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Bier aus Darmstadt: Vom Rummelbräu zum Braustüb’l

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Von: Jens Joachim

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Die Brauereichefs: Christoph sowie Wolfgang Koehler senior und junior (v. li.).
Die Brauereichefs: Christoph sowie Wolfgang Koehler senior und junior (v. li.). © Peter Jülich

Die Darmstädter Privatbrauerei feiert ihr 175-jähriges Bestehen mit zwei Hoffesten, einem „Bierbuch“, einem Jubiläumsbier und einem Jubiläumsbrand.

Wenn Wolfgang Koehler senior, der langjährige Chef der Darmstädter Privatbrauerei, auf die Geschichte des Brauwesens in Darmstadt zurückblickt, dann überkommt den 70-Jährigen ein wenig Wehmut.

Vor rund 200 Jahren gab es nach den Worten von Stadtarchivar Peter Engels noch 27 Brauereien in Darmstadt. Heute ist mit der Darmstädter Privatbrauerei, zu der auch die Brauerei Grohe zählt, nur noch ein Unternehmen übrig geblieben, in dem im großen Stil Bier gebraut wird.

Bier aus Darmstadt: Brauereien hatten ihre Blütezeit im 19. Jahrhundert

Mit der Entwicklung der ersten Brauereien zu industriellen Großbetrieben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte ein Konzentrationsprozess ein. Viele kleine Brauereien stellten im Laufe der Jahre ihren Betrieb ein, so dass es 1930 nur noch sieben Brauereien gab.

Sechs von ihnen überstanden den Zweiten Weltkrieg. Auch die zehn Brauereien in den heutigen Darmstädter Stadtteilen Arheilgen, Bessungen und Eberstadt erlebten laut Engels „ihre Blütezeit allesamt im 19. Jahrhundert und hatten bereits vor dem Zweiten Weltkrieg den Betrieb eingestellt“.

Bier aus Darmstadt: Darmstädter Privatbrauerei feiert 175-jähriges Jubiläum

Dass die Darmstädter Privatbrauerei in diesem Jahr ihr 175-jähriges Bestehen feiern kann, führt Seniorchef Koehler auch darauf zurück, dass in den vergangenen Jahrzehnten in dem Familienunternehmen oftmals eher weitsichtig gehandelt worden sei.

Mit der Eröffnung der Gaststätte „Zur Eisenbahn“ auf einem Eckgrundstück an der Elisabethen- und der Neckarstraße begann am 4. Dezember 1847 die Geschichte der Privatbrauerei. Das Bier, das die Firmengründer Jakob und Johann Adam Rummel dort ausschenkten, wurde in der eigenen Hausbrauerei hergestellt. Rund 2000 Hektoliter produzierte die kleine Brauerei jährlich auf einer Fläche von rund 800 Quadratmetern.

Darmstadt: Familien Rummel und Koehler bauten Privatbrauerei auf

Ende der 1870er, Anfang der 1880er Jahre ermutigte der florierende Absatz des Gerstensaftes die Familie Rummel, den Betrieb deutlich auszubauen. Weil dies am Gründungsstandort nicht möglich war, siedelte das Unternehmen 1887 in die Goebelstraße um, wo direkt gegenüber dann 1912 der Hauptbahnhof nach den Plänen des Architekten Friedrich Pützer errichtet wurde.

An dem neuen Standort war das Gelände der Brauerei um das Zehnfache größer. Nachdem das Bier zuvor in den Felsenkellern im Erdreich der Mathildenhöhe bei einer Temperatur von acht bis zehn Grad eingelagert worden war, verfügte die Brauerei nun endlich über eigene Kühlkeller, die es auf dem Grundstück an der Elisabethenstraße nicht gegeben hatte, und es konnte dort nun auch das zum Brauen benötigte Malz selbst hergestellt werden. Heute verlassen hier jährlich 75 000 Hektoliter Gerstensaft das Gelände.

Im Brauereigebäude an der Goebelstraße befindet sich auch die Gaststätte „Braustüb’l“, nach der inzwischen das Bier benannt wurde.
Im Brauereigebäude an der Goebelstraße befindet sich auch die Gaststätte „Braustüb’l“, nach der inzwischen das Bier benannt wurde. © Peter Jülich

Bier aus Darmstadt: Vom Rummelbräu zum Braustüb‘l

Zwei Jahre nach dem Umzug von der Elisabethen- an die Goebelstraße eröffnete die damalige Inhaberfamilie Rummel 1889 an der Rheinstraße die Gaststätte „Rummelbräu“.

Wolfgang Koehler, der seine Erinnerungen anlässlich des Firmenjubiläums in einem „Bierbuch“ veröffentlicht hat, das für 18,47 Euro bei der Brauerei bestellt werden kann, spricht von einer „unvorstellbaren Aufbauleistung“ der damaligen Firmenchefs, die sehr hohe Summen in den Betrieb investiert hätten.

Brauerei in Darmstadt seit 1847 in Familienbesitz

1947 trat Wolfgang Koehlers Vater Hellmut Koehler in die Geschäftsführung der Brauerei ein, die er von da an mit Wolfgang Koehlers Onkel Heinrich Rummel und der Witwe von Wilhelm Rummel junior lenkte. 1982 reichte er das Zepter an Sohn Wolfgang weiter, der das Familienunternehmen in der fünften Generation führte. 2020 übergab der die Geschäftsleitung an seine Söhne Christoph und Wolfgang junior.

Der Seniorchef gab der Marke „Rummelbräu“ erst den Namen „Darmstädter“ und dann – in Anlehnung an den Brauausschank auf dem Firmengelände – „Braustüb’l“, um auch in den Vertriebsgebieten Frankfurt und Wiesbaden mit den 2000/2002 eingeführten Bügelverschlussflaschen bessere Absatzchancen zu haben.

Im vergangenen Jahr investierte die Darmstädter Privatbrauerei vier Millionen Euro in eine neue Abfüllanlage, die bis zu 30 Millionen Flaschen im Jahr abfüllen kann und die im August 2021 in Betrieb genommen wurde.

„Tag des deutschen Bieres“: Hoffest auf dem Brauereigelände in Darmstadt

Zum „Tag des deutschen Bieres“ an diesem Samstag, 23. April, findet von 11 bis 16 Uhr ein Hoffest auf dem Brauereigelände an der Goebelstraße statt, bei dem das extra gebraute Jubiläumsbier und ein Jubiläumsbrand ausgeschenkt werden. Zudem werden Führungen durch die Brauerei angeboten. Vom 15. bis 17. Juli wird es zudem ein Brauerei-Jubiläums-Fest geben.

https://unser-braustuebl.de/

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