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Darmstadt: Spinnen gesucht

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Von: Claudia Kabel

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Spinnen wie Linyphia triangularis werden gesucht.
Spinnen wie Linyphia triangularis werden gesucht. © Maria Mohr / LWL

Bürger sollen Spinnen melden. Landesweiter „Bioblitz“ widmet sich im November den achtbeinigen Krabblern.

Für November rufen das Hessische Landesmuseum Darmstadt und die internationale Plattform Observation.org dazu auf, Spinnenbeobachtungen zu melden. Per Foto oder App könnten die Sichtungen der achtbeinigen Krabbler und Jäger übermittelt werden, sie trügen so im Rahmen des bundesweiten Projekts „Bioblitze 2022“ zur Erforschung der biologischen Vielfalt bei, teilte das Landesmuseum mit.

Wie die Kuratorin der Zoologie Daniela Matenaar der FR sagte, würden prinzipiell alle Arten das ganze Jahr über beobachtet und gezählt werden. Doch um das Projekt in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, werde jeden Monat eine bestimmte Gruppe ausgewählt, für die dann speziell aufgerufen werde. Dass es jetzt gerade die Spinnen seien, biete sich der Jahreszeit entsprechend an, sagt Matenaar. „Wenn es draußen kälter wird, zieht es viele Spinnen ins Haus.“

In Deutschland gibt es rund 1000 verschiedene Spinnenarten. Obwohl Spinnen schon seit etwa 400 Millionen Jahren auf der Erde krabbeln, gehören sie laut Landesmuseum zu den am wenigsten erforschten Tierarten. Dabei seien Spinnen sehr wichtig für das ökologische Gleichgewicht. Sie sorgten zum Beispiel dafür, dass sich Insekten nicht endlos vermehrten. Zudem seien sie wichtige sogenannte Bioindikatoren, denn anhand der vorkommenden und fehlenden Spinnenarten in einem Ökosystem könne man dessen ökologischen Zustand abschätzen. Die größte heimische Spinne, die Matenaar bei der Zählung erwartet, ist Eratigena atrica, die Große Winkelspinne – ihr Köper misst bis zu zwei Zentimeter.

Häufig dürfte laut der Expertin auch die Nosferatu-Spinne gesehen werden, die erst jüngst in unsere Gefilde eingewandert ist. Viel seltener sei dagegen der Ammen-Dornfinger, der wie die Nosferatu-Spinne mit seinem Beißwerkzeug die menschliche Haut durchdringen könne. Auch diese Spinne komme lokal vor, ideale Lebensbedingungen habe sie etwa in der Griesheimer Düne. Ihre Körperlänge beträgt bis zu 1,5 Zentimeter. „Über ihre Sichtung würde ich mich wirklich freuen“, sagt Matenaar.

Der „Bioblitz“ 2022 wurde vom Naturkundemuseum des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) im westfälischen Münster initiiert und das Landesmuseum Darmstadt ist seit zwei Jahren regionaler Partner von Obersvation.org – die nach eigenen Angaben die größte Naturbeobachtungsplattform Europas ist und ihren Sitz in den Niederlanden hat. Der Vorteil von Aktionen wie „Bioblitz“ sei, dass Sichtungen flächendeckend durch zahlreiche Beobachterinnen und Beobachter gemacht würden und nicht nur durch wenige Expert:innen stichprobenhaft, sagt Matenaar. „Dadurch bekommen wir besser Auskunft über die Arten in einer Region.“

Bioblitz 2022

Die Ergebnisse der „Bioblitze“ 2022 sind unter https://observation.org, Kategorie Landkreise und kreisfreie Städte 2022, zu finden.

Sichtungen können in der App ObsIdentify gespeichert oder online unter Observation.org eingetragen werden. Eine künstliche Intelligenz (KI) stehe dahinter und verarbeite die Bilder. Allerdings würde jede Sichtung noch einmal von Fachleuten geprüft, dadurch würde die KI immer besser werden, so Matenaar.

Dass Museen sich federführend an der Untersuchung auch der lebendigen Tierwelt beteiligten, liege daran, dass traditionell die Bestimmung der Arten über die Archive der Naturkundemuseen laufe, so Matenaar. Diese verfügten dort über das (tote) Vergleichsmaterial. Ein relativ neuer Zweig sei indes die Bestimmung über Bilder.

Auf der Plattform Observation.org werden alle Sichtungen zusammengezählt und nach Städten und Landkreise aufgeführt.

In Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg, die dort gemeinsam gelistet sind, wurden in diesem Jahr schon 1225 unterschiedliche Arten von 211 Beobachter:innen gezählt. Gemeldet wurden Pflanzen, Pilze und Tiere. In Frankfurt zählten 176 Beobachter:innen insgesamt 671 Arten.

Die Ergebnisse der „Bioblitze“ 2022 sind unter https://observation.org, Kategorie Landkreise und kreisfreie Städte 2022, zu finden.

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