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Darmstädter Pionierarbeit in der Informatik

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Von: Annette Schlegl

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An der TU Darmstadt wird im Fachbereich Informatik sowohl Spitzen- als auch Grundlagenforschung betrieben.
An der TU Darmstadt wird im Fachbereich Informatik sowohl Spitzen- als auch Grundlagenforschung betrieben. © Monika Müller

Als die Rechner laufen lernten: Der Fachbereich Informatik an der TU Darmstadt feiert sein 50-jähriges Bestehen. Er genießt national und international hohe Reputation.

Mit neun schlauen Männern und einer Frau, die vor 50 Jahren an der damaligen Technischen Hochschule (TH) Darmstadt zu einer konstituierenden Sitzung zusammenkamen, hat alles begonnen. Am 15. Mai 1972 trafen sie sich erstmals zur Informatik-Fachbereichskonferenz. Es war die Geburtsstunde der Informatik in Darmstadt und Hessen – und gleichzeitig der Beginn einer großartigen Wissenschaftsgeschichte. Damals war der neue Fachbereich Informatik an der TH, die seit 1997 TU heißt, einer der ersten seiner Art in ganz Deutschland, und heute ist der Fachbereich eine der ersten Adressen für die Informatikforschung.

Schon 1957 erstes Programmieren an der TU Darmstadt

3700 Studierende und 380 Mitarbeiter:innen, davon 26 Professoren und Professorinnen, zählt der Fachbereich an der TU Darmstadt. Sie haben schon für Hunderte von vielzitierten wissenschaftlichen Veröffentlichungen gesorgt und sieben Forschungspreise der Europäischen Union eingeheimst. Erst am 26. April erhielten die Professorin Iryna Gurevych und Professor Ahmad-Reza Sadeghi die bedeutendste Auszeichnung des Europäischen Forschungsrats, dotiert mit je 2,5 Millionen Euro Forschungsgeld. Vor allem in den Schwerpunkten Cybersicherheit, künstliche Intelligenz und komplexe vernetzte Systeme setzt der Fachbereich internationale Maßstäbe. Das ist Grund genug, sein 50-jähriges Bestehen am Mittwoch in einem großen Festakt zu feiern.

Schon als die Rechner laufen lernten, lange vor der Informatikgründung, spielte das Programmieren an der damaligen TH eine Rolle. Johannes Buchmann, ehemaliger TU-Professor, berichtete in seiner Laudatio von Alwin Walther, der als Leiter des Instituts für Praktische Mathematik schon im Wintersemester 1956/57 erste Programmierkurse anbot. Am 11. Februar 1957 habe man einen IBM-650-Computer „mit stolzen 35 Kilobytes Hauptspeicher“ in Betrieb genommen, von dem es weltweit nur 700 Exemplare gab.

Die TU Darmstadt ist ein Pionier in der Informatik

„Überall war die Informatik der TU Darmstadt Pionier auf deutschem Boden“, stellte Staatssekretärin Ayse Asar vom Hessischen Wissenschaftsministerium fest und nannte Beispiele: der erste Fachkongress der Informatik auf deutschem Boden, die ersten Programmiervorlesungen, das erste Großrechenzentrum in Deutschland, die erste Diplomarbeit, die erste Promotion und Habilitation in der Informatik, die erste KI-Professur. Mit acht Preisträgern zähle der Fachbereich die meisten mit der Konrad-Zuse-Medaille Ausgezeichneten für Verdienste um die Informatik. Es ist der bedeutendste Preis für Informatik in Deutschland. Die Zahl der Studierenden im Fachbereich sei seit 2011 um 70 Prozent angewachsen, der Frauenanteil von 9,4 auf 16,2 Prozent. Seit 2011 schließen jährlich auch etwa 40 junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ihre Promotion ab.

Am Mittwoch wurde am Kantplatz in Darmstadt der viergeschossige Neubau des „Forschungszentrums Cybersicherheit und Privatheit“ eröffnet.
Am Mittwoch wurde am Kantplatz in Darmstadt der viergeschossige Neubau des „Forschungszentrums Cybersicherheit und Privatheit“ eröffnet. © Monika Müller

„Informatik ist essenziell für die Gestaltung unserer zunehmend digitalisierten Welt“, sagte die TU-Präsidentin Tanja Brühl in ihrer Ansprache. Die jetzigen und zukünftigen Forschungsschwerpunkte des Fachbereichs seien deshalb „intelligent, vernetzt und resilient“, so Johannes Buchmann in seiner Laudatio. Heißt: Man widmet sich intensiv der künstlichen Intelligenz, komplex vernetzten Systemen und der Cybersicherheit.

Forschungszentrum Cybersicherheit der TU Darmstadt ist jetzt eröffnet

Dazu passt, dass am Mittwoch auch der viergeschossige Neubau des Forschungszentrums Cybersicherheit und Privatheit eröffnet wurde. 20,1 Millionen Euro hat das markante Gebäude gekostet, das am Darmstädter Kantplatz entstanden ist. Bund, Land und TU haben es gemeinsam finanziert. Hier führt die TU ihre interdisziplinären Forschungsaktivitäten zur IT-Sicherheit von den Grundlagen bis zur Anwendung zusammen. Auch mehr als 65 Wissenschaftler:innen des Sonderforschungsbereichs „Crossing“ arbeiten in dem Gebäude. Sie kommen aus den Bereichen Kryptographie, Quantenphysik, Systemsicherheit und Softwaretechnik und entwickeln gemeinsam Sicherheitslösungen.

Auf rund 2100 Quadratmeter Nutzfläche sind in dem Neubau Labore, Büros, Seminarräume und Serverflächen untergebracht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren bereits 2020 eingezogen und hatten die Arbeit aufgenommen. Pandemiebedingt hatte sich die Einweihung verschoben und wurde nun feierlich begangen.

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