Darmstadt

Werben für faire Rollenbilder

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Die Stadtbibliothek Darmstadt stellt Medienboxen zur Ausleihe zusammen. Interessierte können sich aus einer Medienliste eine Auswahl an Büchern und Filmen zusammenstellen lassen.

Aus Anlass des von den Vereinten Nationen initiierten Weltmädchentags, bei dem am gestrigen Sonntag weltweit auf die Benachteiligungen von Mädchen hingewiesen wurde, haben das Darmstädter Frauenbüro und die Stadtbibliothek wieder spezielle Medienboxen zusammengestellt. Interessierte können sich aus einer umfangreichen Medienliste eine Auswahl an Büchern und Filmen zusammenstellen lassen und ausleihen, die „ein faires und gleichberechtigtes Rollenbild von Mädchen und Jungen aufzeigen“, wie es in einer Mitteilung der Stadt heißt.

Zur Auswahl stehen Medien für die Altersgruppen zwischen drei und sechs Jahren und zwischen sechs und zehn Jahren. Auch verschiedene Familienformen werden thematisiert.

Die Medienboxen eignen sich nach Angaben der Stadt auch für die Nutzung in Kindertagesstätten und Schulen. Auch Eltern und pädagogische Fachkräfte können die Medien ausleihen. Für Erwachsene gibt es zudem Fachliteratur zu einer geschlechtergerechten Erziehung.

Die Zusammenstellung und Ausleihe der Medien erfolgt über die Stadtbibliothek. In einem neu aufgelegten Flugblatt werden die Medienboxen und deren Nutzung vorgestellt. Dieser liegt im Bürgerinformationszentrum am Luisenplatz aus und kann kostenfrei per E-Mail unter frauenbuero@darmstadt.de bestellt werden. Zudem kann der Flyer unter dem Stichwort „Publikationen“ auf der Internetseite www.frauenbuero.darmstadt.de und unter „Angebote und Service“ unter der Adresse stadtbibliothek.darmstadt.de abgerufen werden.

Zu viele Klischees

Die Darmstädter Sozial- und Frauendezernentin Barbara Akdeniz (Grüne) sagt, noch immer würden Mädchen und Frauen in Deutschland Opfer von sexualisierter Gewalt. Auch seien Frauen in politischen Interessenvertretungen unterrepräsentiert und müssten sich häufig mit weniger Einkommen und dementsprechend auch Vermögen begnügen.

Eine Ursache hierfür liege darin begründet, dass Mädchen und Jungen bereits früh mit klassischen Geschlechterstereotypen konfrontiert würden. So werden in der Kinderliteratur Mädchen häufig mit Feen und Prinzessinnen dargestellt, während Jungen Fußball spielen oder Abenteuer auf Piratenschiffen erleben. „Auch die klassische Rollenverteilung, dass sich Frauen um die Kinder kümmern und die Väter arbeiten gehen, findet sich immer wieder“, kritisiert Akdeniz.

Die Stadträtin ist der Auffassung, dass diese Klischees die Kinder all zu sehr in ihrer Entwicklung beschränken. Das führe dazu, dass Mädchen oft weniger Selbstvertrauen in ihre mathematischen und naturwissenschaftlichen Fähigkeiten hätten, häufiger eher schlechter bezahlte Berufe wählten, später mehr unbezahlte Fürsorgearbeiten übernähmen und deshalb einem höheren Altersarmutsrisiko ausgesetzt seien. „Hier müssen wir entschieden gegensteuern“, mahnte Akdeniz.

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