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Vergangenheit trifft Gegenwart: Der Ausflug mit der 100 Jahre alten Lok ist ein Erlebnis für Eisenbahnfreunde.

Dampfstraßenbahn „Feuriger Elias“

Zugfahrt wie zu Omas Zeiten im Raum Darmstadt

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Die Dampfstraßenbahn „Feuriger Elias“ fährt an Sonntagen und an Fronleichnam zwischen Eberstadt und Alsbach.

Kein Weg ist Horst Schleißmann zu weit, wenn es um seine Dampflok geht: Der Lokführer ist eigens von den Philippinen angereist, um am Pfingstsonntag die erste Fahrt der Dampfstraßenbahn „Feuriger Elias“ zu steuern. „Ich bin auf die Philippinen ausgewandert, aber für die Fahrten komme ich gern zurück“, sagt der 68-Jährige.

Bei Sonnenschein startete am Sonntag die Ausflugssaison für die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Historische HEAG-Fahrzeuge. Fast vollbesetzt ging es wie gewohnt vom Eberstädter Straßenbahndepot nach Alsbach und zurück. Die Zugfahrt lässt erahnen, wie einst gereist wurde: Es dampft, zischt, ruckelt und rattert. Eher beschaulich scheint die Landschaft an den Reisenden vorüberzuziehen. Die Dampfstraßenbahn ist natürlich ein Hingucker: Passanten zücken ihre Smartphones, um ein Bild zu machen, Eltern mit Kindern winken vom Straßenrand den Passagieren zu.

Die Dampfstraßenbahn verkehrt noch am 16., 20., 23. und 30. Juni zwischen Darmstadt-Eberstadt und Alsbach.

Abfahrtszeiten sind an der Station Frankenstein, Seeheimer Straße 70 in Darmstadt jeweils um 11.10, 13.10, 15.10 und 17.10 Uhr, an der Station Am Hinkelstein in Alsbach um 11.45, 13.45, 15.45 und 17.45 Uhr.

Eine Fahrt kostet 4,50 Euro, Kinder zahlen zwei Euro. Ein Familienticket kostet neun Euro. som

Rüdiger Loos und Gerald Toran sind als Schaffner in der Straßenbahn unterwegs, selbst die Fahrkarten wecken nostalgische Erinnerungen: Sie wurden eigens im Kranichsteiner Eisenbahnmuseum gedruckt. „Die häufigste Frage ist, welches Baujahr unsere Dampflok hat“, sagt Toran. Mit einem Lächeln können beide dann sagen, dass die Lok, die auf den schlichen Namen „Nummer Sieben“ hört, vor genau 100 Jahren in der Lokomotivfabrik von Henschel und Sohn in Kassel gebaut wurde - das damals noch „Cassel“ geschrieben wurde, wie die metallenen Schilder an der Lokomotive beweisen.

„Die Lok ist nur so gut wie das Personal, das sich um sie kümmert“, weiß Schleißmann. Gemeinsam mit Heizer Armin Schmitt teilt er sich das Führerhaus der 19,5 Tonnen schweren Lok. Viel Platz haben beide nicht, wenn Schmitt Kohlen nachschippt. Knapp 600 Kilo Kohlen und sechs Kubikmeter Wasser verbraucht die Lok während der vier Touren am Tag.

Fast 25 Ehrenamtliche des 70 Mitglieder umfassenden Vereins kümmern sich um die Straßenbahnfahrten in historischen Fahrzeugen. Seit sechs Uhr morgens sind die Ehrenamtlichen des Vereins im Straßenbahndepot zugange, damit die Fahrten den Tag über reibungslos gelingen. Einer von ihnen ist Marcel Volz. Der 28-Jährige ist seit 14 Jahren Mitglied im Verein und hat sogar eine Heizerprüfung abgelegt. „Ich habe früher gegenüber der Bahnstrecke gewohnt - Eisenbahnen haben mich schon immer fasziniert“, sagt er. Zur ersten Fahrt der Saison packt er überall dort an, wo Hilfe gebraucht wird, ob beim Ankuppeln der vier Wagen oder bei der Wartung der Lokomotive.

Jüngere Mitglieder wie Volz bräuchte der Verein weitere, sagt ARGE-Chef Volker Feick. „Man muss nicht unbedingt wissen, wie eine Lok zusammengesetzt wird: Wir brauchen auch Helfer beim Kiosk, beim Kartenverkauf oder bei der Pflege des Rasens an unserer Haltestelle“, sagt er. Und wenn sich Neumitglieder doch an die Pflege der historischen Loks herantrauen, so würden ihnen die erfahrenen Mitglieder mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.historische-heag-fahrzeuge.de.

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