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Vor zwei Jahren war es im Gerichtssaal zu einem Eklat gekommen, nachdem sich Frauenrechtlerinnen Protest-T-Shirts übergezogen und skandiert hatten „Der Mörder ist bekannt“, „Frauenmorde sind politisch“ sowie „Nein heißt nein!“.

Prozess in Darmstadt

Es war doch Mord: Frau aus Frankfurt erwürgt - Ex-Geliebter zu lebenslanger Haft verurteilt

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Die Leiche einer 47-jährigen Frankfurterin wird 2017 in einem Wald bei Münster gefunden. 2018 wird ihr früherer Liebhaber wegen Totschlags zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt. Im Revisionsprozess ist der 54-Jährige nun vom Landgericht Darmstadt wegen Mordes aus Eifersucht verurteilt worden.

  • Frau aus Frankfurt wird im August 2017 erwürgt und ihr Leichnam in einem Vogelschutzgebiet bei Münster im Kreis Darmstadt-Dieburg gefunden
  • Bundesgerichtshof in Karlsruhe hebt Urteil wegen Totschlags gegen einen inzwischen 54-Jährigen aus Breuberg im Odenwald auf
  • Angeklagter zieht erst ein früheres Geständnis zurück, um die Tötung dann abermals zu gestehen

Update vom Mittwoch, 20.05.2020, 17:30 Uhr: Wegen Mordes aus Eifersucht ist  ein  54-Jähriger in Darmstadt zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Der Angeklagte hatte am Mittwoch vor dem Landgericht gestanden, sein 47 Jahre altes Opfer im August 2017 erwürgt zu haben.

Der Mann hatte mit der Frau seit drei Monaten eine intime Beziehung, sie lebte getrennt von ihrem Ehemann, der Angeklagte hatte Ehefrau und fünf Kinder. Den Leichnam der Frau brachte der Mann aus Breuberg im Odenwald in ein Waldgebiet bei Münster (Landkreis Darmstadt-Dieburg), wo er nach zwölf Tagen entdeckt wurde. Der Angeklagte wurde im Elsass festgenommen.

Gericht folgt den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Nebenklage

Mit dem Urteil folgte die 16. Strafkammer des Landgerichts Staatsanwaltschaft und Nebenklage, die für Mord aus Eifersucht und damit niedrigem Beweggrund lebenslange Haft für den Mann mit deutscher und türkischer Staatsbürgerschaft gefordert hatten. Der Angeklagte habe mit einer Spionage-App festgestellt, dass sein späteres Opfer nachts online war und sich in die Vorstellung hineingesteigert, sie chatte mit anderen Männern.

Die Verteidiger hatten die Tat als Totschlag gesehen und auf eine zeitige Freiheitsstrafe plädiert, ohne ein Strafmaß zu nennen. Der Angeklagte sei labil und verzweifelt gewesen, da seine Geliebte angekündigt habe, zu ihrem Mann zurückzukehren.

Richter Euler: „Da spielten Eifersucht und Wut eine Rolle“

„Da spielten Eifersucht und Wut eine Rolle“, sagte der Vorsitzende Richter Marc Euler in seiner Urteilsbegründung. „Diese Tötung hatte einzig und allein das Ziel, der Frau das Leben aus völlig nichtigen Gründen zu rauben.“

Der Prozess war eine Neuauflage eines Verfahrens von 2018. Damals hatte das Landgericht den Angeklagten wegen Totschlags zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hob jedoch das Urteil im November 2019 auf, damit geprüft wird, ob es sich nicht doch um Mord handelte.

Geliebte getötet: Prozess um Totschlagsurteil vor dem Abschluss 

Update vom Donnerstag, 14.05.2020, 14:30 Uhr: Ein Revisionsprozess vor dem Landgericht Darmstadt um den gewaltsamen Tod einer Frau aus Eifersucht steht vor dem Abschluss. Am Donnerstag, 14. Mai, schloss das Gericht die Beweisaufnahme in dem Verfahren, am kommenden Mittwoch, 20. Mai, sollen die Plädoyers gehalten werden.

Der 54 Jahre alte Angeklagte mit deutscher und türkischer Staatsbürgerschaft soll im Sommer 2017 seine 47 Jahre alte Freundin nach einem Streit aus Eifersucht getötet haben. Laut Anklage hat der 54-Jährige die Frau, die die Beziehung beenden wollte, vor ihrer Frankfurter Wohnung abgepasst und mit einem Medikament widerstandsunfähig gemacht. Er soll Sex mit ihr gehabt und sie anschließend getötet haben.

Der Prozess ist eine Neuauflage eines Verfahrens von 2018. Vor zwei Jahren hatte das Landgericht den damals geständigen Angeklagten wegen Totschlags zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hob das Urteil im November auf. Die jetzt für den Fall zuständige Kammer soll prüfen, ob die Tat nicht doch Mord war. Die Schwester der Getöteten hatte als Nebenklägerin erfolgreich Revision eingelegt.

Frauenleiche bei Münster: Angeklagter zieht Geständnis zurück

Update vom Mittwoch, 06.05.2020, 16:26 Uhr:  Ein wegen Totschlags seiner Geliebten zu zwölf Jahren Haft verurteilter 54-Jähriger aus Breuberg (Odenwaldkreis) hat am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht Darmstadt sein Geständnis widerrufen.

„Ich wurde von der PKK bedroht und wollte meine Familie schützen“, verlas die Verteidigung. Deshalb habe er beim Prozess 2018 die Tat gestanden. „Ich habe Frau G. nicht getötet“, behauptete der Mann jetzt. Sein Verteidiger sagte, dass er selbst ebenfalls Drohungen gegen sich und seine Familie erhalten habe und im Gericht körperlich attackiert worden sei.

Leichnam der Frau aus Frankfurt wurde bei Münster gefunden

Im August 2017 war die 47-Jährige Frankfurterin kurdischer Abstammung tot im Wald bei Münster (Landkreis Darmstadt-Dieburg) gefunden worden. Die dreifache Mutter, die getrennt von ihrem Ehemann lebte, soll mit dem heute 54-Jährigen eine intime Beziehung geführt haben. Aus Eifersucht soll der fünffache Familienvater sie vor ihrer Wohnung in Frankfurt-Bockenheim abgepasst und mit einem Auto zu einem Rastplatz gebracht haben. Er soll sie mit Medikamenten gefügig gemacht, sich an ihr sexuell vergangen und sie schließlich erwürgt haben.

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hatte das Urteil des Landgerichts Darmstadt auf Revision einer Nebenklägerin kassiert, weil nach seiner Auffassung auch eine Verurteilung wegen Mordes in Betracht komme.

Zeuge: „Sie war eine politische Frau“

Am zweiten Prozesstag ging es darum, welche Beziehung G. zu einem 44-jährigen Gastronom und früheren Vorsitzenden eines kurdischen Kulturvereins in Frankfurt hatte. „Sie war eine politische Frau“, sagte dieser. Die Frage, ob er einen früheren Insassen der JVA Weiterstadt dazu angestiftet habe, Druck auf den Angeklagten auszuüben, verneinte er. Allerdings betonte der Frankfurter Gastwirt, es sei schade, dass er nicht gewusst habe, dass G. mit diesem Mann, ein Verhältnis hatte. „Dann hätte ich gesagt, dass sie aufpassen soll, dass der Mann krank ist mit Frauen.“ Der Angeklagte habe mehrere Frauen aus der kurdischen Gemeinde angesprochen, so der Gastwirt. Er hätte ihn wegen einer solchen Geschichte auch aus dem Verein verwiesen. Er selbst habe die Getötete bei einer kurdischen Demo kennengelernt und sporadisch mit ihr Kontakt gehabt.

Auch ein ehemaliger Nachbar der Getöteten, ein 54-jähriger IT-Spezialist aus Karlsruhe, bestätigte, dass G. „politisch interessiert“ war. Sie habe ihre Verwandten verloren. Laut Verteidiger wurden ihre Brüder vom türkischen Militär umgebracht, weil sie der Arbeiterpartei Kurdistans  (PKK) angehörten. Die PKK ist eine kurdische Untergrundorganisation und in Deutschland verboten.

Angeklagter aus Breuberg fühlte sich betrogen

Weniger genau erinnern konnte sich ein 42-jähriger Trockenbauer aus Hainburg, der mit dem Angeklagten geschäftlich zu tun hatte. Diesem soll der Angeklagte laut Prozessunterlagen berichtet haben, dass seine Freundin ihn betrüge, und ihm Chatverläufe gezeigt haben. An solche Details konnte sich der Zeuge nun nicht mehr erinnern. Allerdings räumte er ein, dass der Angeklagte damals „vielleicht nicht in optimaler psychischer Verfassung“ gewesen sei. Er selbst habe ihn nicht so gut gekannt und sich gewundert, warum er ihm von den Problemen mit seiner Freundin erzähle.

Prozess um getötete Geliebte wird in Darmstadt neu aufgerollt

Erstmeldung vom Mittwoch, 29.04.20 16:31 Uhr: Nach der mutmaßlichen Tötung seiner früheren Geliebten wird seit Mittwoch, 29. April, einem 54 Jahre alten Mann abermals vor dem Landgericht Darmstadt der Prozess gemacht. Ende August 2018 war der Mann wegen Totschlags bereits zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Die 11. Strafkammer des Darmstädter Landgerichts sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte, der zuletzt in Breuberg im Odenwald wohnte, im August 2017 eine 47-jährige Frau erwürgt hat.

Bei dem Prozess vor zwei Jahren war es auch zu einem Eklat im Gerichtssaal gekommen, nachdem sich Frauenrechtlerinnen Protest-T-Shirts übergezogen und skandiert hatten „Der Mörder ist bekannt“, „Frauenmorde sind politisch“ sowie „Nein heißt nein!“.

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hatte jedoch auf die Revision einer Nebenklägerin das Urteil kassiert und angeordnet, den Fall neu zu verhandeln. Nach Auffassung des BGH kommt in dem Fall auch eine Verurteilung wegen Mordes in Betracht. Die Schwester der Getöteten war die Nebenklägerin, die erfolgreich die Revision eingelegt hatte. Sie und ihre Anwältin hatten damals die Tat als Mord aus Eifersucht bewertet.

Das zweite Verfahren gegen den Mann, findet nun vor der 16. Strafkammer des Darmstädter Landgerichts unter dem Vorsitz von Richter Marc Euler statt.

Prozess in Darmstadt: Abermals Anklage wegen Totschlags

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat den Mann wieder wegen Totschlags und nicht wegen Mordes angeklagt. Oberstaatsanwalt Robert Hartmann, der auch Sprecher der Anklagebehörde ist, verlas am Mittwochmorgen zum Auftakt des Prozesses die Anklageschrift. Er warf dem Angeklagten vor, die 47-Jährige, mit der er eine Beziehung geführt haben soll, am Vormittag des 20. August 2017 vor ihrer Wohnung in Frankfurt abgepasst zu haben. Mit seinem Wagen soll er sie dann zu einem Rastplatz in der Nähe von Weibersbrunn-Rohrbrunn gebracht haben.

Zwischenzeitlich soll der Angeklagte sein späteres Opfer durch die Verabreichung eines Medikaments, das psychotischen Symptomen entgegenwirkt, widerstandsunfähig gemacht haben. Als er von einer Spaziergängerin gestört worden sei, sei er mit der Frau 45 Kilometer weiter auf einen Parkplatz in der Nähe von Rodgau gefahren, wo es zum Geschlechtsverkehr gekommen sei.

Leiche der Frau aus Frankfurt wurde bei Münster gefunden 

Anschließend habe der Angeklagte die Frau aus Eifersucht durch scharfe Gewalt gegen den Hals- und Kopfbereich umgebracht. Den Leichnam der Frau soll der 54-Jährige dann an einem Waldweg in einem Vogelschutzgebiet bei Münster im Kreis Darmstadt-Dieburg abgelegt und mit Pflanzenteilen bedeckt haben.

Nach der Tat habe sich der Angeklagte dann nach Frankreich abgesetzt, wo er schließlich knapp eine Woche später in Houssen bei Colmar im Elsass festgenommen und auf Betreiben der zunächst mit dem Ermittlungsverfahren betrauten Staatsanwaltschaft Frankfurt ausgeliefert wurde. Aufgrund der örtlichen Zuständigkeit übernahm später die Staatsanwaltschaft Darmstadt die Ermittlungen.

Der Rechtsanwalt des Angeklagten kündigte für die nächste Sitzung eine Stellungnahme seines Mandanten an, der zum Prozessauftakt weder Angaben zur Person noch zur Sache machte. Das Gericht hat bis Anfang Juli acht weitere Verhandlungstermine angesetzt.

(mit dpa)

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