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Das weltberühmte Urtier ist wieder in Darmstadt

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Von: Annette Schlegl

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Die Stoßzähne sind dran, aber noch hat das Mastodon keinen Unterkiefer.
Die 2,20 Meter langen Stoßzähne sind dran, aber noch hat das Mastodon keinen Unterkiefer. © ROLF OESER

Das Mastodon ist aus den USA zurück. Für die bevorstehende Sonderausstellung im Landesmuseum wurde das riesige Skelett seit Montag in fünf Teilen montiert.

Ungewohnte Geräusche durchdringen den Großen Saal des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt: das Schnarren von Ratschen, das fiepende Geräusch eines Akkuschraubers. Fleißige Hände bauen rund 15 000 Jahre alte Knochen zusammen. Zwei Jahre war das Skelett des Mastodons auf Reisen, hat in den USA für Furore gesorgt. Jetzt kehrt das weltberühmte Urtier endlich wieder in seine Heimat im Landesmuseum zurück.

Die Ausstellung

Die Schau „American Heiner – ein Mammut macht Geschichte“ ist vom 25. März bis 19. Juni im Landesmuseum in Darmstadt, Friedensplatz 1, geplant.

Zu sehen sind das Urtier-Skelett, das 1801 im Bundesstaat New York ausgegraben wurde, Gemälde seines Entdeckers Charles Willson Peale aus Philadelphia, der eigentlich Landschafts- und Porträtmaler war, Videos, Comicstrips, Wandtexte sowie Mastodon-Zähne als Leihgabe aus Paris. ann

„Am Montag kamen die Teile in fünf Kisten aus dem Zwischenlager“, sagt Museumsleiter Martin Faass. Dort wurden sie vor ein paar Wochen eingelagert, als sie per Luftfracht vom New Yorker Flughafen eintrafen. Das Skelett des Urtiers, das mit einem Mammut verwandt ist, kam in fünf Teilen an: „Das Becken mit den Hinterbeinen, zwei Vorderbeine, der Korpus und der Kopf“, zählt Faass auf. Diese fünf Teile wurden seit Montag mithilfe von fünf Präparatoren, Flaschenzügen und zwei Leitern wieder zu einer rund 300 Kilogramm schweren und rund drei Meter hohen Einheit.

Darmstädter Mastodon wurde für die Ausstellung „American Heiner – Ein Mammut macht Geschichte“ am Mittwoch live vor der Presse montiert.
Das Darmstädter Mastodon wurde für die Ausstellung „American Heiner – Ein Mammut macht Geschichte“ am Mittwoch live vor der Presse montiert. © ROLF OESER

Das Mastodon hätte eigentlich schon lange wieder nach Darmstadt zurückkehren sollen, wo es schon seit 1854 zu Hause ist. Der USA-Trip zur Humboldt-Ausstellung im Smithonian American Art Museum (SAAM) in Washington war nur von Februar bis August 2020 geplant. Dann kam jedoch Corona und warf alle Zeitpläne durcheinander. Die Ausstellung konnte dort nicht eröffnen, das Skelett stand hinter verschlossenen Türen. Der Vertrag für die Leihgabe wurde immer wieder verlängert, damit es die Amerikaner im Mai 2021 dann doch noch bewundern konnten. So gingen zwei Jahre bis zur Rückkehr ins Land.

Das Mastodon ist für das Landesmuseum Darmstadt ein Heiner

Vom zweiten Stock aus grüßte das Eiszeittier bisher jeden, der die Haupthalle des Landesmuseums betrat. Bevor es das dort wieder tut, wird es der Star einer Sonderausstellung „American Heiner – ein Mammut macht Geschichte“, die Ende März beginnt. Bis dahin bleibt es erneut hinter verschlossenen Türen.

Mit dem Titel der Ausstellung schlägt das Landesmuseum gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen drückt es so aus, dass das Mastodon einst in Amerika ausgegraben und dort auch ausgestellt wurde, zum anderen zeigt es auf, dass das Urtier ein echter Darmstädter ist. „Heiner“ darf sich nämlich nur nennen, wer ein „Ureinwohner“ Darmstadts ist.

Auch ein großer Rücken kann entzücken.
Auch ein großer Rücken kann entzücken. © ROLF OESER

Die Darmstädter:innen sind nach wie vor mächtig stolz auf ihr Mastodon. Schließlich handelt es sich laut Oliver Sandrock, Kurator der Ausstellung, um das erste aufrecht montierte fossile Skelett der USA und das zweite weltweit. Sein Fund im Jahr 1801 sei eine Sensation gewesen, sagt er. „Es war damals ein großes Rätsel, was das ist.“ Damals sei man noch von einem Riesen ausgegangen. Die Erkenntnis, dass es sich bei diesen Knochen um Fossilien eines ausgestorbenen Tieres handelt, war ein wissenschaftlicher Wendepunkt. „Es war etwas Unbekanntes aus einer Zeit, von der man nichts wusste.“ Das mache auch heute noch die Faszination aus. Es sei das erste Tier seiner Art gewesen, das im Rahmen einer großen Naturkundeausstellung museal präsentiert wurde.

Darmstadt: Nicht alle Knochen des Mastodon-Skeletts sind aus der Eiszeit

Übrigens sind nicht alle Knochen 15000 Jahre alt. Rund 40 Prozent seien Holzrepliken, sagt Sandrock, die allerdings auch schon 1801 von seinem Entdecker Charles Willson Peale ergänzt wurden. Die Stoßzähne wurden komplett erneuert, bevor das Mastodon auf USA-Reise ging. Es hatte stark gebogene, untypische Wollhaarmammutzähne, erklärt Mario Drobek, Werkstattleiter der geologischen Präparation, die ihm nach dem Zweiten Weltkrieg verpasst wurden. Jetzt haben die Stoßzähne wieder die „echte“ Form - wenn auch aus mit Bauschaum gefülltem Kunststoff.

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