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Darmstädter Studierende bauen Elektro-Rennauto

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Letzte Hand angelegt an den Rennwagen „F22“ mit neuem Antrieb und neuem Look.
Letzte Hand angelegt an den Rennwagen „F22“ mit neuem Antrieb und neuem Look. © Michael Schick

Elektrisch auf der Rennstrecke: Studierende der Hochschule Darmstadt haben ihrem Boliden F22 ein völlig neues Antriebssystem verpasst.

Die unterbrochenen Lieferketten, an denen die großen Autobauer weltweit verzweifeln, machen auch dem studentischen Rennteam der Hochschule Darmstadt (HDA) die Arbeit schwer. „Die letzten Teile kamen erst heute“, entschuldigt Finanzvorstand Ferdinand Frey, dass das neue Elektrorennauto bei seiner Vorstellung statt auf dem Hochhausvorplatz am Darmstädter HDA-Campus noch in der Werkstatt steht.

Aus einer engen Garage tönen vor dem metallischen Klickern mehrerer Ratschenschlüssel aufgeregte Rufe: „Ich brauche Klebeband“, ruft einer der zwölf jungen Männer, die in verschwitzten T-Shirts, kurzen Hosen und Turnschuhen die so dringend erwarteten Umlenkhebel für die Heckfederung montieren.

Vor der Garage stehen zwei weibliche Teammitglieder. Leonie Schneider war für die Konstruktion des Vorgängermodells F20 in der Teamleitung und fährt das Fahrzeug als Testpilotin. Neben ihrer Motorsportbegeisterung qualifiziere sie dafür vor allem eines: „Ich bin klein und leicht.“

Eigentlich war Schneider dafür ausgewählt, im Verbrenner in den Wettbewerben auf den großen Rennstrecken Europas anzutreten, doch die fielen wegen Corona aus. Für diesen Sommer schicken die Studenten dafür zwei Autos ins Rennen: einen herkömmlichen Verbrenner und einen vollständig neukonstruierten Elektrowagen.

Das Team

Das Formula Student-Team der Hochschule Darmstadt feiert dieses Jahr sein 15-jähriges Bestehen.

Rund 60 Studierende aus 16 Studiengängen haben das neue Elektro-Rennauto F22 in etwa 50 000 Arbeitsstunden konstruiert.

Das Fahrzeug wiegt knapp 200 Kilogramm und schafft bei einer Leistung von 108 PS eine Höchsttempo von 138 Stundenkilometern. Von 0 auf Tempo 100 soll das Fahrzeug in unter drei Sekunden beschleunigen. Rennwagen mit Verbrenner wird das Team in Zukunft nicht mehr bauen.

„Das war ein sehr großer Kraftakt“, berichtet der sichtlich angespannte Teamleiter Jonas Acker. „Bei der Umstellung auf Elektro mussten wir ein komplett neues Antriebssystem entwickeln.“ Insgesamt sei in dem Fahrzeug ein niedriger sechsstelliger Betrag verbaut, hauptsächlich gestemmt aus Zuwendungen aus der Industrie. Unter den 80 Sponsoren sind Spezialteilehersteller sowie eine Brauerei.

Für den Sommer hat sich das Team mit dem Elektroboliden für Wettbewerbe in Italien, Spanien und Ungarn qualifiziert, für Hockenheim besteht die Chance auf einen Nachrückerplatz. „Das ist ein Heimspiel, da will natürlich jeder hin“, sagt Florian Van de Loo, der die Studenten betreut. Insgesamt würden sich Hunderte Teams aus ganz Europa für die Formula Student bewerben.

Für die Auswahl müssten unter Zeitdruck komplexe technische Aufgaben gelöst werden. Die Wettbewerbe würden dann nicht nur in Einzelrennen Beschleunigung oder Ausdauer testen. Auch die Kosten würden bewertet.

In dieser Kategorie Businessplan holte das Team in der vergangenen Saison den ersten Platz in Spanien und Tschechien – damals allerdings noch mit einem Verbrenner. Dessen Nachfolger werde in diesem Jahr noch für drei Rennen eingesetzt, dann sei Schluss mit den Verbrennern, so Van de Loo. In den Wettbewerben würden heute schon 70 Prozent der Teams elektrisch antreten.

Dabei blickt das Team noch weiter in die Zukunft. So sei auch autonomes Fahren geplant. Doch bevor Teamleiter Acker dazu mehr erzählen kann, wird das Elektroauto zum ersten Mal vollständig montiert aus der Garage gelassen. Da kann sich Acker nicht mehr halten: „Entschuldigung, das muss ich mir jetzt einfach mal anschauen.“

Infos im Internet: fastda-racing.de, Instagram: @fastda_racing.

Stolz präsentierte das Formula Student-Team (FaSTDa) der Hochschule Darmstadt seinen E-Boliden.
Stolz präsentierte das Formula Student-Team (FaSTDa) der Hochschule Darmstadt seinen E-Boliden. © Michael Schick
In rund 50 000 Arbeitsstunden haben die Studierenden den Rennwagen konstruiert und in der Werkstatt montiert.
In rund 50 000 Arbeitsstunden haben die Studierenden den Rennwagen konstruiert und in der Werkstatt montiert. © Michael Schick

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