Nach der Fertigstellung der Neubaustrecke Rhein/Main–Rhein/Neckar sollen in einigen Jahren täglich 32 ICE-Züge im Darmstädter Hauptbahnhof halten.
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Nach der Fertigstellung der Neubaustrecke Rhein/Main–Rhein/Neckar sollen in einigen Jahren täglich 32 ICE-Züge im Darmstädter Hauptbahnhof halten.

Mobilität

ICE-Neubaustrecke: Darmstadt erhält Südanbindung mit Tunnel

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Die Deutsche Bahn stellt die geplante ICE-Neubaustrecke zwischen Frankfurt und Mannheim vor. Ein Abzweigung nach Darmstadt mit Untertunnelung ist ebenfalls geplant.

Die seit zwei Jahrzehnten geplante ICE-Neubaustrecke zwischen dem Frankfurter Hauptbahnhof und Mannheim wird weitgehend entlang der Autobahnen 5 und 67 verlaufen und einen Abzweig zum Darmstädter Hauptbahnhof erhalten.

Zwischen dem südhessischen Lorsch und Mannheim sollen die Züge auf dem Großteil der Strecke durch Tunnel fahren. Auch in Darmstadt soll nördlich der Heimstättensiedlung und entlang der Eschollbrücker Straße in bergmännischer Bauweise ein Tunnel gebaut werden, um die Stadt im Süden an die Schnellbahnstrecke anzubinden. Das hat die Deutsche Bahn am Freitagabend nach einer nicht-öffentlichen Sitzung des Beteiligungsforums Rhein/Main–Rhein/Neckar mitgeteilt. Die ausgewählte Vorzugsvariante schütze Anwohner:innen am besten vor Lärm und sei auch in Hinblick auf Fahrtzeiten und Kosten die optimale Lösung.

ICE-Neubaustrecke: In einer halben Stunde von Frankfurt nach Mannheim

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) äußerte, in den vergangenen fünf Jahren sei das geplante Milliardenprojekt „aus dem Dornröschenschlaf erwacht“. Mit dem Vorhaben werde die Verkehrswende vorangebracht, weil davon nicht nur der Fernverkehr profitiere, sondern auch der Nah- und Regionalverkehr. So könnten damit auch die bestehenden Trassen auf der Riedbahn und der Main-Neckar-Bahn entlastet werden. Zugleich würden schnellere Verbindungen zwischen den Regionen um Frankfurt und Mannheim geschaffen. Die Fahrzeit zwischen den beiden Hauptbahnhöfen soll sich um etwa ein Viertel auf knapp eine halbe Stunde verringern. 

ICE-Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim: Bahn prüfte mehr als 30 Varianten

Die Bahn hatte in den vergangenen Jahren in einem aufwendigen Verfahren mehr als 30 unterschiedliche Trassenvarianten untersucht. Projektleiter Jörg Ritzert berichtete, nach einer Vorauswahl seien die verbliebenen Varianten hinsichtlich der Zielvorgaben der regionalen Raumordnungspläne geprüft worden.

Zuletzt waren die jeweiligen Trassenvarianten unter ökologischen Gesichtspunkten sowie in Hinblick auf die Kriterien Technik, Verkehr und Wirtschaftlichkeit miteinander verglichen und gegenübergestellt worden. In der Abwägung habe sich dann für die Südanbindung Darmstadts an die Neubaustrecke die sogenannte Variante II.b als Vorzugsvariante herausgestellt , so Ritzert. 

Genehmigungsverfahren für Abschnitt Zeppelinheim-Darmstadt startet 2021

Im April 2021 soll nach Angaben des Projektleiters zunächst mit dem Baugenehmigungsverfahren für den ersten Abschnitt der Strecke zwischen Zeppelinheim im Kreis Offenbach und Darmstadt-Nord begonnen werden. Im zweiten Halbjahr soll dann ein Bericht an das Bundesverkehrsministerium übergeben werden, damit sich im weiteren Verlauf der Bundestag mit dem wichtigen Infrastrukturprojekt für die Regionen Rhein-Main und Rhein-Neckar zwecks Beschlussfassung beschäftigen kann. 

Verkehrsminister Al-Wazir äußerte, neben der Entlastung des Bahnverkehrs rund um Frankfurt werde es auch mehr Platz für Güterzüge geben, die nachts die Strecke nutzen sollen. 

Baden-Württembergs ebenfalls grüner Verkehrsminister Winfried Hermann, teilte mit: „Unsere Straßen sind voll, und auch die Schienen haben kaum noch freie Kapazitäten. Nur mit dem konsequenten zügigen Aus- und Neubau der Schiene kann die aus Klimaschutzgründen dringend notwendige Verkehrswende gelingen.“

ICE-Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim: 58 Kilometer lange Haupttrasse geplant

Die ICE-Neubaustrecke wird an der Südseite des Bahnhofs Zeppelinheim im Kreis Offenbach beginnen und bis Lorsch entlang der Autobahnen 5 und 67 verlaufen. Damit sollen nach Angaben der Bahn zwei Infrastrukturen miteinander gebündelt werden. Hinzu komme, dass der Bau der Neubaustrecke mit dem Ausbau der A67 im Bereich Darmstadt bis Lorsch kombiniert werde, um bauliche Beeinträchtigungen möglichst gering zu halten, teilte die Bahn mit. 

Die ICE-Neubaustrecke Rhein/Main–Rhein/Neckar soll nach Angaben der Bahn zugleich die Lücke zwischen den Schnellfahrstrecken Köln–Rhein/Main und Mannheim–Stuttgart/Karlsruhe-Basel schließen. Vorgesehen ist der Bau einer rund 58 Kilometer langen Haupttrasse mit einem sieben Kilometer langen Trog und einer knapp 13 Kilometer langen Tunnelstrecke.

Bahn äußert sich noch nicht zu Gesamtkosten des Milliardenprojekts

Zu den voraussichtlichen Gesamtkosten des Milliardenprojekts wollten sich Vertreter der Deutschen Bahn am Freitag zunächst nicht äußern. Erst im nächsten Jahr könnten dazu konkretere Angaben gemacht werden.

Über den besten Verlauf der neuen Gleise hatte sich die Deutsche Bahn in den vergangenen vier Jahren mit der Region ausgetauscht. Mehr als 30 mögliche Streckenführungen wurden gemeinsam besprochen und hinsichtlich ihrer jeweiligen Vor- und Nachteile bewertet und dem Beteiligungsforum vorgestellt, das am Freitag zum elften Mal tagte.

Projektleiter Ritzert berichtete, mit der nun ausgewählten Vorzugsvariante werde eine Zerschneidung des Westwalds vermieden. Im Auftrag des Beteiligungsforums Rhein/Main–Rhein/Neckar teilte Moderator Ralf Eggert mit, ohne den ausführlichen Dialog und den intensiven Austausch in dem Gremium wäre die Vorzugsvariante wohl nicht ausgewählt worden.

Südanbindung von Darmstadt führt durch einen Tunnel

Darmstadt soll sowohl im Norden als auch im Süden an die ICE-Neubaustrecke angebunden werden. Im Süden ist eine eingleisige Strecke entlang der Eschollbrücker Straße vorgesehen, auf der keine Güterzüge fahren werden. Nach Fertigstellung der Neubaustrecke sollen im Rahmen des sogenannten Deutschland-Taktes deutlich mehr Schnellzüge täglich im Darmstädter Hauptbahnhof halten als bisher. Vorgesehen ist zudem, die Bestandsstrecke Mainz—Darmstadt in Weiterstadt an die Neubaustrecke anzubinden.

ICE-Neubaustecke: „Lösung mit enormem Potenzial“: Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) hat unterdessen die Entscheidung der Bahn zur Anbindung der Stadt an die ICE-Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim gelobt. Die Bürgerinitiative „Westwaldallianz“ spricht von einem „Super-Gau“.

Weitere Informationen zum Projekt der ICE-Neubaustrecke Rhein/Main-Rhein/Neckar, zur ausgewählten Vorzugsvariante und zum Beteiligungsforum gibt es im Internet unter www.rhein-main-rhein-neckar.de.

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