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Denn sie wissen, was sie tun

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Der Club der Behinderten und ihrer Freunde Darmstadt berät die Stadt beim barrierefreien Bauen.

Da ist die Sache mit dem Haken, den Rollstuhlfahrer und andere in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen von der Heag bekommen sollen. Damit sollen Behinderte eine Rampe an Straßenbahnen ausklappen können, um die Tram benutzen zu können. Der Fahrer hat dafür nicht immer Zeit oder der Haken fehlt.

Allerdings ist gut gemeint oft das Gegenteil von gut. Beim Club der Behinderten und ihrer Freunde Darmstadt (CBF) konnte man gestern über diese Idee nur den Kopf schütteln. "Aus Unerfahrenheit gibt es oft sehr unglückliche oder umständliche Lösungen", sagte Norbert Stoll, Leiter des Straßenverkehrs- und Tiefbauamtes.

Damit es künftig bessere Lösungen gibt, hat die Stadt dem CBF die Funktion des Behindertenbeauftragten für Verkehrswerke und Bauwerke übertragen. Als Bauingenieure und Mitglieder des CBF nehmen seit Anfang Juni Alfred Konhäuser und Michael Müller diese Funktion wahr. Zu ihren Hauptaufgaben gehören die Beratung, Prüfung und Beurteilung von Planungen in allen Fragen der Barrierefreiheit von Verkehrswegen und Bauwerken. Auch die Organisation und Protokollierung von Besprechungen und Ortsterminen liegt in ihren Händen.

Hartes Ringen mit Bauverein

"Jeder kann im Rollstuhl landen", sagte Georg Storck vom CBF-Vorstand und verwies auf die demografische Entwicklung: "Da wir alle immer älter werden, besteht die Gefahr, persönlich betroffen zu werden." Die Förderung der Mobilität durch Abbau von Barrieren sei schon seit fast 40 Jahren Hauptanliegen des CBF.

Storck berichtete, dass er schon bei der ersten rot-grünen Landesregierung 1984 mit anderen in Gremien für die Ziele des CBF gekämpft habe. Als Erfolg wertete er gesetzliche Bestimmungen, wonach es manche Landesmittel nur noch bei barrierefreiem Bauen gebe. Dies sei ein starkes Druckmittel. Konhäuser erinnerte an das harte Ringen mit dem Bauverein. Lange Zeit habe sich die städtische Tochtergesellschaft geweigert, behindertengerecht zu bauen, habe allenfalls einzelne Wohnungen entsprechend herrichten wollen.

Geplant sind nun mindestens zwei feste Termine pro Jahr, an denen mobilitätseingeschränkte Behinderte beim CBF zusammen kommen sollen. Dass dies nicht so einfach ist, verdeutlichte Wenzel am Beispiel der Rillensteine, die zwar Blinden die Orientierung erleichtern, aber Rollstuhlfahrern Probleme bereiten.

Stoll stellt sich vor, dass im Lauf der Zeit gemeinsam Musterlösungen entwickelt werden, die für künftige Planungen angewendet werden: "Hat man einen beispielhaften Straßenübergang, kann man den ja immer wieder so anlegen." Innerstädtische Fortbildungen sollen solche Standards fördern.

Lob für das neue Konzept

Darmstadt sei nach Frankfurt erst die zweite hessische Großstadt, die einen von der Verwaltung unabhängigen Behindertenbauftragten habe, lobte Alexander Cieslawski von der CBF-Landesarbeitsgemeinschaft. Er warnte vor Insellösungen und empfahl den Kontakt mit Beauftragten aus der Umgebung zu suchen. "Es nutzt nichts, wenn sie als Behinderter mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Dieburg kommen und von dort nicht mehr weiter."

Laut Müller steht eine Einladung an seine Kollegen aus der Region schon auf dem Programm. Man werde natürlich auch die Kooperation mit dem Bündnis für Menschen mit Behinderung in Stadt und Landkreis suchen.

Dass das Ringen um Verbesserungen ein langer, zäher Kampf sei, verdeutlichte Konhäuser mit der Feststellung: "Wir haben mittlerweile schon die dritte Generation des ICE; aber noch immer müssen sich Reisende mit Behinderung anmelden, damit man ihnen in den Bahnhöfen helfen kann. Ein- und Ausstiegshilfen direkt im Zug fehlen." (ryp)

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