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Einen schnellen Überblick verschafft das Speed-Dating Unternehmen und Bewerbern.

Darmstadt Jugendliche

Per Speed-Dating zum Traumjob

Die IHK bringt bei einem „Azubi-Speed-Dating“ Unternehmen und Bewerber ohne Ausbildungsplatz zusammen.

Kräftig bläst Franziska Richter von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt in die Trillerpfeife. Auf dieses Zeichen hin stürmen Jugendliche in den Saal im dritten Stock der IHK an der Darmstädter Rheinstraße und steuern zielsicher auf nummerierte Tische zu – das erste „Azubi-Speed-Dating“ hat begonnen.

Das Konzept: Junge Menschen, die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, kommen mit Unternehmen zusammen, die noch Plätze zu vergeben haben. In zehnminütigen Gesprächen – wenn die Zeit um ist, ertönt erneut die Trillerpfeife – können sich beide Seiten beschnuppern. Das Speed-Dating führt zwar nicht direkt zum Ausbildungsvertrag, aber durch einen positiven Eindruck können die Bewerber Pluspunkte sammeln, wenn es dann zum echten Vorstellungsgespräch kommt.

Die Nachfrage ist groß, wie Daniel Theobald von der IHK berichtet: „Anderthalb Wochen, nachdem wir dieses Angebot gestartet haben, konnten wir schon keine Unternehmen mehr annehmen, weil sich innerhalb dieser kurzen Zeit schon 40 angemeldet haben.“ Nach einigen kurzfristigen Absagen sind schließlich Personaler von 32 Firmen aus dem gesamten Kammerbezirk da, der Darmstadt, die Landkreise Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Bergstraße und den Odenwaldkreis umfasst.

140 junge Menschen nehmen das Angebot der IHK an und ergreifen die Chance, vielleicht noch vor Ausbildungsbeginn eine Lehrstelle zu ergattern. Laut einer Statistik der Darmstädter Agentur für Arbeit waren Ende Mai noch 2310 Bewerber ohne Ausbildungsstelle. Dem stehen 1651 unbesetzte Ausbildungsplätze gegenüber.

Auf der Suche ist auch die 25 Jahre alte Jennifer Millmann aus Groß-Zimmern. Nach der Schule hat sie in der Scharnierproduktion gearbeitet, dann eine Ausbildung zur Kosmetikerin begonnen. „Das war aber nicht so mein Ding“, erzählt die junge Frau. Sie interessiert sich für eine Ausbildung als Büro- oder Einzelhandelskauffrau.

1651 offene Stellen

Millmann sitzt pünktlich zum Pfeifsignal Caroline Cerwick, der Regionalverkaufsleiterin bei Aldi, gegenüber. Sie ist gut vorbereitet und weiß, was bei einer Ausbildung bei der Discounterkette auf sie zukommt: „Lager, Warenannahme, Kasse“, zählt sie auf. Das macht einen guten Eindruck, denn Cerwick ist es wichtig, dass Bewerber realistische Vorstellungen haben. Sie rät Millmann, eine Bewerbung mit Arbeitszeugnissen direkt in der Filiale abzugeben. Diese landet dann auf ihrem Schreibtisch.

In den vergangenen Jahren hat sich auf dem Ausbildungsmarkt einiges verschoben. Theobald nennt die Logistikbranche als Beispiel: „Vor einigen Jahren kamen dort auf eine offene Stelle 30 bis 40 Bewerber. Heute sind es vier bis fünf.“ Die Gründe seien vielfältig: „Einerseits ist die Region sehr wirtschaftsstark und hat deswegen viele Stellen zu besetzen. Außerdem hat die duale Ausbildung an Ansehen verloren. Viele Schulabgänger wollen lieber studieren gehen.“

Auch Andreas Benjamins von der „Debeka“-Versicherung berichtet von Problemen, geeignete Bewerber zu finden: „Wir machen auch einen Allgemeinbildungstest“, erzählt er. „Viele wissen dabei noch nicht einmal, wer unser Land regiert.“ Auch in Deutsch und Mathematik seien große Schwächen vorhanden. Trotzdem kann es auch in diesem Jahr noch mit der Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen klappen: „Eigentlich sind unsere Stellen besetzt, aber wenn uns jemand überzeugt, schaffen wir spontan noch Platz.“ (ers)

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