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Darmstadts OB verurteilt Übergriffe

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Von: Jutta Rippegather

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Das Schlossgrabenfest in Darmstadt.
Das Schlossgrabenfest in Darmstadt. © Andreas Arnold

Nach den sexuellen Übergriffen von Darmstadt ermitteln die Behörden in 18 Fällen nach Strafanzeigen von jungen Frauen. Pro Fall gibt es mehrere Geschädigte.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt jetzt in 18 Fällen wegen der sexuellen Belästigungen beim Schlossgrabenfest. Es sei völlig offen, ob die Täter stets organisiert vorgegangen seien und ob es immer dieselben Personen waren, sagte Vize-Sprecherin Barbara Sieger am Mittwoch der Frankfurter Rundschau. „Wir stehen noch ganz am Anfang.“

26 Frauen hatten sich bis Dienstag bei der Darmstädter Polizei gemeldet. Sie berichteten, sie seien in der Nacht zum Sonntag auf der engen Tanzfläche von „einer Kleingruppe Südasiaten“ sexuell belästigt worden. Drei der Frauen hatten sich schon während des Fests an Beamte gewandt, die daraufhin vorübergehen drei Tatverdächtige festnahmen: in einem örtlichen Flüchtlingsheim untergebrachte Pakistaner im Alter zwischen 28 und 31 Jahren, von denen einer sich laut Polizeisprecher Ferdinand Derigs schon länger in Deutschland aufhält. In 18 Fällen wird nun ermittelt, das heißt, pro Fall gibt es mehrere Geschädigte.

Ob es zu strafbaren Handlungen kam, würden die weiteren Ermittlungen zeigen. Wie der Polizeisprecher einräumt, sind sexuelle Übergriffe auf Frauen „in Einzelfällen“ nichts Ungewöhnliches. „Das kann auf jeder kleinen Kerb passieren.“ Doch diese Vorgehensweise, die an die Silvesternacht von Köln erinnert, sei in ihrer Form neu: „Die Frauen schilderten, dass sie immer von mehreren Personen umringt und begrapscht wurden.“

Anders als in Köln blieb es dabei. Eine Geschädigte vermisste am nächsten Tag ihr Portemonnaie. Ob ein Zusammenhang besteht, ist unbekannt.

Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch und Sozialdezernentin Barbara Akdeniz (beide Grüne) stellten in einer gemeinsamen Mitteilung klar, dass sexuelle Übergriffe ebenso wie häusliche Gewalt nicht zu tolerieren seien. „Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist in unserer Gesellschaft ständig präsent.“ Täter, egal welcher Nationalität, müssten bestraft werden.

Zugewanderten würden die Regeln, Werte und Normen im Geschlechterverhältnis erklärt. „Dass einzelne Männer dies nicht akzeptieren, wird zur Folge haben, dass sie angeklagt und vor Gericht bestraft werden.“ Eine Verallgemeinerung auf alle Migranten lasse sich daraus nicht ableiten.

Gleichberechtigung, die Würde des Menschen und die Rolle der Polizei als „Freund und Helfer“ sind auch Themen der Großveranstaltungen in Erstaufnahmeeinrichtungen, bei denen das Land laut dem hessischen Innenministerium in den vergangenen Monaten rund 4000 Flüchtlinge erreicht hat. Das Projekt, bei denen Polizisten mit Migrationshintergrund teils in ihrer Muttersprache aufklärten, soll auf kommunaler Ebene fortgesetzt werden, kündigte Ministeriumssprecher Sebastian Poser am Mittwoch an.

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