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Dumm dank Ausländern

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Der Mann mit dem erhobenen Zeigefinger. Thilo Sarrazin.
Der Mann mit dem erhobenen Zeigefinger. Thilo Sarrazin. © Claus Völker

Große Empörung bei Kommunalpolitikern hat der Ausspruch von Thilo Sarrazin (SPD) ausgelöst, dass Deutschland durch die Zuwanderer aus der Türkei, dem Nahen und Mittleren Osten und Afrika immer "dümmer" werde.

Große Empörung bei Kommunalpolitikern hat der Ausspruch von Thilo Sarrazin (SPD) ausgelöst, dass Deutschland durch die Zuwanderer aus der Türkei, dem Nahen und Mittleren Osten und Afrika immer "dümmer" werde. Bei einer Veranstaltung des Arbeitskreises Schule und Wirtschaft hatte der frühere Berliner Finanzsenator, der heute Vorstandsmitglied der deutschen Bundesbank ist, am Donnerstagabend in Darmstadt in gewohnt provozierender Weise über sein Lieblingsthema gesprochen.

Sarrazin sagte unter anderem, es gebe "eine unterschiedliche Vermehrung von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Intelligenz". Einwanderer bekämen mehr Kinder als Deutsche. Intelligenz werde von Eltern an Kinder weitergegeben, der Erbanteil liege bei fast 80 Prozent.

Spaltung der Gesellschaft

Darauf parierte am Freitag Stadtrat Jochen Partsch (Grüne) mit den Worten: "Dümmer werden wir durch solche Einlassungen". Beim Internationalen Begegnungsfest auf dem Luisenplatz, das am Samstag um 10 Uhr eröffnet wird, will Partsch in seiner Begrüßungsansprache um 13.30 Uhr auch auf Sarrazins Äußerungen eingehen. Es dürfe nicht hingenommen werden, so der Stadtrat weiter, dass große Teile der Bevölkerung als "dümmer" beschimpft werden, nur weil sie in einer prekären Lage lebten.

Im Zusammenleben mit Migranten sei Darmstadt schon sehr viel weiter, als es Sarrazin mit seinen Stammtischparolen darstelle. Als vorbildliches Beispiel führte Partsch die Kästnerschule in Kranichstein an. Beschimpfungen trügen nur zur Spaltung der Gesellschaft bei. Vorrangige Aufgabe sei es vielmehr, die Bildungschancen von benachteiligten Kindern und Jugendlichen kontinuierlich zu verbessern. Jedes fünfte Kind - in Migrantenfamilien sogar jedes dritte Kind - in Deutschland lebe in Armut.

Jochen Partsch zitierte aus einer Längsschnittuntersuchung, aus der hervorgeht, dass in Armut lebende Kinder schon bei der Einschulung durch Entwicklungsverzögerungen und Verhaltensauffälligkeiten, geringes Sprachvermögen und motorische Einschränkungen erheblich benachteiligt seien. Bei Migrantenkindern kämen noch erschwerend die Sprachprobleme dazu. Diese Benachteiligung sei das Ergebnis einer langen, nicht gelungenen Integrationspolitik in Deutschland.

Auch der Darmstädter Kreisverband "Die Linke" verurteilt in einer Erklärung die "rassistischen Äußerungen" von Sarrazin. Offenbar versuche der SPD-Politiker, von den wirklichen Ursachen der Bildungsmisere abzulenken, nämlich der Unterfinanzierung und dem sozialen Ausschluss durch das dreigliedrige Schulsystem. (pyp)

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