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Der Schatz unter der Erde in Südhessen

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Von: Annette Schlegl

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Die Kläranlage in Mörfelden wird aktuell um eine vierte Reinigungsstufe erweitert.
Die Kläranlage in Mörfelden wird aktuell um eine vierte Reinigungsstufe erweitert. © Stadtwerke Mörfelden-Walldorf

Eine neue Infiltrationsanlage sorgt dafür, dass der Grundwasserspiegel im Hessischen Ried konstant bleibt. Das Grundwasser ist beim Weltwassertag am 22. März großes Thema.

Der 22. März ist der Internationale Weltwassertag. In diesem Jahr steht vor allem das Grundwasser als „unsichtbarer Schatz“ im Mittelpunkt. In Südhessen ist es großes Thema. Zum einen laufen in Hessens größtem Grundwasserspeicher, dem Hessischen Ried, seit Jahren Bemühungen, damit der Grundwasserspiegel trotz großen Wasserverbrauchs und regenarmer Zeiten nicht absinkt. Zum anderen wird in der Kläranlage Mörfelden-Walldorf aktuell eine vierte Reinigungsstufe eingebaut, die sogenannte Spurenstoffe – Medikamente, Hormone und Mikroplastik – aus dem Abwasser herausfiltert. Das gereinigte Abwasser aus Mörfelden-Walldorf fließt nämlich durch das Hessische Ried.

Neue Infiltrationsanlage für mehr Grundwasser im Hessischen Ried

Nahe dem Wasserwerk Eschollbrücken, das Darmstadt und viele Kommunen rund um Darmstadt versorgt, geht jetzt eine neue Infiltrationsanlage des Wasserverbands Hessisches Ried (WHR) in Betrieb. Sie sorgt dafür, dass zugeleitetes aufbereitetes Brauchwasser aus dem Brauchwasserwerk Biebesheim in den Boden versickert werden kann. Diese künstliche Grundwasseranreicherung hält den Grundwasserspiegel konstant und sorgt dafür, dass die Wasserwerke Grundwasser unabhängig vom Klima entnehmen können. Damit sind auch trockene Sommer nicht problematisch, wenn nicht genug Niederschläge in den Boden infiltrieren, also einsickern, können.

Hessisches Ried

Das Hessische Ried ist ein Flachland, das sich über eine Länge von 60 Kilometern von der hessischen Landesgrenze zu Baden-Württemberg bis hoch an den Main erstreckt. In der Breite ist es 15 bis 20 Kilometer groß und reicht vom Rhein bis zur Bergstraße.

Das Grundwasservorkommen im Hessischen Ried ist mit rund 15 Milliarden Kubikmetern das größte des Landes. Knapp 25 Prozent des Trinkwassers in Hessen werden dort gewonnen.

Großwasserwerke pumpen das Grundwasser vom Ried in das gesamte Rhein-Main-Gebiet und in die Großstädte Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden. Das Trinkwasser für mehr als zwei Millionen Menschen kommt von dort. ann

Im Brauchwasserwerk Biebesheim wird Flusswasser aus dem Rhein entnommen, bakteriologisch aufbereitet und im Sommer heruntergekühlt. Anschließend wird dieses Brauchwasser über ein 290 Kilometer großes Rohrnetz in die Nähe von Brunnen geleitet, versickert dort und vermischt sich mit dem Grundwasser. „Die Rohre enden entweder in natürlichen Gräben oder in technischen Infiltrationsgräben“, sagt Hubert Schreiber, Pressesprecher des WHR. „Natürliche Gräben sind nämlich nicht immer da, wo man sie braucht.“

Zwei Betonröhren nahe dem Wasserwerk, das Darmstadt versorgt

Die neue Infiltrationsanlage nahe dem Wasserwerk Eschollbrücken ist so ein technisches Bauwerk. Sie besteht aus zwei sogenannten Sickerschlitzgräben. Es handelt sich dabei um Betonhüllen mit jeweils 75 Metern Länge, 1,50 Metern Breite und knapp sieben Metern Tiefe, die mit Filtersand gefüllt sind. Die Anlage bietet laut Silvan Großklaus, leitender Bauingenieur des Projekts, eine Versickerungsleistung von mindestens 200 Kubikmeter pro Stunde.

Blick in einen der beiden Sickerschlitzgräben, die nahe dem Wasserwerk Eschollbrücken entstanden sind.
Blick in einen der beiden Sickerschlitzgräben, die nahe dem Wasserwerk Eschollbrücken entstanden sind. © Hessenwasser

„Je weniger es regnet, desto mehr von diesen Sickerschlitzgräben brauchen wir“, sagt Schreiber. Insgesamt gibt es 230 Infiltrations-Bauwerke im Hessischen Ried. Dazu zählen neben den natürlichen Gräben und Sickerschlitzgräben auch Kiesbohrlöcher, Schluckbrunnen und Sickerbecken.

Mörfelden-Walldorf wird am Weltwassertag Modellkommune für Spurenstoffe

Mörfelden-Walldorf liegt nahe des Hessischen Rieds. Die Abwässer der Stadt können nicht in den Main eingeleitet werden, sie fließen ins Ried. Deshalb wird die Kläranlage derzeit mit höchster Reinigungsleistung ausgestattet. Das Abwasser wird künftig durch mechanische, biologische und chemische Verfahren gereinigt sowie durch eine vierte Reinigungsstufe von Spurenstoffen befreit.

Die Stadt wurde vom Land als Modellkommune für Spurenstoffe ausgewählt. Oliver Conz, Staatssekretär im hessischen Umweltministerium, übergibt am heutigen Tag des Wassers die entsprechende Urkunde. Die Stadt erhält damit bei Projekten oder Kampagnen zum Schutz des Wassers künftig Fördermittel.

So funktioniert ein Sickerschlitzgraben.
So funktioniert ein Sickerschlitzgraben. © Hessenwasser/mba-Studios

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