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Darmstadt: Schulbesetzung für das Klima

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Von: Annette Schlegl

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Kundgebung auf dem Pausenhof: Die Fridays for Future haben das Darmstädter Gymnasium besetzt.
Kundgebung auf dem Pausenhof: Die Fridays for Future haben das Darmstädter Gymnasium besetzt. © Monika Müller

Die Fridays for Future stören den Schulalltag des Ludwig-Georg-Gymnasiums in Darmstadt und kündigen an, dass das nicht die letzte Besetzung ist.

Punkt 11.15 Uhr geht es los: Laute Musik tönt über den Schulhof des Ludwig-Georg-Gymnasiums in Darmstadt, grüner Rauch steigt plötzlich auf. Ein Transparent „besetzt“ wird vom Dach des Klassentraktes heruntergelassen, ein weiteres mit der Aufschrift „Schulen besetzen - Fossile beenden“ an der Turnhalle aufgehängt. Erstmals demonstrieren die Fridays for Future (FFF) mit einer Schulbesetzung fürs Klima. Ihr Motto: „People not Profit – keine Gewinne auf unserem Rücken“.

Schulbesetzung ist Klimaaktion mit Geheimhaltungsstufe in Darmstadt

Die freitägliche Aktion, die mit Beginn der Pause startet, ist streng geheim, nur die Presse weiß schon tags zuvor davon. „Wir wollen das alltägliche Leben, die Normalität stören“, begründet Silas Bug die Geheimhaltung. Schließlich habe die Klimabewegung Fridays for Future im Jahr 2019 auch mit Aktionen des zivilen Ungehorsams begonnen. Man wolle die Klimabewegung wieder dahin führen, wo sie ihren Anfang genommen hat: in die Schulen. „Wenn wir die Schulbesetzung ankündigen, bekommen wir sie verboten oder es heißt, dass wir den Nachmittag nehmen sollen.“

Das Transparent wird im Herbst noch öfter zum Einsatz kommen.
Das Transparent wird im Herbst noch öfter zum Einsatz kommen. © Monika Müller

So ganz rund läuft es aber trotzdem nicht. Just in dem Moment, als Ferdinand Remppis das Mikrofon ergreift, um klarzumachen, um was es den rund 15 „Fridays“ und einigen Sympathisanten geht, fangen Baumaschinen auf dem Schulhof lautstark an zu rattern. Die meisten Schüler und Schülerinnen müssen außerdem nach 20 Minuten zum Ende der Pause wieder zurück in den Unterricht, die laute Musik muss ausgemacht werden. Schulleiter Björn Hamburger hat das angeordnet. Nur diejenigen, die keinen Unterricht haben, dürfen auf dem Schulhof bleiben, haben damit die Gelegenheit, mit den Aktivisten und Aktivistinnen zu diskutieren, warum sich in der Klimapolitik und an den Problemen der Welt in den vergangenen Jahren nichts geändert hat.

Fridays for Future wollen wieder mehr Menschen zum Protest bewegen

„Ich hätte die Fridays for Future heute gerne unterstützt, aber die Veranstaltung ist nicht angemeldet und ich muss mich an bestimmte Rahmenvorgaben und Regeln halten“, sagt der Schulleiter. Wäre die Aktion angemeldet worden, hätte man die Klimaproblematik in Projektstunden beleuchten können.

Den Aktivisten und Aktivistinnen geht es bei der Schulbesetzung um zweierlei: Zum einen wollen sie die Klimathematik wieder nach vorne bringen, wollen mit dieser neuen Form des Protests wieder an das Jahr 2019 anknüpfen, als beim ersten weltweit organisierten Klimastreik allein in Darmstadt 15 000 Menschen an der FFF-Demonstration teilnahmen. Gemeinsam mit den Gymnasiast:innen wird deshalb in Diskussionsforen auf dem Pausenhof erarbeitet, wie junge Menschen für den Klimaprotest wieder mobilisiert werden können.

Klimagerechtigkeit ist wichtige Forderung der jungen Aktivist:innen in Darmstadt

Zum anderen werben die Aktivisten und Aktivistinnen für Klimagerechtigkeit und einen radikalen Ausstieg aus fossilen Energien. Plakate, die an einer Wand des Pausenhofs aufgehängt sind, zeigen auf, dass die Länder und Menschen im globalen Süden am meisten von der Klimakrise betroffen sind, aber finanziell nicht in der Lage sind, darauf zu reagieren. „Das kommt aus der kolonialen Vergangenheit. Bis heute werden die Menschen im globalen Süden ausgebeutet“, sagt Marei Joachim.

An einer Wand auf dem Schulhof informieren die Aktivisten und Aktivistinnen über die Forderungen von „End Fossil: Occupy!“
An einer Wand auf dem Schulhof informieren die Aktivisten und Aktivistinnen über die Forderungen von „End Fossil: Occupy!“ © Monika Müller

Erste Schulbesetzung für das Klima wird als Erfolg gewertet

Im Nachgang sind die Fridays for Future mit der Schulbesetzung zufrieden. „Diese Aktionsform war für uns ein Experiment“, sagt Silas Bug. Man habe einige Schüler und Schülerinnen erreichen und einige für die Teilnahme an der globalen Klimastreik-Demo um 14 Uhr mobilisieren können.

Er kündigt noch mehr Besetzungen an. Um die Weltklimakonferenz herum werde es weitere Aktionen in Darmstadt geben. „Wir werden die Normalität stören, streiken, bis ihr handelt.“

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