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Auch wenn man gut aufpasst: Manchmal geht ein Koffer verloren.

Darmstadt Fundsachenauktion

Ich kaufe deinen Koffer

Herrenlose Gepäckstücke und vielerlei technische Gegenstände: Die Fundsachenauktion der Fraport AG in Darmstadt lockt viele Schnäppchenjäger. Bei der Auktion ist aber auch etwas Glück von Nöten.

Die Sporthalle der SG Eiche in der Darmstädter Heimstättensiedlung hat sich in eine riesige Ausstellungsfläche verwandelt: In Vitrinen liegen etliche Schmuckstücke, alle versehen mit einer Nummer. Dahinter eine lange Reihe von Laptops, Tablet-PCs und Kameras. Kleiderstangen, Kinderwagen und andere sperrige Dinge sind am Rand aufgestellt. Und dann ist da noch ein riesiger Berg Koffer. Bei der Fundsachenauktion der Fraport AG haben am Samstag herrenlose Gepäckstücke und allerlei technische Gegenstände den Besitzer gewechselt – darunter auch so manche Kuriosität.
In einem Spitzenmonat frequentiert die Fraport, in deren Auftrag die Auktion stattfindet, fünf Millionen Passagiere, erklärt Auktionatorin Meike Nahli: „Und ein bisschen was bleibt auch nach der Suche nach den Besitzern immer über.“
Der Höhepunkt für viele der rund zweihundert Bieter, die zur Versteigerung des Darmstädter Auktionshauses Wendt gekommen sind, sind die Koffer, die samt unbekanntem Inhalt versteigert werden – lediglich Drogen, Waffen und verderbliche Waren werden herausgenommen.

Stoffe für die Schneiderin

Und dann geht es los: „Zum Ersten, zum Zweiten – niemand mehr? – Zum Dritten!“ tönt die Stimme von Auktionatorin Meike Nahli für die nächsten sechs Stunden nun durch den Saal. Bis keines der Fundstücke aus dem Flughafen mehr übrig ist. Denn Meike Nahli, Tochter im familieneigenen Betrieb, ist Profi und wird selbst ein iPhone, mit dem man gar nicht telefonieren kann, für 130 Euro los.
Günstiger kommt da ein Auktionsteilnehmer weg, der nur mal falsch gezuckt und prompt eine Bastmatte für einen Euro ersteigert hat. Auch Hightech-Angelausrüstung, ein Ganesha-Gemälde aus dem Indienurlaub oder eine Flasche Wein wechseln in Windeseile den Besitzer. Und wenn mal keiner bietet? „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten – Verschenkt!“ ruft die Auktionatorin bei einem Babytragegurt mit unklarer Anwendung.
Für „eine Mülltüte mit Inhalt“ zahlt Susanne Günzel insgesamt um die 30 Euro. Jacken, Schals und ein Daunenmantel kommen zum Vorschein, als die leidenschaftliche Schneiderin die Tüte öffnet. „Genau das Richtige“, findet sie, „denn Stoffe sind teuer, und auch Knöpfe und Reißverschlüsse kann ich gebrauchen.“
Auch Technik steht hoch im Kurs. Otmar Fink ist auf der Suche nach Handys für seine Töchter. Er wartet auf ein Modell, dessen Nummer samt Höchstgebot er sich fein säuberlich auf einem Zettel notiert hat. „Man muss ja wissen, wie hoch man bietet. Und dann eisern sein,“ findet der Reinheimer. Denn ein Rückgaberecht gibt es für die Fundstücke nicht. „Ein bisschen Risiko gehört aber einfach dazu“, meint Fink. Ein anderer Auktionsteilnehmer, der es auf einen Tablet-PC abgesehen hat, hat gar eine eigene Formel zur Risikokalkulation beim Höchstgebot entwickelt: „Neupreis durch zwei, und dann ordentlich nach unten runden“, lautet die Devise des Darmstädters. „Sonst kauft man ein Kuckucksei für viel Geld.“
Mit der sprichwörtlichen Katze im Sack haben Michaela Pataky und Janine Isterling derweil schon Erfahrungen. Gerade haben die Freundinnen den zehnten Überraschungskoffer ihrer Bieter-Laufbahn ersteigert. „Aufgemacht wird der aber erst zuhause“, sagt Michaela Pataky, „das ist dann wie Weihnachten“.
Und wie am Heiligen Abend auch, liegen Enttäuschung und Glücksgriff oft nahe beieinander: „Einmal hatte ich einen Haufen dreckige Wäsche und wertlose russische Münzen im Koffer. Ein andermal dafür ein Piloten-Head-Set“, erzählt Janine Isterling. „Damit habe ich auf Ebay richtig Gewinn gemacht. Ein echter Glücksgriff!“ eda

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