Darmstadt

Telekom testet Turbo-Internet in Darmstadt

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Bis zum Frühjahr werden in Darmstadt 18 Antennen an sechs Standorten aufgebaut, um Geräte und Anwendungen mit 5G-Mobilfunktechnik zu erproben.

Der mehrheitlich von Grünen und CDU dominierte Magistrat in Darmstadt sieht sich sowohl in der Politik wie auch beim Thema Digitalisierung gerne in einer Vorreiterrolle: Nachdem sich die Stadt bereits mit den Titeln „Wissenschaftsstadt“ und „Digitalstadt“ schmücken darf, will man sich nun zur „5G-Stadt“ weiterentwickeln. Bei 5G handelt es sich um besonders schnelle Kommunikationsverbindungen.

„An 5G führt in der Digitalstadt Darmstadt kein Weg vorbei“, jubelten Anfang Februar auch Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) und die Digitalstadt Darmstadt GmbH, nachdem, wie berichtet, die Deutsche Telekom mitgeteilt hatte, dass der neue Mobilfunkstandard neben Berlin und Hamburg auch in Darmstadt getestet werden soll. Im Westen der Stadt befindet sich auch ein großer Standort des Bonner Telekommunikationsunternehmens, der „Telekom-City“ genannt wird.

Bis zum Frühjahr sollen nach den Worten von Walter Goldenits, dem Technikchef der Telekom Deutschland, in der Darmstädter Kernstadt 18 Antennen an sechs Standorten installiert werden (siehe Infografik). Mit Berlin und Hamburg gehöre Darmstadt somit „zu den Vorreitern des neuen Kommunikationsstandards“, um Erfahrungen bei der Einführung der superschnellen fünften Mobilfunkgeneration zu sammeln, so Goldenits. Vorgesehen ist, das Darmstädter 5G-Testnetz bis zum Frühjahr auszubauen. Die ersten Antennen sind bereits am Standort Mina-Rees-Straße in der „Telekom-City“ in Betrieb gegangen.

Allerdings ist das Vorhaben nicht unumstritten. In der Stadt gibt es vereinzelt Initiativen, die Vorbehalte gegen den weiteren Ausbau der Infrastruktur haben und einer Aufrüstung der bereits bestehenden Antennenstandorte skeptisch oder sogar sehr kritisch gegenüberstehen. Einige Bürger fürchten um ihre Gesundheit, andere monieren, dass die auf Hausdächern montierten mächtigen Antennenmasten und ihre massiven Sockel das Stadtbild verunstalten.

Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) ist hingegen ein vehementer Befürworter der 5G-Anlagen. Mit Hilfe der ultraschnellen Informationsübermittlung in Echtzeit könne es etwa möglich sein, die vernetzte Mobilität und einen autonom fahrenden öffentlichen Personennahverkehr voranzutreiben. Ziel sei es, im Darmstädter 5G-Testfeld weitere Erfahrungen beim Aufbau und Betrieb der neuen Technologie zu sammeln. Zudem sollen 5G-Anwendungen und Geräte getestet werden, so Partsch.

Die Telekom, einer der Top-Sponsoren des Wettbewerbs „Digitale Stadt“, den Darmstadt im Juni 2017 gewonnen hat, arbeitet dabei mit der Digitalstadt Darmstadt GmbH und dem Technologiepartner Ericsson zusammen.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Bijan Kaffenberger, der inzwischen zum stellvertretenden digitalpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion gewählt worden ist, regte an, das Testprojekt der Telekom auszubauen und die Region Darmstadt-Dieburg zu einer Modellregion für die schnelle Datenübertragung zu machen.

Der Kreistag des Landkreises Darmstadt-Dieburg hat bereits einen Beschluss für eine entsprechende Bewerbung als Modellregion gefasst, die nach den Worten von Andreas Rinnenbach, dem Leiter der Wirtschaftsförderung des Kreises, derzeit vorbereitet wird. Laut Rinnenbach geht es dabei nicht um „marktgetriebene Projekte“ wie das der Telekom in Darmstadt, sondern es sei beabsichtigt, Fördermittel des Bundes zu erhalten, mit denen ebenfalls die fünfte Generation der Mobilfunktechnologie erprobt werden soll. Strategisches Ziel des Landkreises und der Stadt Darmstadt ist es, sich langfristig als Digitalregion zu positionieren.

Hintergrund: Fünfte Generation

Das Kürzel 5G steht für die fünfte Mobilfunkgeneration. Die Übertragung ist etwa 100-mal schneller als der aktuell weit verbreitete Standard 4G, auch LTE genannt.

Für Privatkunden dürfte 5G nicht allzu wichtig sein, da für die meisten mobilen Anwendungen auf dem Smartphone oder Tablet 4G reicht. Für die Industrie hat 5G hingegen zentrale Bedeutung, etwa für autonom fahrende Autos oder für die Telemedizin.

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