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Am effektivsten wäre die Maut

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Wegen des Verkehr sind die Schadstoffwerte in der Darmstädter Luft notorisch überhöht. Die hessische Umweltministerin Priska Hinz legt eine Wirkungsanalyse möglicher Maßnahmen zum Senken der Schadstoffwerte vor. Die wirkungsvollste Maßnahme wäre die City-Maut für alle Kraftfahrzeuge.

Die Schadstoffwerte in der Darmstädter Luft sind notorisch überhöht: Das wurde vor Jahren während der Feinstaub-Debatte deutlich, als bekannt wurde, dass in der Hügelstraße landesweite Spitzenbelastungen erreicht werden – weit über den gesetzlichen Grenzwerten. Ein Durchfahrtverbot für Transitlaster samt Lastwagen-Nachtfahrverbot brachte spürbare Linderung. Sorgenkind ist inzwischen vor allem Stickstoffdioxid, das an vielen Darmstädter Straßen in deutlich höherer Konzentration vorkommt als erlaubt.

Schadstoffquelle ist in beiden Fällen vor allem der Verkehr. Was kann man dagegen tun? Eine vom Land Hessen in Auftrag gegebene Wirkungsanalyse möglicher Maßnahmen hat Umweltministerin Priska Hinz vorgelegt. Fazit der Grünen-Politikerin: Die vieldiskutierte Umweltzone allein wird nicht ausreichen, um die Luftverschmutzung unter die zulässigen Grenzwerte zu senken. Andere Maßnahmen bringen laut der 124 Seiten umfassenden Studie noch bessere Fortschritte bei der Luftreinhaltung.

Allerdings sind die wirkungsvollsten Maßnahmen geeignet, mindestens ebenso heftige Debatten auszulösen: Ganz oben steht die Einführung einer City-Maut für alle Kraftfahrzeuge. Dahinter folgt die Schaltung sogenannter Pförtnerampeln an den wichtigsten Kernstadt-Zufahrten.

Umweltzone reicht nicht

Höchstwerte bei der Stickstoffdioxid-Belastung werden für die Hügelstraße ermittelt. Auch in Heinrichstraße, Kasinostraße (zwischen Bleich- und Rheinstraße) und Nieder-Ramstädter Straße (zwischen Kies- und Heinrichstraße) atmen Anwohner schlechte Luft. Die Wirkungsanalyse ergab, dass viele Maßnahmen zu einer Verbesserung der Luftqualität führen würden – allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Kaum überraschend, dass eine Grüne Welle an der Kasino-/Hindenburgstraße im direkten Umkreis wegen wegfallender Anfahr-Vorgänge den Schadstoffausstoß senken würde, diese Wirkung aber abseits des Straßenzugs rasch verpufft. Eine optimierte Ampelschaltungs in der gesamten Innenstadt stößt an Grenzen, weil sich die Strecken durch viele Kreuzungen beeinflussen.

Die Umweltzone bringt eine messbare Verbesserung, die aber bei Wegfall des Lastwagen-Verbots teilweise wieder aufgefressen würde. Noch stärker würde sich eine Ausweitung des Durchfahrtverbots auf den Verkehr der Nachbarkreise auswirken. Ein Proteststurm des Umlands wäre allerdings die politische Folge.

Proteste sind allerdings auch bei den Maßnahmen mit den höchsten Wirkungsgraden zu erwarten: Die Einführung einer City-Maut würde laut Studie die Verkehrsbelastung in Darmstadt und in der Folge auch den Schadstoffausstoß spürbar senken. Einen ähnlichen, wenn auch nicht ganz so starken Effekt hätten Pförtnerampeln an sechs Einfallsstraßen zur Zufluss-Steuerung. Allerdings müsse geprüft werden, „ob nicht im Aufstellbereich der Pförtnerampeln neue Belastungsschwerpunkte entstehen“.

Keine Maßnahme allein sei in der Lage, stadtweit die Einhaltung der Grenzwerte zu garantieren, heißt es in der Studie. Kombinationen seien allerdings möglich. Der Luftreinhalteplan wird vom Land Hessen verkündet. Dort wartet man nach Angaben von Ministeriums-Sprecherin Annette Zitzer auf eine Entscheidung Darmstadts, welche Maßnahmen angesichts der Studie erwünscht sind. Der Darmstädter Magistrat hat bereits im Januar erklärt, dass er eine Umweltzone einführen will. (bad)

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