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Daueralarm am Tempelberg

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Bei der Hafenpolizei in Haifa waren die vier Darmstädter Polizisten mit auf Patrouille.
Bei der Hafenpolizei in Haifa waren die vier Darmstädter Polizisten mit auf Patrouille. © Regine Herrmann

Polizisten aus Darmstadt haben in Israel den Arbeitsalltag ihrer Kollegen kennengelernt. Sie bereiteten sich auf den Besuch vor. Aber es gibt Situationen, auf die man sich nicht vorbereiten kann.

Etwas war anders als sonst: Sie haben keine Uniform getragen. Normalerweise ist das üblich, wenn deutsche Polizisten im Rahmen des IPA-Austauschprogramms Polizisten in anderen Ländern besuchen.

Aber deutsche Uniformen in Israel, das ist heikel. „Wir haben es aus Respekt nicht getan“, erzählt David Weiser, einer von vier Polizisten aus Darmstadt, die teilgenommen haben. Weil es nicht unwahrscheinlich ist, in Israel auf Holocaust-Überlebende oder deren Töchter und Söhne zu treffen.

Sie hatten sich besonders gut auf diesen ersten offiziellen IPA-Austausch mit israelischen Kollegen vorbereitet, um möglichst viel zu wissen über Israel. Aber es gibt Situationen, auf die man sich nicht vorbereiten kann.

Tränen in der Gedenkstätte

In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, erzählt Weiser, kamen ihm die Tränen, als er vor einer Fotografie stand. Darauf zu sehen: eine Frau und ein Kind, auf die gerade ein Wehrmachtssoldat zielt. Dass sein israelischer Kollege auf ihn zukam und tröstend den Arm um ihn legte, hat den Darmstädter Kriminaloberkommissar tief beeindruckt. „Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich daran denke.“

Manches am Besuch in Israel war wie bei jedem Austausch. Die Polizisten wollten Einblick in den Alltag ihrer Kollegen dort bekommen, waren mit auf Streife, erlebten eine groß angelegte Verkehrskontrolle in Tel Aviv mit und nahmen an einem Schießtraining teil.

Aber schon in der landesweiten Einsatzzentrale der Verkehrspolizei in Beit Dagan in der Nähe von Tel Aviv zeigte sich wieder das Besondere. Auf den Fotos, die Weiser und seine Kollegen dort machten, sind eine Menge Bildschirme zu sehen, mit denen Straßen überwacht werden. Im Fall eines Anschlags bezieht das Militär einen direkt angrenzenden Raum, und beide – Polizei und Militär – nutzen gemeinsam die Infrastruktur. Eine Zusammenarbeit, die in Deutschland nicht denkbar wäre. „Aus guten Gründen“, wie Weiser hinzufügt.

Wie präsent die Furcht von Anschlägen in Israel ist, erlebten die vier Polizisten auch in Jerusalem, wo eine Zentrale die Gassen um Tempelberg und Klagemauer überwacht. „Wenn es da eine brenzlige Situation gibt, wird in der Zentrale ein Alarm ausgelöst“, erzählt Weiser. „Und es piept dauernd.“

Den Austausch hat die IPA Bergstraße organisiert, auf der israelischen Seite war ein Holocaust-Überlebender für das Programm verantwortlich: Michael Maor, geboren 1933 in Halberstadt, der als Kind ein Konzentrationslager überlebt hatte und im Alter von zwölf Jahren nach Israel floh. „Wir hoffen und unterstützen es sehr, dass dieser Austausch fortgesetzt wird“, sagt David Weiser. Ein Anfang ist gemacht, im September kommen israelische Polizisten zum Gegenbesuch nach Südhessen. (ers)

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