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Darmstädter sammeln zu wenig Biomüll

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In der Kompostanlage Kranichstein wurden 2013 fast 14 000 Tonnen Biomüll verarbeitet.
In der Kompostanlage Kranichstein wurden 2013 fast 14 000 Tonnen Biomüll verarbeitet. © Claus Völker

Die Sorgfalt der Darmstädter Mülltrenner lässt im Vergleich zum Landesdurchschnitt zu wünschen übrig: Nur 96 Kilogramm Biomüll sammelte der Darmstädter 2013 im Schnitt - 30 Kilogramm weniger als der Landesdurchschnitt. Eine neue Kampagne soll Abhilfe schaffen.

Von Jahr zu Jahr gibt es auf der Kompostanlage in Darmstadt-Kranichstein mehr zu tun. 13 836 Tonnen Biomüll wurden dort im Jahr 2013 zu Kompost verarbeitet. 2237 Tonnen mehr als noch zehn Jahre zuvor. Doch der Höchstwert kann über eines nicht hinwegtäuschen: Die Sorgfalt Darmstädter Mülltrenner lässt im Vergleich zum Landesdurchschnitt zu wünschen übrig.

Laut Statistischem Landesamt sammelt der Hesse im Schnitt 126 Kilogramm Biomüll, in Darmstadt waren es 2013 nur 96 Kilogramm, die jeder Bürger im Schnitt sammelte. Mit einer neuen Kampagne will der Eigenbetrieb kommunale Aufgaben und Dienstleistungen (EAD) die Bürger nun zu mehr Getrenntsammeln von Biomüll animieren.

Potenzial gibt es in Darmstadt durchaus. Von den 31 342 Tonnen Restmüll, die 2013 in Darmstadt eingesammelt und im Heizkraftwerk verbrannt worden sind, gehörten rund 10 000 Tonnen nicht in die Graue Tonne: Küchenabfälle und Grünschnitt.

Diesen Anteil um 3000 Tonnen im Jahr zu reduzieren, ist ein Ziel der Aufklärungs- und Informationskampagne, die der EAD jetzt startet. „Damit wollen wir animieren, Mülltrennen sorgfältiger zu betreiben“, erklärt der zuständige Dezernent André Schellenberg (CDU). Aus Sicht des Kämmerers zahlt sich das durchaus aus. Denn je weniger Restmüll ein Haushalt produziert, desto seltener muss die Graue Tonne geleert werden. Das wirkt sich positiv auf Gebühren aus.

Getrenntsammeln in Wohnanlagen schwieriger

Ohnehin ist das Verbrennen des Restmülls viel aufwendiger als das Kompostieren. Schellenberg: „Getrenntsammeln trägt zu stabilen Gebühren bei.“ Der ökonomische Aspekt ist einer von fünf Gründen, auf denen die Kampagne „Gib mir fünf“ aufbaut. Der zweite: Bioabfälle verschlechtern wegen ihres hohen Wasseranteils die Energiebilanz des Kraftwerks. Drei Gründe sprechen zudem für das Endprodukt der Kompostanlage, den Kompost: Er verbessert den Boden, kann durch seine Nährstoffe Dünger ersetzen und anstelle von Torf genutzt werden.

Die Kampagne soll unter anderem Bewohner von Wohnanlagen ansprechen. „Dort ist es mit Getrenntsammeln schwierig“, sagt der stellvertretende EAD-Betriebsleiter Wolfgang Krause. Es fehle die soziale Kontrolle. „Manchmal gibt es noch nicht einmal einen Biomüll-Container.“

Das trifft auch auf Großwohnanlagen des Bauvereins zu. „Grund ist, dass diese dort, wo eine Aufstellung erfolgte, immer wieder mit anderem Müll verunreinigt‘ wurden“, nennt Unternehmenssprecherin Maren Cornils als Grund. Die Folge seien höhere Entsorgungskosten, weil die Container zusätzlich geleert werden müssen.

Darmstadt ist kein Einzelfall. In allen Großstädten ist die Getrenntsammel-Bilanz schlechter als auf dem Land. In Frankfurt sammelt jeder Einwohner statistisch 40 Kilo, also deutlich weniger als in Darmstadt. In Kassel sind es jedoch 99 Kilo im Jahr. Mit Artikeln in Mieterzeitungen will der EAD nach Angaben des Sachgebietsleiters Abfallwirtschaft beim EAD, Jörg Bamberger, für mehr Akzeptanz bei den Bürgern werben. Auch wenn Maren Cornils skeptisch bleibt.

Mit weiteren Maßnahmen will Bamberger auf das Getrenntsammeln vor allem von Küchenabfällen hinweisen. Dazu hat der EAD ein eigenes Signet anfertigen lassen. Die Figur „Müllinchen“ – eine Mädchenfigur mit einer Lilie als Hut – ist der Werbeträger. Er soll vielfältig eingesetzt werden. Auf Flyern, auf Plakaten an EAD-Autos und auf Infoanhängern an Biotonnen. Parallel dazu sind Infoveranstaltungen und Wettbewerbe in Schulen und Kindergärten bis hin zu Puppentheater-Vorstellungen zum Thema Getrenntsammeln geplant. (rf)

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