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Das Gemälde „Templerschloss“ von Eugen Bracht.
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Das Gemälde „Templerschloss“ von Eugen Bracht.

Darmstadt

Darmstadt: Raubkunst-Gemälde wird nach Rückgabe in Berlin versteigert

  • Jens Joachim
    VonJens Joachim
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Das Institut Mathildenhöhe gibt das Ölbild „Templerschloss“ an die Nachkommen des Ehrensenators Karl Jacob Mayer zurück. Nun wird es auf einer Auktion verkauft.

„Historische Faszination in fantastischer Inszenierung“ lautet der Titel einer Beschreibung, mit der das Berliner Auktionshaus Grisebach ein Gemälde bewirbt, das der 1921 in Darmstadt gestorbene Landschaftsmaler Eugen Bracht 1915 angefertigt hat. Am Mittwoch, 9. Juni, soll das 1,22 mal 1,75 Meter große Ölgemälde versteigert werden. Dies geschehe „im ausdrücklichen Einvernehmen mit den Erben nach Karl Mayer“, teilt das Auktionshaus mit.

Raubkunst: Provenienzforschung am Institut Mathildenhöhe seit 2017

Dass es zu der Auktion kommt, ist vor allem der Recherche von Shammua-Maria Mohr zu verdanken, die seit vier Jahren am Institut Mathildenhöhe die Herkunft der Gemälde der Städtischen Kunstsammlung Darmstadt akribisch erforscht.

Die Stadt Darmstadt hat dieser Tage mitgeteilt, dass sie das großformatige Gemälde, das einen Ruinenkomplex in einer flachen Küstenregion zeigt, an die Nachkommen des Ehrensenators und Generalkonsuls Karl Jacob Mayer, der von 1894 bis 1976 lebte, zurückgegeben habe. Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) spricht von einer „schändlichen Entrechtung und Beraubung“.

Institut Mathildenhöhe Darmstadt hat Rückgabe des Gemäldes vorbereitet

Der Fall sei gründlich im Institut Mathildenhöhe aufgearbeitet und beurteilt worden. Die Restitution des Kunstwerks sei „nicht nur eine Selbstverständlichkeit“ angesichts des Unrechts, das Karl Jacob Mayer widerfahren sei. Die Rückgabe des Gemäldes erinnere erneut an die systematische Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Bürgerinnen und Bürger Darmstadts, „an deren Ende für viele die Ermordung stand“, so Partsch.

Im Zuge des vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekts „Erforschung der Provenienzen des Gemäldebestandes der Städtischen Kunstsammlung Darmstadt“ war das Werk „Templerschloss“ zunächst als Verdachtsfall identifiziert worden. Schließlich wurde das Gemälde als Raubkunstfall bestätigt. Auslöser für die genauere Untersuchung waren das Erwerbungsdatum 1936 sowie Informationen über den ehemaligen Besitzer Mayer.

Netzwerk Provenienzforschung unterstützt Recherchearbeit

Shammua-Maria Mohr berichtete nun der FR, sie habe mit Unterstützung weiterer Provenienzforscherinnen die Hintergründe des unrechtmäßigen Ankaufs aufarbeiten können. Zudem sei es gelungen, Mayers Erben ausfindig zu machen. Nach der 2015 erfolgten Rückgabe des Gemäldes „Frühlingssturm“ von Ludwig von Hofmann, das als Leihgabe weiter im Museum Künstlerkolonie gezeigt wird, ist das „Templerschloss“ der zweite Restitutionsfall der Darmstädter Kunstsammlung.

Der vielfältig gesellschaftlich und sozial engagierte Eisengroßhändler Karl Jacob Mayer war 1928 wegen seiner Verdienste um den Ausbau des Hochschulstadions zum Ehrensenator ernannt worden. Infolge der Weltwirtschaftskrise ging Mayers Unternehmen im Frühjahr 1933 in Konkurs. Für eine Reise nach Teheran verließ er Ende 1932 Darmstadt. Nach der Machtübernahme durch die Nazis kehrte er nicht wieder nach Deutschland zurück.

Stadt Darmstadt kaufte Gemälde von Eugen Bracht „deutlich unter Marktwert“

Schon Ende Februar 1933 erschienen diskreditierende und antisemitische Artikel über ihn. Es erfolgte der Ausschluss aus der Industrie- und Handelskammer sowie die Aberkennung des Ehrensenatortitels durch die Technische Hochschule Darmstadt. 2015 wurde Mayer rehabilitiert. Im Rahmen des in Mayers Abwesenheit abgewickelten Konkursverfahrens wurde 1936 auch seine Kunstsammlung versteigert.

Die Stadt Darmstadt kaufte auf dieser Versteigerung das Gemälde „Templerschloss“ von Eugen Bracht für 800 Reichsmark für die im Aufbau befindliche Städtische Kunstsammlung. Dies sei „deutlich unter Marktwert gewesen“, teilte die Stadt nun mit. Das Bild hat nach einer Schätzung des Auktionshauses inzwischen einen Wert zwischen 25 000 und 35 000 Euro.

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