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Von Drachenaugen und Kometen

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Darmstadt Goldfisch-Ausstellung beim Aquarienverein Hottonia bietet Exotisches

Sechsundzwanzig schmucklose schwarze Bottiche stehen im Halbkreis auf der Wiese, überdacht von einfachen Pavillons. Auf den ersten Blick würde man wohl kaum erwarten, dass darin Wesen mit den geheimnisvollen Namen Rotkäppchen-Oranda, Elsternfarbiges Drachenauge, Calico-Komet oder Schleierschwanz ihre Runden drehen. Doch für die große Goldfisch-Ausstellung, die der Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia an den Pfingsttagen auf die Beine gestellt hat, wurde auch so manch exotischer Zeitgenosse dieses beliebten Haustiers ins Vereinsdomizil nahe des Oberfelds gebracht.

„Man glaubt gar nicht, wie viele verschiedene Goldfische es gibt. Das ist wirklich etwas Besonderes“, erklärt der Hottonia-Vorsitzende Peter Daniel Sicka. Er ist über einen der Bottiche gebeugt und schiebt eine Wasserpflanze leicht zur Seite, um seinen Gästen den Blick auf einen prächtigen Shubunkin zu eröffnen. 26 Arten haben die Vereinsmitglieder zusammengetragen, das sind jedoch längst nicht alle: „Aus ethischen Gründen haben wir beispielsweise auf die Ausstellung des Eierfischs verzichtet“, sagt Sicka und erklärt, dass bei diesem Fisch die Flossen so weit zurück gezüchtet sind, dass die Tiere kaum schwimmen können. Zusätzlich sind bei Hottonia auch entferntere Verwandte wie der Koi-Karpfen zu sehen, der – nicht ganz stilgerecht – in einem großen Swimmingpool seine Runden dreht.

26 Arten sind zu sehen

Doch auch die Präsentation der Fische ist durchdacht: „Von oben betrachtet müssen die Fische schön sein, das ist das Kriterium“, weiß Sicka, schließlich sei das die Perspektive, aus der man sie auch im eigenen Gartenteich schwimmen sieht. Der Shubunkin im Bottich vor Sicka kann sich jedenfalls sehen lassen: Nicht umsonst lautet sein weiterer Name Calico-Komet. Dank des prächtigen Schweifs, den das Tier hinter sich herzieht.

Während die Shubunkins in den vergangenen Wochen eigens für die Ausstellung aus Israel importiert wurden, sind auch einige einheimische Verwandte des Goldfischs mit von der Partie. Moderlieschen und Elritze wurden kurzerhand aus den eigenen Teichanlagen auf dem Vereinsgelände gefischt, um den Besuchern die einheimische Familie des ältesten Aquarienfischs der Welt zu zeigen. Einige Bottiche weiter ist auch der Urahn aller Goldfische zu bewundern: Neben all den Luxus-Varianten in rot, schwarz und weiß trägt die Goldkarausche allerdings einen recht euphemistischen Namen: Der Fisch, mit dem vor etwa tausend Jahren in Fernost die Goldfischzucht begann, ist schlicht matschbraun.

„Goldfische sind uralte Haustiere“, weiß Sicka und in Asien heute noch viel bedeutsamer als hierzulande. Und so bringen es die Goldfische – dort wie hier – auch mal auf einen stolzen Preis von bis zu mehreren hundert Euro. Eine der kostbarsten Zuchtformen ist das Drachenauge. Dieser Goldfisch mit den – pardon – Glupschaugen hat es Renate Röder besonders angetan. „Das war Liebe auf den ersten Blick“, findet die Rentnerin, die erst seit vier Wochen ein Goldfisch-Aquarium besitzt. Wieso es ihr gerade dieses schwarze Exemplar angetan hat, weiß sie ganz genau: „Hübsch sind sie doch alle, aber ich möchte etwas Exklusives. Das Drachenauge habe ich vorher noch nie gesehen.“

Obwohl die Möglichkeit zum Kauf bei einigen Goldfischen der Ausstellung besteht, ist das Ehepaar Röder aber aus einem anderen Grund hier. Vereinsmitglieder stehen an diesem Wochenende mit Rat und Tat zur Seite und beraten Neu-Aquarianer wie die Röders rund um Fische und Ausstattung. „Dafür“, sagt das Ehepaar aus Lieblos „lohnen sich auch 70 Kilometer Anfahrt.“ (eda.)

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