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Darmstadt: Sektenaussteigerin berichtet von emotionalem Missbrauch in Freikirche

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Von: Claudia Kabel

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Im Leben von Marion O. richtete sich alles nach strikten religiösen Regeln. (Symbolbild)
Im Leben von Marion O. richtete sich alles nach strikten religiösen Regeln. (Symbolbild) © Michael Schick

Eine neue Selbsthilfegruppe will Menschen helfen aus starren Glaubenssystemen auszusteigen. Betroffene werden oft nicht ernst genommen.

In Darmstadt soll eine neue Selbsthilfegruppe für Sektenaussteiger:innen gegründet werden. Das Selbsthilfebüro Paritätische Projekte ruft deshalb Betroffene auf, sich zu melden.

Die Initiatorin der Gruppe, nennen wir sie Marion O., denn sie möchte anonym bleiben, wuchs in einer streng religiösen Familie auf. Heute spricht sie von „emotionalem Missbrauch“, wenn sie an ihre Zeit in der Freikirche zurückdenkt.

„Abartige Angst vor Gott“

In einer Mitteilung des Selbsthilfebüros schrieb sie: „Ich wuchs in einem behüteten Elternhaus auf. So sagten mir alle! Warum nur hatte ich dann so viel Angst, wo doch nicht nur meine Eltern mich beschützten, sondern sogar der allmächtige, allgegenwärtige und ‚liebevolle‘ Gott?“, fragt sie. „Dieser Gott in seiner ambivalenten Art machte mir abartige Angst, doch das sollte ich erst viele Jahre später verstehen.“ Auch heutzutage würden ihr oft Menschen begegnen, die es übertrieben finden, wenn sie „vom emotionalen Missbrauch“ in ihrer Freikirchenvergangenheit spreche. Das sei doch keine Sekte und da könne man nicht von Missbrauch sprechen, würden die Leute sagen.

Selbsthilfegruppen

Derzeit befinden sich neben dem Thema Sektenausstieg weitere Selbsthilfegruppen in der Gründung. Etwa zu Schlafstörungen und Fatigue; Morbus Dupuytren, Covid-Pandemie für Menschen, die keinen richtigen Immunschutz aufbauen können. cka

Alle Gruppen und Infos finden sich unter

www.paritaet-selbsthilfe.org/standorte/darmstadt

Kontakt zum Selbsthilfebüro in Darmstadt unter Telefon 06151 /850 658 0 oder per E-Mail an selbsthilfe.darmstadt@paritaet-projekte.org

Doch Marion O. fühlt sich dabei in ihrem Leid nicht ernst genommen und hat permanent das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen, wie sie sagt.

Mittlerweile ist sie aus der Freikirche ausgestiegen und lebt ein selbstbestimmtes Leben. Es gehe ihr viel besser und die Panikattacken würden weniger werden. Allerdings beschäftigen sie weiterhin die Strukturen, in denen sie gelebt hat, und die Sätze, die ihr als Wahrheit verkauft worden seien. Ebenso beschäftigt sie die Frage, wie sie das Verhältnis zu ihrer Familie gestalten soll, die zum Teil extrem konservativ fundamentalistisch sei. Da sie erlebt habe, wie heilsam, befreiend und Mut machend es ist, sich mit Menschen zu unterhalten, die sie wirklich verstehen könnten, weil sie Ähnliches erlebt hätten und die Gedankenmuster kennen, will sie andere Betroffene zum Austausch finden. „Gemeinsam lassen sich leichter Wege finden, die destruktiven Muster zu überwinden und problematische Glaubenssätze zu erkennen“, so Marion O.

Menschen, die Ähnliches erlebt haben oder in anderer Art unter repressiven religiösen Strukturen gelitten haben oder aktuell leiden und sich dazu mit anderen austauschen möchten, können sich beim Selbsthilfebüro Darmstadt melden, teilte der Paritätische mit. Da die Gruppe noch nach Teilnehmenden sucht, gibt es noch keinen Termin für das erste Treffen.

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