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Bühne frei für den Kranichsteiner Theaternachwuchs: Fremah Wiredu, Noé Queirard und Soukaina El Adak (v. li.).

Darmstadt

Drei Emilias aus Kranichstein im Staatstheater Darmstadt

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Mit Volker Schmidts Stück „Wo ist Emilia G.?“ frei nach Lessing begeistert das Staatstheater Darmstadt den Nachwuchs. Es geht um die drängenden Fragen des Theaterbetriebs.

Raus aus der Komfortzone und `rein in den Satellitenstadtteil: Es war ein Wagnis, auf das sich das Staatstheater Darmstadt mit Intendant Karsten Wiegand und Schauspieldirektor Oliver Brunner eingelassen hat, als es im Frühjahr des vergangenen Jahres darum ging, die geschützten Räume des Theaters am Georg-Büchner-Platz zu verlassen und ein Stationentheaterstück mitten im Darmstädter Hochhaus-Stadtteil Kranichstein aufzuführen.

Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Denn das Pilotprojekt hat sich zu einer Erfolgsgeschichte weiterentwickelt. Aus dem Projekt „Kranichstein represent (Deutschland braucht das)“ ist nun das Format „Staatstheater represent“ entstanden, in dem neben professionell Schauspielenden vier junge Akteur:innen mitwirken, die Regisseur Volker Schmidt bereits vor zwei Jahren bei Streetcastings entdeckt hatte. Dramaturg Maximilian Löwenstein spricht von einer „phänomenalen Entwicklung“ der jungen Talente aus Kranichstein.

Für das Stück „Wo ist Emilia G.?“ frei nach Gotthold Ephraim Lessing hat Regisseur Schmidt Soukaina El Adak, Noé Queirard und Fremah Wiredu mit tragenden Rollen besetzt. Und Erdal Avci ergänzt das Mädchentrio als Emilias Bruder und darf in die Rolle des Jokers schlüpfen. Der Kranichsteiner Theaternachwuchs steht mit Begeisterung auf der Kammerspielbühne und hätte vermutlich niemals eine solche Chance bekommen, hätte die Theaterleitung nicht den Mut gehabt, das Stationstheaterprojekt zu unterstützen.

Staatstheater Darmstadt: Drei junge Frauen spielen Emilia

Knapp 250 Jahre nach der Uraufführung von Lessings Trauerspiel „Emilia Galotti“ widmet sich Schmidt in seiner zweiten Arbeit für das Staatstheater Darmstadt drängenden Fragen des zeitgenössischen Theaterbetriebs. So geht es darum, wer auf einer Bühne mitspielen soll, wer darüber nach welchen Kriterien entscheidet und unter welchen Bedingungen im Theater gearbeitet wird. Anstelle von Lessings Prinzen lässt Schmidt Ensemblemitglied Thorsten Loeb als innovationsfreudigen Intendanten zunächst als weiße und herrische Lichtgestalt agieren. Er entscheidet, die Rolle der Emilia von drei jungen Frauen mit migrantischem Hintergrund spielen zu lassen. Doch der sich hip gebende Intendant scheitert mit seinem „Integrationstheater“. Das Stück endet recht blutig und zugleich amüsant.

Auch das besondere Trauerspiel muss nun nach nur drei Aufführungen in die Zwangspause. Es sollte unbedingt weitere Aufführungen geben. Denn: Darmstadt braucht das!

www.staatstheater-darmstadt.de

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