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Auch nach ihm ist eine Straße in Darmstadt benannt: Paul von Hindenburg.

Darmstadt

Weitere Anwohner gegen Umbenennung von Straßen in Darmstadt

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Idee von Anwohnern: Grundstraße und Kuhnweg könnten durch andere Bedeutung Nazi-frei werden. Der OB will alle Vorschläge prüfen.

Als „pfiffige Idee“ hat Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) das Ansinnen von Anwohnern der Grundstraße im Stadtteil Kranichstein bezeichnet, den Straßennamen zu belassen und nur eine neue Bedeutung zu suchen. Dafür hatten sie vor eineinhalb Wochen dem Stadtoberhaupt 549 Unterschriften überreicht.

Man wolle alle Vorschläge genau anschauen, sagte OB Partsch jetzt der Frankfurter Rundschau. Wenn der Name Grundstraße beibehalten werde, habe man natürlich keinen Aufwand. „Es gibt aber auch viele Vorschläge für Umbenennung, die wir bisher nicht realisieren konnten“, so Partsch. Zudem gehe es bei der geplanten Umbenennung von acht Straßen, unter anderem der Hindenburgstraße, darum, sich mit der Mitwirkung ihrer Namensgeber im Nazi-Regime auseinanderzusetzen. Dass die Vergangenheit des Darmstädter Architekten Peter Grund als NSDAP-Referent den Anwohnern nicht bekannt ist, zeigt laut OB, wie notwendig die Auseinandersetzung mit dem Thema sei. Indes schlagen Anwohner des Kuhnwegs im Stadtteil Arheilgen in die gleiche Kerbe und fordern die Beibehaltung des Namens. Anwohner Reinhard Schäfer sagte der FR: „Ich stelle die Notwendigkeit einer Umbenennung in Frage.“ Wer wisse schon um die Nazi-Vergangenheit von Richard Kuhn, nach dem der Weg heißt? Der Heidelberger Chemiker hatte an der Entwicklung von Nervengas mitgewirkt. „Wir wollen nicht das Dritte Reich glorifizieren“, so Schäfer, „aber es gibt noch andere Kuhns“. Den Vorschlag, den Namen beizubehalten, um Geld zu sparen und Aufwand zu vermeiden, hat er schriftlich an die Stadt gerichtet.

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Anwohner in Darmstadt gegen Umbenennung der Grundstraße

Wenn es unbedingt ein Chemiker sein müsse – der Kuhnweg liegt in der Nähe des Unternehmens Merck – könne der Weg nach dem Schweizer Hans Kuhn (1919-2012) heißen, der sich in der Molekularchemie verdient gemacht habe. Oder nach Werner Kuhn (1899-1963), ebenfalls Schweizer, der eine neue Theorie des Erdinneren lieferte, wie Schäfer recherchiert hat.

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