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Darmstadt: Wenn die Depression ausbricht

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Von: Claudia Kabel

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Roman „Seelenvulkan“ von Jutta Sybille Schütz.
Roman „Seelenvulkan“ von Jutta Sybille Schütz. © udvm.de

Der Debüt-Roman „Seelenvulkan“ von Jutta Sybille Schütz ist eine Reise durch die Erkrankung. Lesung am Donnerstag im Frauenzentrum.

Geradezu autistisch kommt sich Vera vor. Keine Gefühle mehr? Oh, doch. Sie empfindet Neid gegenüber Menschen, die glücklich und zufrieden aussehen, oder gegenüber Frauen, die schick angezogen sind und selbstbewusst auftreten – wie die Klinikpsychologin Frau Hansen. Und Scham. Sie schämt sich für ihren Zustand, sie will nicht gesehen und nicht angesprochen werden. Ein „Wie geht es dir?“ wird zur Horrorfrage.

Vera ist die Hauptfigur im Roman „Seelenvulkan“, mit dem die Darmstädterin Jutta Sybille Schütz jetzt ihr Romandebüt vorlegt. In ihrem 236 Seiten starken Werk widmet sie sich dem Thema Depression und lässt eine verwegene Vulkanforscherin daran erkranken. Nach einem traumatischen Erlebnis am Popocatépetl in Mexiko erstarrt Vera selbst wie der Vulkan und landet in einer hessischen Psychiatrie.

Jutta Sybille-Schütz aus Darmstadt hat den Roman Seelenvulkan geschrieben.
Jutta Sybille-Schütz aus Darmstadt hat den Roman Seelenvulkan geschrieben. © J. Schütz

Jutta Schütz hat selbst bereits unter einer Depression gelitten und kennt den Klinikalltag aus eigener Erfahrung. „Ich hätte nicht darüber schreiben können, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte“, sagt die 69-Jährige der FR. Doch erst jetzt, im Ruhestand, habe sie die Zeit für das Buch gefunden. Ihr Anliegen sei, über eine spannende Rahmenhandlung das Thema, das immer noch einem Tabu unterliege, bekannter zu machen.

Wie die Figuren in ihrem Roman sei auch sie selbst oftmals von der Umwelt überfordert gewesen, hätten Mitmenschen die Tragweite der Depression und die zeitweise absolute Handlungsunfähigkeit nicht nachvollziehen können.

Lesung und Hilfe

Jutta Sybille Schütz liest aus ihrem Buch “Seelenvulkan“ am Donnerstag, 24. November, 19 Uhr im Frauenzentrum (Emilstraße 10 in Darmstadt). Auch Männer sind willkommen. Der Eintritt ist frei. Es gibt einen Büchertisch des Bessunger Buchladens. cka

Hilfe und Beratung bei Depression bietet die Stiftung Deutsche Depressionshilfe unter Telefon 0800 / 334 4533 Montag, Dienstag, Donnerstag 13 bis 17 Uhr sowie Mittwoch und Freitag 8.30 bis 12.30 Uhr. Infos online unter: www.deutsche-depressionshilfe.de

Schütz wuchs in Darmstadt auf, studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Völkerkunde in Tübingen und promovierte in Mainz. Danach arbeitete sie als Redakteurin und freie Journalistin, etwa für ein touristisches PR-Magazin, die Frauenzeitschrift „Mathilde“ und Radio Darmstadt. Sie war Autorin und Lektorin von Reiseführern; Recherchereisen führten sie nach Mexiko. Deshalb hat sie ihren Roman teilweise dort angesiedelt.

Romanheldin Vera liebt Vulkane seit ihrer Kindheit in Mexiko. Später erforscht sie die Feuerberge, bis ihr ein Ausbruch zum Verhängnis wird. Nach ihrer Rettung kann sie sich nicht an Details erinnern. Trägt sie Schuld am Tod anderer Menschen? Das Trauma führt sie in die Psychiatrie. Diagnose: schwere Depression. Nichts geht mehr; sie fühlt sich wie ein erstarrter Vulkan, der manchmal wieder ausbricht.

Das Bild des Vulkans verwendet Schütz als Symbol für die Depression. Denn die Lava erstarre nach dem Ausbruch nicht nur, sondern die entstehende Vulkanerde sei auch sehr fruchtbar und lasse Neues wachsen. Über ihre eigene Depression zu sprechen, hat Schütz während ihrer Tätigkeit für den Sozialpsychiatrischen Verein Darmstadt und die darin verortete Projektgruppe „Verrückt? Na und!“ gelernt. Über diese besucht Schütz regelmäßig Darmstädter Schulklassen und berichtet von ihrer Krankheit.

Einen Verlag zu finden, sei nicht leicht gewesen. Die Absagen hätten meist ausgedrückt, das Thema sei zu schwierig. Jutta Sybille Schütz hält es indes für brandaktuell, gerade weil sich jüngst immer öfter Prominente dazu bekennen.

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