Darmstadt

Aktionen gegen den Plastikmüll

Hessische Kommunen wollen gegen den enormen Plastikmüll vorgehen und setzen dabei vor allem auf Mehrwegsysteme.

Deutschlandweit bekennen sich Politik, Industrie, Handel und viele Bürger zu einer Reduzierung von Kunststoffverpackungen. Dennoch wurden 2017 in Deutschland laut Zahlen der Verpackungsbranche knapp 4,4 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen produziert, knapp 100 000 Tonnen mehr als im Vorjahr. Hessische Kommunen wollen gegen den Plastikmüll vorgehen.

Ein Mehrwegsystem für Kaffeebecher aus thermoplastischem Kunststoff (Polypropylen) wurde am vergangenen Freitag in Darmstadt vorgestellt. Dieser Kunststoff habe sich als ökologisch vorteilhaft erwiesen, hieß es in einer Mitteilung der Hochschule Darmstadt. Eine Version aus Keramik soll folgen. Die Becher könnten für eine Pfandmarke gekauft und dann entweder in einem Geschäft zum Spülen abgegeben oder wiederbefüllt werden.

In Frankfurt gibt es nach Angaben eines Sprechers der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) derzeit einen runden Tisch zur Einführung eines Mehrwegbecherpfandsystems. Wann die Stadt solch ein System einführt, ist noch nicht bekannt. Es gibt aber bereits eine private Initiative im Stadtteil Bornheim. Dutzende Cafés in Bornheim und im Nordend haben sich einem Pfandsystem für Mehrwegbecher angeschlossen.

Auch in Fulda gibt es ähnliche Projekte. „Die Stadt unterstützt verschiedene Initiativen, die dem Plastikmüll den Kampf angesagt haben“, sagte ein Stadtsprecher. So wurde im Juli ein Aufruf zur 2016 begonnen Aktion „Becher-Bonus“ des hessischen Umweltministeriums veröffentlicht, bei der Geschäfte einen Rabatt von mindestens 10 Cent gewähren, wenn Kunden ihr Heißgetränk in einen von ihnen mitgebrachten Mehrwegbecher füllen lassen. Mehr als 30 Betriebe haben sich der Aktion bereits angeschlossen.

Die Müllsatzung der Stadt Hanau schreibt Mehrweg vor. Die Vorbereitungen für komplett einwegplastikfreie große Stadtfeste laufen. Mehrwegbecher mit Pfand sind dabei schon seit einigen Jahren im Umlauf. Darüber hinaus forciert die Stadt das Wasser-Refill-Konzept mit mehr als zwei Dutzend Stationen. Dort kann Frischwasser aus Leitungen in mitgebrachte Behältnisse gefüllt werden. Die Stadtwerke Hanau unterstützen die Idee zudem mit eigenen Refill-Flaschen. Dies alles solle einen Beitrag leisten, um den Berg an Einwegwasserflaschen zu verringern, so ein Stadtsprecher.

Wiesbaden hat kein spezielles Mehrwegbechersystem im Kampf gegen den Plastikmüll. Allerdings werde in den städtischen Kitas auch nicht Plastikbesteck verwendet, sondern extra normales Geschirr benutzt, sagte eine Sprecherin der Stadt.

Wie das hessische Umweltministerium mitteilte, beteiligten sich an der Aktion „Becher-Bonus“ hessenweit rund 120 Geschäfte mit etwa 900 Filialen. Nach Schätzungen der Deutschen Umwelthilfe werden bundesweit derzeit insgesamt etwa 2,8 Milliarden Becher pro Jahr verbraucht, 320 000 Becher pro Stunde.   (dpa)

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