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Schule macht keinen Spaß: Jenifer, Justin, Melina und Özlem mit selbstgefertigten Masken aus Pappmaché in der sogenannten „Milchhalle“ an der Wilhelm-Leuschner-Schule in Darmstadt.
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Schule macht keinen Spaß: Jenifer, Justin, Melina und Özlem mit selbstgefertigten Masken aus Pappmaché in der sogenannten „Milchhalle“ an der Wilhelm-Leuschner-Schule in Darmstadt.

Bildung

Darmstädter Jugendliche fordern Schule, die Spaß macht

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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An der Wilhelm-Leuschner-Schule in Darmstadt wollen Schülerinnen und Schüler etwas verändern. Dazu greifen sie zu ungewöhnlichen Mitteln und gewinnen den Demokratie-Preis.

Gestresst, belastet und traurig: So fühlen sich Schüler:innen an der Wilhelm-Leuschner-Schule (WLS) in Darmstadt. Die 15-jährige Melina sagt: „Schule ist zum Großteil negativ – von der Umgebung her, dem Unterrichtsaufbau, es gibt viele Punkte.“ Doch bei einem Klagelied wollen es die Schülerinnen und Schüler nicht belassen. 2019 begann gemeinsam mit anderen Schulen das Projekt Future.Lab Schule 2030. Dabei sollten die Teilnehmenden Ideen entwickeln, wie man Schule verbessern könnte.

Die WLS ist die einzige Schule, die weitergemacht hat, sagt Birgit Huck. Die Kunstlehrerin bietet das Projekt weiterhin als Wahlpflichtkurs an. Zwölf Teilnehmer:innen plus sechs Freiwillige haben sich angeschlossen. „Wir wollen erreichen, dass Schule Spaß macht. Das ist im Moment nicht so“, sagt Melina, die in die neunte Klasse der Realschule in Bessungen geht. Die gibt wirklich ein trauriges Bild ab: Heruntergekommene Klassenräume, karge Flure, keine Aufenthaltsmöglichkeiten in den Pausen und Freistunden, keine Sitzmöglichkeiten im Innern, kaum technische Ausstattung in den Klassenzimmern.

„Keine PCs, keine Beamer, keine Whiteboards, das WLAN funktioniert nicht“, wie Schülerinnen und Schüler berichten. „Die Größe der Klassenräume wäre okay, wenn wir nicht zu dreißigst drin sitzen würden“, sagt Justin. Der 16-Jährige vermisst bereits den Wechselunterricht: Da hätten die Lehrkräfte sich endlich mal Zeit nehmen können, um auf einzelne Schüler einzugehen.

Über den Tanz Gefühle ausdrücken

Um Veränderungsanstöße zu geben, haben Birgit Huck und Nicole Lotzkart, beide leiten das Futur.Lab, einen – wie sie sagen – ästhetischen Ansatz gewählt. Zum Beispiel überlegten sich die Jugendlichen, welche Emotionen sie an welche Orten der Schule empfinden oder welche Konflikte es gibt. Diese Empfindungen übersetzten sie in Tanzschritte und entwickelten eine Choreographie, die sie dann vorführten.

Ihre jüngste Arbeit war die Herstellung von Gesichtsmasken, mit denen sie sich an unangenehmen Orten in der Schule positionierten. „Mit der Körpersprache versuchten wir auszudrücken, was uns stört“, erklärt Melina. Dadurch, dass sie Masken tragen würden, würden sie anonym für jeden und jede Schüler:in stehen.

Bei Kunstaktionen ist es aber nicht geblieben. Trotz Coronabeschränkungen schaffte es der Kurs mit der Gestaltung einer Radiosendung und der Durchführung einer Videokonferenz mit der Bundestagsabgeordneten Daniela Wagner, weiter für ihre Anliegen aktiv zu sein.

Auch engagieren sich die Jugendlichen in Schulkonferenzen oder haben Arbeitsgruppen gegründet, damit Schüler sich selbst engagieren könnten, sagt Schulsprecherin Jennifer. Leider wüssten viele nicht, dass sie etwas verändern könnten.

Geld für Mobiliar fehlt

Ein Projekt, dass viele begeistert habe, war die Umgestaltung der Milchhalle. Das ist ein breiter Gang, der einzige Raum in der Schule, der einer Aula gleicht, aber sehr karg gestaltet ist. Dieser wurde von den Schülerinnen und Schülern mit gemütlichen Möbeln aus der Nachmittagsbetreuung für einen Tag eingerichtet und mit Pflanzen und Lichterketten geschmückt. „Wir hatten plötzlich einen Ort, wo man sich wohlfühlen kann“, sagt Özlem, 15. Leider fehle der Schule das Geld für Möbel, so Huck. Die Heag habe nun Geld gespendet, von dem man brandsichere Stühle gekauft habe. Für Tische habe es aber nicht mehr gereicht.

Ziel von Future.Lab ist es laut Huck, dass Schüler:innen als Beteiligte von Schulentwicklung ernstgenommen werden, Verantwortung übernehmen und erfahren, dass es sich lohnt, sich für ein Anliegen zu engagieren und Interessen demokratisch durchzusetzen.

Für ihr Engagement wurde die Schule beim bundesweiten Wettbewerb „Demokratisch-Handeln“ 2020 ausgezeichnet. Außerdem ist sie jetzt für den Deutschen Engagementpreis nominiert. Die Jury entscheidet im September über die Gewinnerinnen und Gewinner. Vom 9. September bis 20. Oktober stehen alle Nominierten, die nicht in einer der Kategorien ausgezeichnet werden, zur Wahl für den mit 10 000 Euro dotierten Publikumspreis.

Weitere Informationen online unter: https://www.deutscher-engagementpreis.de/

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