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Diagnose MS: „Das brachte meine Welt zum Einstürzen“

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Von: Claudia Kabel

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Benno Rehn ist Geschäftsführer des Landeverbands Hessen der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft.
Benno Rehn ist Geschäftsführer des Landeverbands Hessen der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft. © privat

Viele Multiple Sklerose-Betroffene leiden nicht nur körperlich, sondern auch seelisch.

Auf dem Weg in den Italienurlaub ging es plötzlich los, dass Benno Rehn nicht mehr gut sehen konnte. In der Unterkunft angekommen, habe er kaum noch stehen können. „Mir war so schwindlig“, sagt der 61-Jährige. Seit einem Jahr ist er Geschäftsführer des Landesverbands Hessen der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft (DMSG).

Mit 46 Jahren erkrankte der alleinerziehende Vater und Mitarbeiter in der Behindertenhilfe selbst an MS. „Die Diagnose brachte meine Welt zum Einstürzen“, sagt er im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Fragen türmten sich auf: Wie geht es weiter? Werde ich im Rollstuhl landen? Kann ich noch arbeiten, wenn ja, wie lange? Soll ich es meinem Arbeitgeber sagen?

Etwa 19 000 Menschen in Hessen sind an MS erkrankt. Die „Krankheit mit den 1000 Gesichtern“ zeigt zahlreiche Symptome. Da es eine Erkrankung des zentralen Nervensystems ist, können Entzündungen in Gehirn und Rückenmark zu Lähmungen, Taubheitsgefühlen in Händen und Füßen, totaler Müdigkeit und Sehstörungen führen. Meist verlaufen die Symptome in Schüben.

Jeder Schub bringt Fragen

Doch auch seelisch seien Menschen, die mit MS leben müssen, stark betroffen, sagt Rehn. Ungefähr 40 Prozent litten unter seelischen Erkrankungen wie Depressionen oder Belastungsstörungen. „Irgendetwas passiert mit dem Körper, und man weiß nicht, was“, erläutert Rehn. Man wisse nie, wie die Krankheit verlaufe. Jeder neue Schub werfe Fragen auf, wie es weitergehe. Dabei herrsche das Vorurteil, das man irgendwann nicht mehr laufen könne, im Rollstuhl lande und sterbe. Doch auch, wenn dies nicht so sei, seien Ängste und Unsicherheiten da. Eine psychische Unterstützung sei deshalb oftmals notwendig, die die DMSG mit ihren haupt- und ehrenamtlichen Kräften jedoch nicht rund um die Uhr leisten könne.

Um eine Krisen-Hotline einzurichten, ist die Gesellschaft deshalb eine Kooperation mit dem Caritasverband Darmstadt eingegangen. Für die DMSG sei es das erste Mal, dass eine solche Zusammenarbeit zustandekomme, sagt Rehn.

Auch für den Krisendienst Südhessen der Caritas, der dafür von der DMSG entschädigt wird, ist die Kooperation ein Gewinn. Denn die Bereitschaft der Krankenkassen, solche Leistungen für ihre Mitglieder zu finanzieren, lasse nach, sagte Caritasdirektorin Stefanie Rhein bei der Vertragsunterzeichnung Ende November. Dies sei „vor dem Hintergrund der Zunahme von Ängsten und Vereinsamung nicht nachzuvollziehen.“ Auch Benno Rehn wünscht sich für die DMSG und ihre 4000 Mitglieder in Hessen mehr finanzielle Unterstützung der unabhängigen Arbeit. Vor allem die Pharmaindustrie versuche Einfluss auf seinen Verband zu nehmen – deswegen fordert Rehn von der Politik mehr verlässliche, regelmäßige Zahlungen für die Selbsthilfe. Die Unterstützung sei bisher meist projektbezogen, dann bleibe aber nichts übrig, um die laufenden Kosten zu decken.

Die Nummer der Krisenhotline wird im Bedarfsfall an Menschen mit MS weitergegeben werden.

Infos unter Telefon 06151 / 6270380 oder www.dmsg-hessen.de/

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