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Darmstadt: Ukrainisch-deutsche Ausstellung beginnt im Designhaus

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Von: Claudia Kabel

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Kurator Klaus Blecher führt durch die Ausstellung mit Antikriegsplakate ukrainischer Studierender, davor eine Skulptur von Paul Hirsch.
Kurator Klaus Blecher führt durch die Ausstellung mit Antikriegsplakate ukrainischer Studierender, davor eine Skulptur von Paul Hirsch. © Michael Schick

Mit „Change“ startet im Designhaus in Darmstadt trotz Krieg eine gemeinsame Ausstellung ukrainischer und deutscher Kunstschaffender. Ausrichtung und Umsetzung mussten sich radikal ändern.

Im Designhaus in Darmstadt beginnt an diesem Donnerstag, 28. April, eine ganz besondere Ausstellung. Nicht nur, dass sie ein Gemeinschaftsprojekt deutscher und ukrainischer Kunstschaffender ist, das wegen der Pandemie zwei Jahre verspätet gezeigt wird. Sondern trotz – oder gerade wegen – des russischen Angriffkriegs auf die Ukraine hat man sich entschlossen, die Schau „Change – Kunst im Dialog“ jetzt zu zeigen. Allerdings in abgeänderter Form und mit politischen Inhalten.

Zum einen können die ukrainischen Beteiligten aus der Darmstädter Partnerstadt Ushgorod nicht wie geplant anwesend sein, da sie nicht ausreisen dürfen. Einige seien bereits zum Militär eingezogen worden, sagt der Initiator und Kurator der Ausstellung, Klaus Blecher vom Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK). Zum anderen sei es nicht möglich gewesen, die original Kunstwerke aus dem Kriegsgebiet nach Darmstadt zu transportieren. Dies ist umso bedauerlicher, als sämtliche Arbeiten zu einem Thema jeweils paarweise von einem deutsch-ukrainischen Künstlertandem erschaffen wurden.

Mehr als nur ein Haufen Erde: „Evolution“ von Beata Korn und Volkmar Hoppe.
Mehr als nur ein Haufen Erde: „Evolution“ von Beata Korn und Volkmar Hoppe. © Michael Schick

Zwar übermittelten mehrere Künstler:innen ihre Bilder oder Fotografien ihrer Arbeiten in digitaler Form, sodass sie ausgedruckt und gezeigt werden können. Andere jedoch verzichteten darauf, da ihre Arbeiten in Öl oder mit viel Struktur nicht zur Geltung kämen, sagt Blecher. Daher bleiben die Leinwände von vier der dreizehn beteiligten ukrainischen Kreativen leer – und werden so zum Sinnbild der Folgen des Kriegs.

Ausstellung

Zu sehen ist „Change“ bis 15. Mai. im Designhaus Darmstadt, Eugen-Bracht-Weg 6. Geöffnet Freitag, Samstag und Sonntag 14 bis 18 Uhr. Eintritt frei.

Vernissage mit Übertragung nach Ushgorod am Donnerstag, 28. April, 19 Uhr. Zur Schau gibt es ein Rahmenprogramm.

Digitaler Rundgang unter change.paulhirsch.de

Beim Kunstprojekt von Beata Korn und Volkmar Hoppe konnte der Verein Partnerschaft Deutschland-Ukraine-Moldava, der die Ausstellung gemeinsam mit dem BKK und dem Verein Darmstadt KulturStärken veranstaltet, helfen: Auf der Rückfahrt einer Hilfslieferung wurde die für das Kunstwerk benötigte ukrainische Erde einfach „im Handschuhfach“ mitgenommen, berichtet Leiter Ulrich Wissmann. Sie ist nun, gemischt mit Darmstädter Erde, Teil einer Installation. Ein weitere Kuriosität: Malerin Beata Korn hält in Ushgorod, wohin bereits 60 000 Menschen geflohen seien, Malkurse für Flüchtlingskinder ab. Einige Bilder der Kinder werden ebenfalls gezeigt.

Ukraine-Darmstadt: Sandsäcke schützen Kunstwerke

Beim Projekt von Johanna Kimmel und Victor Meljnichuk habe das Thema ihrer geplanten Installation nicht mehr zur aktuellen Situation gepasst, berichtet die Darmstädterin. Stattdessen wurden gefüllte Sandsäcke um eines ihrer Skizzenbücher mit Zeichnungen von 2018 drapiert. Damals war die deutsche Künstlergruppe zur Erstauflage der Kooperationsausstellung nach Ushgorod gereist. Auch hier wieder Symbolkraft: „Mit Sandsäcken wird Kunst derzeit in der Ukraine gegen Bomben geschützt“, sagt Blecher.

Bilder von geflüchteten ukrainischen Kindern sind in der Ausstellung „Change“ in Darmstdt zu sehen.
Bilder von geflüchteten ukrainischen Kindern sind in der Ausstellung „Change“ in Darmstdt zu sehen. © Michael Schick

Ins Auge stechen in der über mehrere Räume und Geschosse verteilten Ausstellung auch die zahlreichen Antikriegsplakete. Sie stammen von Studierenden der Transkarpatischen Kunstakademie in Ushgorod und sollen wie die Bilder der Kinder eventuell nach der Ausstellung zu Spendenzwecken verkauft werden.

Ausstellung in Darmstadt: 30 Jahre Städtepartnerschaft

Nicht weniger beeindrucken neben diesen ungewöhnlich zustande gekommenen Exponaten die Werke aus Südhessen. Etwa das Gemälde von Claudia Söding, das ein Blick nach Mariupol sein könnte. Oder die zerrissenen gelb-blauen Suchbilder des Frankfurters Thomas Schneider.

Die Ausstellung, aber auch die Zusammenarbeit mit der Partnerstadt „hat eine Dialogstruktur entwickelt, die so im letzten Jahr nicht vorstellbar gewesen wäre“, sagt Kulturreferent Ludger Hünnekens. Vor dem Hintergrund der Kriegswirren sei das diesjährige 30. Jubiläum der Städtepartnerschaft umso bedeutender.

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