Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

DA-Landgericht_101220
+
Justitia wacht über dem Eingang: Der Prozess gegen den Hausbesitzer muss vor einer anderen Kammer des Landgerichts Darmstadt verhandelt werden.

Justiz

Prozess um Haussprengung in Birkenau wird in Darmstadt neu aufgerollt

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
    schließen

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hebt ein Urteil des Landgerichts Darmstadt gegen den Besitzer eines Wohnhauses in Birkenau-Löhrbach teilweise auf. Die Revision hatte zum Teil Erfolg.

Der Prozess gegen einen Mann, der im März vorigen Jahres im südhessischen Birkenau-Löhrbach (Kreis Bergstraße) sein Wohnhaus gesprengt hatte und dafür vom Landgericht Darmstadt zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt worden war, muss neu verhandelt werden. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe in einem am Dienstag veröffentlichten Beschluss entschieden.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte nach dem Ende der Beweisaufnahme eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und drei Monaten für den damals 60-jährigen Angeklagten gefordert. Die Verteidigung hatte hingegen auf Freispruch plädiert. Gegen den Urteilsspruch des Landgerichts vom November 2019 legte die Verteidigung dann Revision ein. Das Rechtsmittel hatte nun teilweise Erfolg.

Aus Sicht des zuständigen zweiten Strafsenats des BGH hat das Darmstädter Landgericht in seinem Urteil nicht ausreichend geprüft, ob der Angeklagte wegen einer schweren narzisstischen Persönlichkeitsstörung mit paranoiden Anteilen überhaupt schuldfähig war. (Az.: 2 StR 159/20)

Eigenes Haus in Birkenau-Löhrbach mit Gas gesprengt

Der Mann hatte am Morgen des 22. März 2019 sein eigenes Wohnhaus mithilfe von Propangasflaschen gesprengt. Bei der Explosion war das Gebäude in Schutt und Asche gelegt worden. Verletzt worden war damals bei der Detonation niemand.

Durch die Detonation waren nach Angaben der Polizei Gebäudeteile bis zu 30 Meter hoch und 50 Meter weit durch die Luft geschleudert worden. Insgesamt entstand ein Schaden von mehreren Hunderttausend Euro. Die umherfliegenden Trümmerteile beschädigten auch benachbarte Gebäude. Der hoch verschuldete Angeklagte hatte sein Haus vor der an jenem Tag geplanten Zwangsversteigerung zerstören wollen, hatte das Darmstädter Gericht geurteilt.

BGH in Karlsruhe: Beweiswürdigung „nicht zu beanstanden“

Die Karlsruher Richter äußerten nun in ihrem Beschluss, dass die Würdigung der Beweise durch das Landgericht sowohl in Bezug auf das Tatgeschehen wie zur Täterschaft des Angeklagten „rechtlich nicht zu beanstanden“ sei. Ebenso wie die Staatsanwaltschaft war auch das Gericht von einer geplanten Sprengung durch den Angeklagten ausgegangen.

Ein Gutachter habe die Tat als „vollständige, perfekte Explosion“ beschrieben, hatte seinerzeit der Vorsitzende Richter Mathis Dreher in der Urteilsbegründung gesagt. Er erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass im Haus zwölf Propangasflaschen verteilt, in zwei Räumen Benzin ausgeschüttet worden und in den Trümmern eine Zündvorrichtung mit DNA-Spuren des Angeklagten gefunden worden seien.

Haus-Explosion in Birkenau: Prozess wird neu aufgerollt

Das Landgericht bewertete die Tat als vorsätzliche Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und nahm an, dass der Angeklagte den Tatablauf perfektionistisch gesteuert und ein analytisches und rationales Verhalten gezeigt habe. Eine Schuldfähigkeit oder eine erhebliche Verminderung des Hemmungsvermögens des Angeklagten bei der Begehung der Tat schloss das Gericht mit Verweis auf die Ausführungen eines Sachverständigen aus.

In der Urteilsbegründung fasste das Gericht dann die Ausführungen des Sachverständigen knapp zusammen und fügte dann nur noch den Satz hinzu, dass sich die Kammer „in jeder Hinsicht den überzeugenden und nachvollziehbaren Ausführungen des Sachverständigen“ angeschlossen habe. „Das genügt hier nicht“, monierten nun die Karlsruher Richter. (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare