1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Darmstadt: Umbenennung von Straßen betrifft 1600 Menschen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Claudia Kabel

Kommentare

Die Grundstraße in Darmstadt-Kranichstein wird umbenannt in Mirjam Pressler-Straße. Auch die Hindenburgstraße bekommt einen neuen Namen.
Die Grundstraße in Darmstadt-Kranichstein wird umbenannt in Mirjam Pressler-Straße. Auch die Hindenburgstraße bekommt einen neuen Namen. © Jens Joachim

Sieben Straßen und ein Platz werden in Darmstadt umbenannt, weil ihre Namensgeber das NS-Regime unterstützten. Die Stadt will die Kosten für die Ummeldung übernehmen.

Seit über 20 Jahren beschäftigt das Thema Straßenumbenennung die Darmstädter. Nun ist es mit dem Beschluss der Stadtverordneten in ihrer letzten Sitzung vor Weihnachten endlich vom Tisch. Nicht ohne erneute vorherige Debatte. Denn umbenannt werden neben der Hindenburgstraße, die Anlass für alles war, weitere sieben Straßen, deren bisherige Namensgeber den Nationalsozialismus unterstützten.

Vor allem die Umbenennung der Grundstraße in Kranichstein entzweite zuletzt doch noch die Gemüter. Hier hatte sich der Ortsverein der SPD dafür stark gemacht, dass der Name beibehalten werde, allerdings zukünftig nicht weiter auf den umstrittenen Architekten Peter Grund verweist, sondern auf den allgemeinen Begriff Grund, etwa als Kurzform von Grundstück. Eine pfiffige Idee.

Darmstadt: Sieben Straßen und ein Platz werden umbenannt

Auch der Stadtverordnete Helmut Klett brachte Vorschläge ein, die auf die Beibehaltung der Grundstraße, beziehungsweise eine Neubetrachtung ihrer Benennung, abzielten. Dennoch erteilte die Mehrheit der Stadtverordneten dem Vorschlag, der laut SPD den Wunsch der großen Mehrheit der Kranichsteiner wiedergab, eine Absage und zog die geplante Änderung in Mirjam Pressler-Straße vor. Auch Ernst May als Namensgeber wurde verworfen. Denn er sei zwar ein für Darmstadt wichtiger Architekt gewesen, zuletzt habe er sich aber für die stalinistische UDSSR begeistert.

Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) betonte, dass der Prozess der Umbenennung unter großer Bürgerbeteiligung und auf Basis einer wissenschaftlich objektiven Betrachtung der bisherigen Straßennamen stattgefunden habe. Er finde nun sein „zufriedenstellendes Ende“. CDU-Fraktionschef und Ex-Verfassungsschutzpräsident Roland Desch betonte, die Umbenennung zeige, „dass wir eine wehrhafte Demokratie“ haben und unsere Prinzipien verteidigen“.

Die neuen Straßennamen

In Darmstadt gibt 1067 Einträge für Straßen und Plätze. Von ihnen sind knapp 500 Männern gewidmet, weiteren knapp 500 sind nach Orten, Tieren, Firmen und Sachen benannt. Nicht einmal 100 Namen sind Frauen gewidmet

Bei der Bürgerbeteiligung wurden insgesamt 170 Vorschläge für acht neu zu benennende Straßen eingereicht.

Das Rennen machten: Der Physik-Nobelpreisträger Peter Grünberg (1939-2018) für die Alarich-Weiss-Straße; der Initiator der Aktion „Du musst kämpfen“ Jonathan Heimes (1990-2016) für die Brandisstraße; die Kinder- und Jugendbuchautorin Mirjam Pressler (1940-2019) für die Grundstraße; der Initiator der Frankfurter Auschwitzprozesse und Hessischer Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903-1968) für die Hindenburgstraße; die Tänzerin und Tanzpädagogin Elizabeth Duncan (1871-1948) für den Kleukensweg; die erste weibliche Stadtverordnete der Nachkriegszeit Ruth Horn (1908-1987) für den Kuhnweg und die Darmstädter Reiseschriftstellerin Milli Bau (1906-2005) für die Von-der-Au-Straße.

Die Widmung des größten teils auf Griesheimer Stadtgebiet liegenden Georgiiplatzes wird aberkannt. Die Neubenennung soll nach der Umgestaltung des Platzes erfolgen. cka

Darmstadt: Stadt übernimmt Kosten für Ummeldungen

OB Partsch kündigte an, die Stadt werde die Kosten für die Bürger:innen übernehmen. „Dies sind die Verwaltungskosten für Ummeldungen sowie Aktualisierung von amtlichen Dokumenten wie Personalausweis oder Führerschein“, teilte die städtische Pressestelle auf Anfrage mit. Aufgrund der Änderung des Straßennamens sei eine Ummeldung beim Bürger- und Ordnungsamt notwendig. Die Einwohner:innen würden benachrichtigt. Betroffen seien insgesamt 1600 Personen.

Derzeit erarbeitet die Stadt eine Allgemeinverfügung, deren Veröffentlichung das Ganze rechtlich wirksam macht und auch das Umbenennungsdatum nennt. Die Behördengänge seien ab diesem Datum möglich. Ab diesem Zeitpunkt soll auch die neue Beschilderung zusätzlich zu den alten Schildern angebracht werden. Diese werden zwar ungültig und durchgestrichen, sollen zur Orientierung aber in einer Übergangszeit bestehen bleiben.

Auch interessant

Kommentare