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Darmstadt: Wissen, wann die nächste Ampel umspringt

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Von: Claudia Kabel

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Die App zeigt anhand einer Tachonadel, ob man langsamer oder schneller fahren sollte.
Die App zeigt anhand einer Tachonadel, ob man langsamer oder schneller fahren sollte. © Rolf Oeser

Eine neue App zeigt Rot- und Grünphasen in Darmstadt. Der Verkehr soll dadurch entspannter fließen und Abgase sollen reduziert werden.

Auf der grünen Welle durch den Stadtverkehr cruisen – was für ein Traum! In Darmstadt arbeitet man hart daran, dass dies kein Traum bleibt. So präsentierte das Mobilitätsamt jetzt eine neue App, entwickelt von der Firma Yunex Traffic, die anzeigt, ob man schneller oder langsamer fahren muss, um die nächste Ampel bei grün zu erwischen – schneller natürlich nur bis zur erlaubten Höchstgeschwindigkeit. Interessant soll dies laut den Machern auch für Radfahrer:innen sein, denn die sehen, wann sie noch mal in die Pedale treten müssen und wann sich dies nicht lohnt, weil sowieso gleich rot ist.

Auf einer eineinhalb Kilometer langen Teststrecke auf Nieder-Ramstädter-Straße und Heinrichstraße zwischen Böllenfalltor und Hügelstraße wurde zwischen 2018 und 2022 die sogenannte kooperative Leitzentrale mit Ampelphasenassistent (Apha) entwickelt und an acht Ampelanlagen getestet. Das Ergebnis sei in jeder Hinsicht überzeugend, sagte Mobilitätsdezernent Michael Kolmer (Grüne): ÖPNV und motorisierter Individualverkehr wurden synchronisiert, Teilstrecken konnten von Tempo 50 auf 30 zur Lärmminderung und Erhöhung der Verkehrssicherheit reduziert werden, und dennoch sei die Gesamtfahrzeit auf der Teststrecke für den ÖPNV von rund 300 Sekunden auf 160 bis 180 Sekunden gesunken. Durch die Nutzung der App soll der Verkehr „verstetigt“ werden – will heißen, Fahrzeuge sollen in gleichmäßigerem Tempo fahren und damit Abgase reduzieren. Denn die meisten Emissionen entstehen beim Stop-and-go.

Thermische Kameras im Stadtgebiet zeigen, wie der Verkehr rollt.
Thermische Kameras im Stadtgebiet zeigen, wie der Verkehr rollt. © Rolf Oeser

Darmstadt: Neue App auch in Bussen und Straßenbahnen

Außerdem soll man mit der App „schneller durch Darmstadt kommen“, weil der Verkehrsfluss verbessert werde, sagte Kolmer. Gleichzeitig wird die App in Bussen und Straßenbahnen installiert. Dadurch sollen E-Fahrzeuge Batteriestrom sparen können, erklärte Ralf Tank, Projektleiter im Mobilitätsamt.

Die App namens Signal2X werde in fünf Monaten auf die gesamte Stadt „ausgerollt“, wie es hieß, und könne dann in Appstores kostenlos heruntergeladen werden. Auch integrierte Fahrzeugnavigationssysteme könnten sie nutzen. Durch Einsatz künstlicher Intelligenz soll die App während des Betriebs laufend weiterentwickelt werden, führte Stefan Eckert, Geschäftsleiter von Yunex Traffic, aus.

Die App soll künftig auch anderorts nutzbar sein. Sie könne Verkehrsdaten anderer Städten verwenden. Den Echtzeit-Verkehrsleitrechner in Darmstadt bezeichnete Eckert allerdings als bislang einmalig: „Ich kenne kein zweites System, das diesen technischen Stand hat.“ Auch Dezernent Kolmer betonte, dass Darmstadt „eine Vorreiterrolle für Smart-City-Lösungen“ übernehme.

Die App

Der Ampelphasenassistent berechnet mithilfe intelligenter Algorithmen die optimale Geschwindigkeit für eine Fahrt auf der grünen Welle. Die Sicherheit der Prognose liegt laut Hersteller bei bis zu 99,8 Prozent.

Die App „Signal2X“ von Yunex Traffic soll es in fünf Monaten kostenlos in Apple- und Google-App-Stores zum Download für Smartphones geben. Das Handy muss dann im Auto an einer Halterung platziert werden.

Die Integration in die bestehende Fahrzeugnavigation ist ebenfalls vorgesehen. Zum Beispiel über Apple Car Play oder Google Android Auto.

Für Radfahrer:innen wurde eine eigene Benutzeroberfläche gestaltet, um die Verkehrssicherheit und Nutzbarkeit zu gewährleisten. cka

Darmstadt: Sensoren für intelligente Verkehrssteuerung

Die Digitalstadt Darmstadt arbeitet schon seit Jahren an einer computergestützten intelligenten Verkehrssteuerung und hat dafür einen Verkehrsleitrechner aufgesetzt, der Daten von Kraftfahrzeugen, ÖPNV, Radfahrer:innen und Fußgänger:innen in Echtzeit erfasst. Dafür wurden 3500 Sensoren, Taster und ÖPNV-Meldepunkte sowie 40 thermische Kameras installiert. Auf den Kameras sind nur anonyme Formen in schwarz-weiß zu erkennen.

Auf den Monitoren im Mobilitätsamt ist zu sehen, wann Ampeln umschalten, wenn sich ein ÖPNV-Fahrzeug nähert oder wenn Fußgänger:innen den Ampeldrücker betätigen. Die fast 190 Ampeln in Darmstadt werden übrigens schon seit vielen Jahren intelligent geschaltet, je nachdem, aus welcher Richtung mehr Verkehr rollt. Die kooperative Leitzentrale mit der Ampel-App ist nur ein Teilprojekt, das immerhin gut 1,4 Millionen Euro kostete und jetzt abgeschlossen ist, wie Kolmer sagte. Die Hälfte zahlte das Bundesministerium für Digitalisierung und Verkehr.

Darmstadt: Probefahrt mit neuer App

Eine Probefahrt zeigt, dass es angenehm ist, wenn die App die Sekunden herunterzählt, wie lange noch rot ist, beziehungsweise ob man eine Ampel noch bei grün erwischt oder man lieber gemütlich ausrollen lässt. Letzteres könnte Hintermänner und -frauen ärgern, wenn sie die App nicht haben. Und natürlich hilft die App nichts, wenn sich die Autos vor einem stauen, denn dann springt die Ampel doch wieder auf rot, bis man selbst dran ist.

Damit der Verker wirklich verflüssigt wird, ist deshalb ausschlaggebend, dass viele Menschen die App nutzen. Laut Eckert müsten das 20 bis 40 Prozent der Bürger:innen sein.

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