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Der doppelte Karl-Heinz

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Karl-Heinz Götz nimmt den Vorfall mit Humor.
Karl-Heinz Götz nimmt den Vorfall mit Humor. © Jens Etzelsberger

Weil ein Namensvetter stirbt, verliert ein 68-Jähriger kurzzeitig seine Rente. Der Raunheimer nimmt es nach erstem Schock mit Humor. Er verlässt sich auf das Sprichwort: Totgesagte leben länger.

Mangelndes Mitgefühl kann man der Aon Hewitt wirklich nicht unterstellen. Das Unternehmen, das sich um die betriebliche Altersversorgung von Firmen kümmert, kondoliert den Hinterbliebenen von Karl-Heinz Götz zunächst freundlich und spricht die „herzliche Anteilnahme“ zu dem „schmerzlichen Verlust“ aus. Dann wird es aber geschäftlich. Da der Empfänger der Betriebsrente ja Ende Oktober verstorben sei, die Novemberzahlung aber noch geleistet wurde, wird um Rückzahlung gebeten, Bankverbindung und Bearbeitungsnummer anbei.

Karl-Heinz Götz ist allerdings äußerst lebendig. Der Raunheimer ist 68 Jahre alt, aktiver und äußerst erfolgreicher Sportschütze und erfreut sich einer durchaus robusten Gesundheit. Dass er nun von dem Versicherungsdienstleister seines ehemaligen Arbeitgebers für tot gehalten wird, nimmt er mit einer heiteren Gelassenheit. „Als ich das las, habe ich mich mal gezwickt und gemerkt – ich lebe noch“, erzählt er.

Seine Frau Karin, die den Brief aus dem Postkasten fischte, war dagegen erst einmal erschrocken, als sie das Schreiben studierte. „Mein Mann saß im Keller und putzte seine Waffen, als ich las, was da stand“, sagt sie. „Ich bin dann gleich in den Keller und habe ihm den Brief gezeigt.“

Todesanzeige irritiert Freunde

Götz hat schnell eine Vermutung, wie sich der Fehler zugetragen haben könnte. Tatsächlich war Ende Oktober ein Namensvetter aus der Nachbarstadt Rüsselsheim verstorben, auf dessen Todestag das Schreiben sogar Bezug nimmt. Dessen Todesanzeige hatte in den vergangenen Tagen schon zu einiger Verwirrung im Umfeld des Karl-Heinz Götz aus Raunheim gesorgt.

Bei Aon Hewitt kann man den Hergang des Falls nachvollziehen. Am 30. Oktober erhält das Unternehmen im Rahmen des automatisierten Datenaustauschs mit den Krankenkassen die Meldung der BKK vor Ort über den Tod von Karl-Heinz Götz. Die Bearbeitungsnummer weist den Verstorbenen dabei unzweifelhaft als Karl-Heinz Götz aus Raunheim aus. Und tatsächlich ist dieser auch bei der BKK vor Ort versichert.

Was dann folgte, war normale Routine. Mit dem Tod endet der Anspruch auf die Betriebsrente und das Schreiben mit der Bitte um Rücküberweisung des zu viel bezahlten Betrages war die übliche Folge. Dass es hier zu einer Verwechslung kam, sei die absolute Ausnahme. „So einen Fall haben wir noch nie gehabt“, so Michael Krüger, Marketingchef bei Aon Hewitt.

Falsche Versicherungsnummer

Der Fehler wurde aber bei der BKK gemacht und hat sich bei Aon Hewitt nur fortgesetzt. Zwischen 2010 und 2013 wurden bei der BKK mehrere zehntausend Datensätze per Hand erfasst und in das Computersystem eingepflegt, so Unternehmenssprecherin Monika Hille. Die Datensätze wurden dabei vertauscht und Karl-Heinz Götz aus Raunheim die falsche Rentenversicherungsnummer zugeordnet. Ein Fehler, der erst mit dem Tod des Namensvetters die beschriebenen Folgen zeitigte.

„So etwas ist vorher noch nie passiert“, beteuert Monika Hille. Sie findet die bisher einmalige Verwechslung „sehr unschön“. Bei Karl-Heinz Götz will man sich persönlich entschuldigen. Aon Hewitt sei schon über den Fehler informiert worden. Seine Betriebsrente bekommt Karl-Heinz Götz natürlich weiter. Wahrscheinlich noch ziemlich lange. Denn der Raunheimer verlässt sich auf das Sprichwort: Totgesagte leben länger. (ers)

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