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Dreieinhalb Jahre Haft nach Überfall

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Wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung und gefährliche Körperverletzung hat das Landgericht Darmstadt einen 33 Jahre alten Mann zu mehr als dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte seinen ehemaligen Schwager überfallen, beraubt, erpresst und geschlagen.

Am Tag des Urteils kam das Geständnis. Zu Beginn der Verhandlung vor dem Landgericht Darmstadt gestand der 33 Jahre alte Angeklagte, seinen früheren Schwager am 23. September vergangenen Jahres am Steubenplatz überfallen, ihm Geld geraubt und mit einem Stahlrohr geschlagen zu haben. Zudem hatte er von dem Besitzer eines Döner-Ladens 5000 Euro die Woche gefordert, sonst werde er ihn töten.

„Ich möchte mich beim Nebenkläger entschuldigen“, sagte der Angeklagte. Er habe seinen Ex-Schwager zu Unrecht verdächtigt, an Aktionen gegen ihn beteiligt gewesen zu sein.

Auch ohne das Geständnis hätte man dem Opfer geglaubt, erklärte die Vorsitzende Richterin Barbara Bunk. „Das Aussageverhalten des Angeklagten war schon bezeichnend.“ Erst habe er bestritten in Darmstadt gewesen zu sein, dann habe er nur reden wollen und das Rohr zur Verteidigung dabei gehabt. „Aber nur reden ist nicht Sache des Angeklagten“, sagte die Richterin und wies auf sein aufbrausendes Wesen hin, das er auch bei früheren einschlägigen Straftaten gezeigt habe.

Das Urteil: dreieinhalb Jahre und zwei Wochen Haft wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung. Die Verteidigung hatte auf drei Jahre plädiert, damit der Angeklagte, dessen Kinder in Deutschland leben, nicht nach Bosnien-Herzegowina abgeschoben wird. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre und zwei Wochen Haft gefordert.

Das Urteil ist rechtskräftig

Hintergrund des Überfalls war ein seit 2012 laufender Familienstreit, der begonnen hatte, als der Angeklagte und seine damalige Frau sich trennten. Seitdem war es immer wieder zu Handgreiflichkeiten zwischen den Familien gekommen. Dabei ging es vor allem darum, wann der Angeklagte seine beiden Kinder sehen durfte.

„Wir halten die Schutzgeldforderung nicht für ernst gemeint“, sagte die Vorsitzende zur 5000-Euro-Forderung. „Es ging darum, Angst zu verbreiten.“ Normalerweise würden sich Täter und Geschädigte bei solchen Taten nicht kennen. Der Prozess sei auch keine typische Gerichtsverhandlung gewesen.

„Es war das erste Mal in 20 Jahren, dass ich jemanden aus der Verhandlung ausschließen musste.“ Der 33 Jahre alte Mann war an einem Verhandlungstag einem Zeugen immer wieder ins Wort gefallen und nach zahlreichen Warnungen für eine halbe Stunde vom Prozess ausgeschlossen worden.

Der Angeklagte bleibt in Haft. Den Antrag den Haftbefehl bis zum Haftantritt auszusetzen, verwarf das Gericht wegen Wiederholungsgefahr. Ein erneutes Aufeinandertreffen mit der anderen Familie werde noch nicht friedlich verlaufen. Das Urteil ist rechtskräftig, Angeklagter und Ankläger erklärten, keine Revision zu beantragen. (mawi)

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