Weniger ist mehr: Intendant Karsten Wiegand beobachtet unter Corona-Bedingungen eine veränderte Wahrnehmung bei den Zuschauern.
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Weniger ist mehr: Intendant Karsten Wiegand beobachtet unter Corona-Bedingungen eine veränderte Wahrnehmung bei den Zuschauern.

Darmstadt

Darmstadt: Staatstheater legt Spielplan vor

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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„Komm ins Offene“ lautet das Motto der nächsten Wochen und Monate im Staatstheater Darmstadt. Nur wenige Stücke werden filmisch dargestellt.

Georg Orwell, Shakespeare, Brecht und Haydn: Mit einem Aufgebot bekannter Namen hat das Staatstheater Darmstadt jetzt ein Programm für die Spielzeit 2020/21 präsentiert. „Komm ins Offene“ lautete der rote Faden und bereits in den vergangenen Wochen unter den Corona-Beschränkungen habe dieses Motto eine ungeahnte Dimension bekommen.

„Wir können nicht da weitermachen, wo wir vorher aufgehört haben“, sagt Intendant Karsten Wiegand angesichts der Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Der Fokus der Stücke liege auf wenigen Figuren. „Die intensive Erfahrung in der Isolation, wie viel mir die anderen bedeuten und wie viel Solidarität sich entwickelte, das nehme ich mit für die Zukunft auf die Suche nach dem Offenen, Neuen“, so Wiegand.

Es gebe eine „sehr bewegende Wahrnehmung im Zuschauerraum“, stellt der Intendant fest. Bei 80 Leuten im Kleinen Haus sei der Prozess des Einlassens auf ein Stück intensiver als bei 500 Zuschauern. Da nehme sich keiner raus. „Man merkt plötzlich, wenn man alleine oder zu zweit dasitzt, dass die auf der Bühne einen auch sehen und auch die Energie brauchen.“

Geplante Premieren - Ein Auszug

3. Juli: Ein Sommernachtstraum nach William Shakespeare / Hessisch von David Gieselmann

26. September: Kinderoper „Schaf“ von Sophie Kassies.

23. Oktober: Johanna von Orléans – Am Beispiel Friedrich Schillers

14. November: La Bohème, Oper von Giacomo Puccini / Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica nach dem Roman von Henri Murger.

15. November: Aladin und die Wunderlampe, Familienstück nach 1001 Nacht von Annette Raffalt

6. Dezember: Don Quichotte, Comédie héroïque von Jules Massenet / Wiederaufnahme von den Bregenzer Festspielen 2019

29. Januar: Der gute Mensch von Sezuan, Parabelstück von Bertolt Brecht

28. Februar: Lohengrin, Oper von Richard Wagner

6. März: Morgen!, Ein Darmstadt-Tagebuch von Lothar Kittstein und Christoph Frick

12. Juni: 1984, nach dem Roman von George Orwell (cka)

Programm und Tickets: www.staatstheater-darmstadt.de

Dass nun ein Ausblick auf den Spielplan der nächsten Wochen und Monate gegeben werden könne und gleichzeitig ein Ausblick auf die vorläufig geplante Spielzeit erfolge, sieht man im Staatstheater als „besondere Herausforderung und Chance zugleich“.

Zuschauer als „Mitschöpfer der Aufführung“ im Staatstheater Darmstadt

Man wisse nicht, ob man Lohengrin tatsächlich im Februar rausbringen könne, so Wiegand. Natürlich seien Planänderungen möglich, falls sich die Umstände änderten. Dass sich nicht alle Stücke im Livestream wiedergeben ließen, das habe man inzwischen erkannt. Nur wenn der Zuschauer wirklich vor Ort dabei sei, könne er zum „Mitschöpfer der Aufführung“ werden.

Deshalb setzt das Staatstheater nur bei drei Aufführungen auf eine filmische Umsetzung. Eine solche steht gleich zu Beginn des neuen Spielplans, am 20. Juni, mit dem filmischen Musiktheaterprojekt, dem Liedzyklus von Christian Jost nach Robert Schumanns „Dichterliebe“ op. 48 auf Texte von Heinrich Heine, an. Das Stück entwirft eindringliche Bilder vom Aufkeimen und Zerbrechen einer rätselhaften Liebe. In den Räumen des Theaters und an Orten in der Natur entstand gemeinsam mit acht Sängern aus dem Opernensemble und neun Musikern des Staatsorchesters eine filmische Reise, die von Isolation, Sehnsucht und dem Wunsch nach Verschmelzung erzählt.

„Ein Sommernachtstraum“ erste Uraufführung der Saison

Bereits am 3. Juli ist mit „Ein Sommernachtstraum“ unter Regie von Ulf Goerke die erste Uraufführung der Saison geplant.

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