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Darmstadt: Sorge um den Waldkunstpfad

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Von: Jens Joachim

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Kunst als Triebkraft: „Floating Energy“ lautete 2018 der Titel eines Kunstwerks von Imke Rust, das am Waldkunstpfad zu sehen war.
Kunst als Triebkraft: „Floating Energy“ lautete 2018 der Titel eines Kunstwerks von Imke Rust, das am Waldkunstpfad zu sehen war. © Rolf Oeser

Der Trägerverein, der in diesem Jahr seit 20 Jahren in Kooperation mit dem Darmstädter Forstamt Kunst in den Wald bringt, gerät nun zunehmend in Fokus der Kritik von Naturschutz-Initiativen.

Im Zusammenhang mit den Baumfällarbeiten von Hessen-Forst im Wald in der Nähe des Darmstädter Böllenfalltors macht sich der Verein für Internationale Waldkunst Sorgen um den Fortbestand des Internationalen Waldkunstpfades, dessen Träger er ist. Wie der Verein mitteilt, werde die Biennale zunehmend für die weitgreifenden Fällungen verantwortlich gemacht.

„Durch unsere Bekanntheit sind wir in den Fokus der Medien gerückt“, sagt Vereinsvorsitzender Peter Schüler. Über die Presse, per E-Mail und in persönlichen Gesprächen hätten Baumschützer:innen die Kulturschaffenden inzwischen aufgefordert, sich aus dem Wald zurückzuziehen.

Naturschützerin sagt: „Walderhalt geht vor Waldkunst!“

Auch Meike Plößer vom Netzwerk Bergsträßer Wald hatte Ende Januar einen Verzicht der Waldkunst in der geschützten Zone um den Herrgottsberg gefordert. „Walderhalt geht vor Waldkunst!“, meint Plößer. Der FR teilte die Architektin am Montagabend mit, sie sei „nicht gegen die Waldkunst generell“. Den Waldkunstpfad kenne sie sehr gut und sie habe es auch „immer sehr genossen, dort spazieren zu gehen“.

Gleichwohl vertritt Plößer eine vollkommen konträre Position als der Waldkunstverein. „Diese alten Bäume dort - das sind Naturdenkmäler - echte Natur-Waldkunst!“, sagt die Naturschützerin. Und sie empfiehlt zugleich dem Verein, sich „deutlicher zu positionieren und sich nicht von Hessen-Forst benutzen zu lassen.“

Waldkunstpfad Darmstadt: Kunstwerke wurden konzentriert

Die „Rolle des Sündenbocks“ aber will der Verein für Internationale Waldkunst nicht übernehmen. Man sei sich der Gefahr durch von der Dürre geschädigte Bäume „durchaus bewusst“, sagt Vereinsvorsitzender Schüler. Bereits vor sechs Jahren hätten die Organisatoren auf den Klimawandel reagiert und seitdem in Absprache mit Hessen-Forst die Kunst in unproblematischen Bereichen konzentriert. Mit dem Ergebnis, dass nun von 42 gefällten Bäumen nur acht in der Nähe von Kunstwerken gestanden hätten. Installiert worden seien die Exponate in einer Zeit, als der Wald noch gesund gewesen sei.

Zudem habe man in Gesprächen mit Hessen-Forst bewirken können, dass weniger Bäume als zunächst geplant der Säge zum Opfer gefallen seien. „Wir sind natürlich auch dafür, dass so viele Bäume wie möglich stehen bleiben“, betont Waldkunstpfad-Kuratorin Ute Ritschel. Die Idee, Kunst in den Wald zu bringen, entstand um die Jahrtausendwende in Kooperation mit der Forstverwaltung. Dort war man auf Ritschels Biennale „Vogelfrei“, die Kunst in Privatgärten zeigte, aufmerksam geworden. 2002 startete dann die Serie der Waldkunst-Biennalen. Seither wird der Pfad alle zwei Jahre von internationalen Künstlerinnen und Künstlern jeweils unter einem anderen Thema mit Kunstwerken versehen.

Darmstadt: Waldkunst vom Böllenfalltor bis zur Ludwigshöhe

Der Weg erstreckt sich auf einer Länge von mehr als drei Kilometern vom Böllenfalltor bis hin zur Ludwigshöhe – vorbei am Goethefelsen, dem Goetheteich und dem Ludwigshöhturm. Auch in diesem Jahr, im Spätsommer, will der Verein wieder international agierende Künstlerinnen und Künstler nach Darmstadt einladen, um in einem dreiwöchigen Symposium Exponate anzufertigen, die dann wieder im Wald präsentiert werden.

Seit Beginn der Corona-Pandemie erfreut sich der Wald am Böllenfalltor noch größerer Beliebtheit. „Am Kinderbauwagen versammeln sich sonntags bis zu 70 Personen“, berichtet Ritschel. Vor der Corona-Pandemie seien es maximal 30 gewesen. Der Landesbetrieb Hessen-Forst schätze die Zahl der Waldbesucher:innen im ersten Corona-Jahr auf rund 180 000 bis 200 000, was eine Verdopplung bedeute.

Der Verein hofft nun, dass sich die Lage wieder beruhigt und im Sommer das zwanzigjährige Bestehen des Internationalen Waldkunstpfads unter dem Motto „Kunst Natur Wandel“ wie geplant gefeiert werden kann.

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