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Die Soziologin Anna-Lisa Müller ist die erste Bewohnerin der neuen Schader-Residence in Darmstadt.
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Die Soziologin Anna-Lisa Müller ist die erste Bewohnerin der neuen Schader-Residence in Darmstadt.

Darmstadt

Darmstadt: Schader-Stiftung bietet Heimat auf Zeit für neue Ideen

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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Die Schader-Stiftung bietet erstmals ein Residence-Programm für Forschende, Kunstschaffende und Medienleute. Die erste Bewohnerin nimmt Darmstadt unter Pandemiebedingungen in den Blick.

In den Georg-Büchner-Platz vor dem Staatstheater hat sich Anna-Lisa Müller schon vor Jahren bei einer Forschungsarbeit in Darmstadt verliebt. Er sei ein faszinierender Ort, an dem sich verschiedene Personenkreise begegneten: „Diejenigen, die aus der Oper in Abendgarderobe kommen, und die, die davor verweilen, ohne das Theater zu besuchen.“ Es sei ein gegenseitiges Anerkennen, indem man den anderen wahrnehme.

Nun kann die Humangeografin und Soziologin aus dem niedersächsischen Verde, die als Privatdozentin an der Universität Heidelberg lehrt, drei Monate lang das Leben in Darmstadt erkunden. Sie ist die erste sogenannte „Fellow“ – also Bewohnerin der neuen Schader-Residence im ehemaligen Wohnhaus des Stifters Alois M. Schader und seiner Familie. Die Villa in Bessungen wird bereits seit einiger Zeit als Veranstaltungsort der Stiftung genutzt. Kamingespräche und Workshops finden hier statt. Unterkellert ist das Gebäude mit einer 300 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche, die pandemiebedingt derzeit leersteht. Zuvor wurde in der Schader-Galerie gemeinsam mit dem Hessischen Landesmuseum zeitgenössische Kunst ausgestellt.

Von außen wirkt die kastenförmige Villa mit den polierten schwarzen Granitwänden kühl und sachlich. Auch im Innern dominieren dunkle glänzende Flächen. Von den weitläufigen Räumen blickt man durch große Fenster direkt in den Garten, der zu weiten Teilen aus einer Wasserlandschaft besteht.

„Hier lässt es sich bei Vogelgezwitscher und Sonnenschein gut leben und arbeiten“, findet Müller, die am 15. April in die kürzlich eingerichtete Einliegerwohnung mit Küche, Bad, Wohn- und Schlafraum eingezogen ist. „Die Residence soll einen Ort bieten, in dem Wissenschaftlerinnen, Künstler oder Journalistinnen auf Zeit wohnen und eng mit der Stiftung zusammenarbeiten können“, sagt Stiftungsvorstand Alexander Gemeinhardt bei einem Besuch vor Ort.

Die STiftung

Seit 1988 fördert die Schader-Stiftung den Dialog zwischen Gesellschaftswissenschaften und Praxis. Mit der Residence soll der Austausch von Wissenschaft, Kunst und Journalismus gefördert werden, um gemeinsame Projekte zu erarbeiten und einen frischen Blick von außen zu ermöglichen.

Das Bundesverdienstkreuz am Bande hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dem Stifter Alois M. Schader im Januar 2021 verliehen. Wegen der Pandemie soll die Aushändigung im Juni in Darmstadt erfolgen. cka

Interessenten für die Fellowship in der Schader-Residence können sich ab sofort bewerben. Die Bürgerstiftung Darmstadt begleitet die Residence als Partnerin. Infos gibt es online unter www.schader-stiftung.de/residence.

Für Müller, Jahrgang 1981, bedeutet dies, dass sie neben ihrer Tätigkeit in Heidelberg, wohin sie einmal wöchentlich pendelt, nun auch am Stiftungsalltag teilnimmt. Sie ist bei Videokonferenzen dabei und trifft die Mitarbeitenden der Stiftung vor Ort. „In dieser Stiftung gibt es Raum zur Entfaltung neuer Ideen, die Gesellschaftswissenschaften betrachten die Stiftung als ihre Heimat“, sagt Müller. Indem sie hier für eine Zeit eine Heimat finde, bekämen auch ihre Ideen einen neuen, sie bereichernden Raum.

Konkret arbeitet sie gemeinsam mit der Stiftung an einem Forschungsprojekt. Unter dem Arbeitstitel „Kultur und Teilhabe nach Corona“ will sie untersuchen, wie sich das Leben in der Stadt pandemiebedingt verändert. Sie geht dafür auf Streifzüge durch Darmstadt.

Der Luisenplatz ist ihr dabei als besonders heterogenes Beispiel aufgefallen, wie sich das Zusammenleben verschiedener Gruppen darstellt: Da seien diejenigen, die laut seien, Alkohol konsumierten und rauchten; Schüler und Berufstätige kreuzten den Platz, Familien mit Kindern hielten sich dort auf. „Wenn man aus einer ländlichen Gegend kommt wie ich, dann ist dies eine andere großstädtische Erfahrung“, sagt sie.

Das „pulsierende Darmstadt“ erscheine ihr dabei im Vergleich zu Heidelberg als eine „weniger in Stein gegossene Altehrwürdigkeit“. Sie registriere positiv, dass sich hier etwas verändere, sagt sie etwa mit Blick auf Pop-up-Radwege, die sie als Radfahrerin auch erkundet. Sie wolle aber auch den Menschen „erst einmal zuhören“. Was die „heißen Themen“ in der Stadt seien, solle sie bei Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadtgesellschaft erfahren, so Gemeinhardt.

Mit Müller, die bereits mehrfach an Veranstaltungen der Stiftung teilnahm und auch für den Schader-Blog schrieb, soll das neue Format der Residence ausprobiert werden. Ziel sei die Verknüpfung der Fellows mit Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft in Darmstadt, so Gemeinhardt. Bisher gebe es im Rhein-Main-Gebiet wenige Residence-Angebote. Ab sofort könnten sich Interessenten bewerben. Gemeinhardt zeigte sich zuversichtlich, dass in diesem Jahr noch ein bis zwei Gäste aufgenommen werden könnten, eventuell sogar aus der US-Partnerstadt San Antonio in Texas.

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