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Darmstadt strömt

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Für Ahs und Ohs sorgten erst die Video- und Licht-Installation und später das Feuerwerk am Schloss.
Für Ahs und Ohs sorgten erst die Video- und Licht-Installation und später das Feuerwerk am Schloss. © Roman Grösser

Einkauf bis Mitternacht und ein attraktives Rahmenprogramm locken Besucher in die Stadt - und macht die Aktion "Darmstadt unter Strom" zum Erfolg.

Befreit vom Eis sind Strom und Bäche" beginnt der Osterspaziergang in Johann Wolfgang von Goethes "Faust, Der Tragödie erster Teil". Und eben dieses Gefühl hatten wohl viele Menschen, die nach dem grausigen Mai am Freitagabend die erste Gelegenheit nutzten, endlich bei sommerlichen Temperaturen in die Stadt zu strömen, um zu bummeln, einzukaufen, im Freien in Straßencafés zu sitzen, sich von Programmpunkten unterhalten zu lassen. Kein Wunder also, dass Darmstadt unter Strom - Einkauf bis Mitternacht ein Erfolg wurde.

Hochbetrieb herrscht im Carree beim "Festival Latino". Auf der Bühne heizen Musiker und eine Sängerin in Lack und Leder mit atemberaubenden Minirock und ebensolchen Stilettos die Stimmung an. Begeistert versuchen sich viele aus dem Publikum an Samba oder Tango. Andere verfolgen das Treiben lieber mit etwas Abstand und einem Mojito oder Caipirinha in der Hand. Stilecht gibt's Rumpsteak aus Uruguay und spanische Spezialitäten wie Churros, in Öl frittiertes Spritzgebäck.

Auf dem Marktplatz toben derweil die Kleinen beim Nachtspielplatz des Rotzfrechen Spielmobils. Schwer zu sagen, wer um 22 Uhr erschöpfter ist, die Kinder oder die Betreuer. Die Helfer räumen den Plastiktunnel, ein wulstiges Becken und die Spezialfahrzeuge zusammen, schaffen Platz für die Abendshow, die kurz vor Mitternacht den glanzvollen Abschluss von Darmstadt unter Strom bilden soll.

Wie beim Seerosenwachstum breiten sich auch die Tische und Bänke von Extrablatt und Ratskeller immer weiter auf dem Marktplatz aus - an diesem Abend stört es keinen. An der Ecke, bei Brackelsberg, schauen Männer, die ihre Frauen zum Schuhkauf begleiten (müssen), neidisch auf ihre Geschlechtsgenossen, die ihr Bier genießen.

Die drei Stunden durch die City wandernden Jazzmusiker von En Haufe Leit machen Station bei Da Carlo. Was die Flaneure freut, ist zum Teil harte Arbeit. "Die Menschen halten an, klatschen begeistert", berichtet Thomas Hoffmann, einer der sieben Haufe-Leit. "Jetzt machen wir Rast an der Tränke. Blasen macht durstig."

Effekte wie im Kino

Wie viele andere drängt's die Musiker nun zum Marktplatz, wo eine halbe Stunde vor Mitternacht die Abschlussshow beginnt - zunächst ganz unauffällig. Das Schloss verwandelt sich dank einer geschickten Video- und Licht-Installation: Fenster, Säulen und Gesimse scheinen nach vorne zu wachsen. Der Effekt gleicht dem Aufsetzen einer 3-D-Brille im Kino. Begeisterte Ahs und Ohs sind zu hören. Als das Schloss, in immer neue Farben und Formen getaucht, zu schwanken scheint, kommentiert dies Roland Dotzert, Leiter des Hauptamtes, trocken: "Wie an Heinerfest-Montag".

Eine schaurige Stimme fragt, "Wer wohnt um Mitternacht im Schloss?", worauf runde Scheinwerfer die Fensterfront absuchen, bis sie an einem hängen bleiben. Dort steht eine Prima Ballerina, die mit einer Tanzgruppe auf der Marktplatzbühne korrespondiert. Danach suchen die Scheinwerfer weiter, entdecken an einem anderen Fenster einen Dichter. Er deklamiert Verse, die als Schrift über die Außenwand wandern. Kurz darauf leitet ein Dirigent im Schloss ein Orchester auf der Marktplatzbühne. Diesmal werden Notenlinien auf das Gemäuer projiziert.

Nach Auftritten einer Sängerin und eines Liebespaares ist es soweit: Ein Feuerwerk vorm und überm Schloss beschließt Darmstadt unter Strom. Aber noch bis ein Uhr können Nachtschwärmer die verlängerte Betriebszeit für die Außengastronomie nutzen - und vielleicht haben sie gerätselt, wie das mit dem Schloss funktionierte. (ryp)

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