne Anzug oder Jackett und Krawatte bequem machen zu können.

Wie laufen Sie denn herum?T-Shirt und Jeans oder Stoffhose, Jogginghose je nachdem.

Wie sind Sie als Privatmensch? Ich glaube, wer mich privat erlebt, sieht: Der Landrat als Privatmann Alfred Jakoubek ist wie jeder andere auch.

Die strikte Trennung zwischen Beruf und privat ist Ihr Kennzeichen. Sie gelten als Arbeitstier. Ende September ziehen Sie sich von Ihrem "Hobby Kommunalpolitik", so haben Sie es in Ihrer Abschiedserklärung genannt, zurück. Was kommt dann?Eine Phase des Ausspannens und eine Phase, die ich mir bis 65 vorstelle als gleitenden Ausstieg aus dem Berufsleben. Wer 27 Jahre mit 80 Stunden in der Woche Vollgas gefahren ist, tut sich keinen Gefallen, wenn er meint, er müsse eine Vollbremsung hinlegen. Irgendeine Tätigkeit werde ich noch übernehmen, vielleicht auch im karitativen Bereich. Bis Ende des Jahres wird sich das eine oder andere zeigen.

Wie werden Ihre letzten drei Monate als Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg aussehen?Arbeitsreich. Im Moment habe ich eine Vielzahl von Terminen zu absolvieren, weil viele mich noch einmal einladen. Und es gibt einiges, was noch abgeschlossen werden muss.

Was hätten Sie gerne noch angepackt? Wo wird das Herz schwer?(lacht) Die Zusammenführung der Kreisverwaltung am Standort Kranichstein hätte ich gerne noch vollendet. Durch die Sanierung des Hochhauses wird sich das verzögern. Gewünscht hätte ich mir, dass die Verlängerung der Odenwaldbahn bis nach Pfungstadt hätte fertig gestellt werden können. Hier ist die Deutsche Bahn ein Jahr hinter dem Zeitplan. Leider. Aber wir werden noch im September den Bau- und Finanzierungsvertrag unterschreiben, so dass ich, wenn ich hier aus dem Amt gehe, weiß, das dies alles in trockenen Tüchern ist.

Auf welche Erfahrung hätten Sie gerne verzichtet?Darauf, dass es nicht möglich ist, regional stärker zusammenzuarbeiten. Ich habe in die regionale Zusammenarbeit enorm viel Energie gesteckt, weil ich meine, dass eine Region, die wirtschaftlich so verflochten ist wie diese, über die Tagespolitik hinaus eine Grundlage für ihre Zusammenarbeit finden müsste auch auf Verwaltungsebene, um diese Region mit mehr als einer Million Einwohnern voranzubringen. Aber hier waren die Egoismen teilweise so stark, dass dies zum Schluss zum Scheitern verurteilt war.

Wo haben Sie Fehler gemacht?Jeder versucht, einen guten Job zu machen. Ob das im Nachhall von zehn Jahren noch als gut erachtet wird, weiß man nicht. Bei der Gersprenz GmbH habe ich den Fehler gemacht, dass ich mich anfangs nicht entschiedener gegen die Gesellschafter durchgesetzt habe. Dann wären einige Dinge anders gelaufen.

Was meinen Sie konkret? Den Zweckverband über die Wupper gehen lassen?Nein. Der Zweckverband wurde erst später auf meinen Vorschlag hin gegründet. Konkret ging es um die Gersprenz GmbH. Als die Gesellschaft wackelte, beauftragte ich das Rechnungsprüfungsamt mit einer Sonderprüfung. Innerhalb von acht Tagen stellte es fest, dass die Aussage des Wirtschaftsprüfers in zwei Fällen falsch war. Das ist inzwischen gerichtlich bestätigt und hat dazu geführt, dass die Gersprenz im vergangenen Jahr 150.000 Euro an den Kreis zurückgezahlt hat.

Ihr größter Erfolg?Der Wirtschaftsstandort gehört zu den stärksten, wir liegen mit unseren Städten und Gemeinden im Hessenvergleich an der unteren Grenze der Verschuldung, haben die geringste Arbeitslosenquote südlich der Mainlinie. Das sind Indikatoren einer vernünftigen Politik, die immer von klaren Leitzielen geprägt war. Die sind: Familie, Schule, Vereine, Ehrenamt und präventive Sozialpolitik. In all diesen Bereichen haben wir keine Kürzungen vorgenommen. In spätestens vier Jahren werden wir den Schulstandort Darmstadt-Dieburg zu einem Top-Schulstandort in Hessen ausgebaut haben. Das wird eine der wesentlichen Voraussetzungen sein, um die Bevölkerungszahl in unserem Kreis durch Zuzug junger Familien in den nächsten 15 Jahren stabil zu halten. Denn durch die demografische Entwicklung werden in weiten Teilen unseres Landes die Bevölkerungszahlen zurückgehen. Junge Familien ziehen nur zu, wenn das Angebot stimmt.

Was fällt Ihnen zu "Sorgfalt vor Schnelligkeit" ein?(stutzt) Das ist von mir. Politische Entscheidungen sollten sorgfältig vorbereitet und das Für und Wider gründlich abgewogen werden. Sie sollten nachhaltig sein und Bestand haben.

Was haben Sie für den 1. Oktober geplant?Durchatmen. Ich habe mir vorgenommen, in der folgenden Zeit mal die Schränke meines Arbeitszimmers zu durchforsten. Alles Weitere ergibt sich. Dass ich zu Hause liege und schaue, wie das Gras wächst oder meiner Frau die Küche organisiere, wird nicht vorkommen.

Tuts weh?Nein, weil ich es frei entschieden habe. Ich hätte es ja noch mal machen können.

Interview: Silke Rummel

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