Petra Lang , die Sopranistin tritt seit Jahren auch bei den Bayreuther Festspielen auf. Ann Weitz

Darmstadt

Weiter Unruhe an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt

Nach der Kündigung der Sopranistin Petra Lang als Dozentin richtet sich die Kritik von Studierenden nun gegen Cord Meijering, den Direktor der städtischen Einrichtung.

Der Protest von Studierenden der Akademie für Tonkunst gegen die Kündigung der von ihnen geschätzten Dozentin, der Mezzosopranistin Petra Lang, wird nun auch ein Fall für die Darmstädter Kommunalpolitik. Zunehmend in die Kritik gerät auch der Direktor der städtischen Einrichtung, der niederländische Dirigent Cord Meijering.

Inzwischen sind auch die Mitglieder des städtischen Kulturausschusses von den Studierenden über die derzeitige Situation an der Berufsakademie, die ihren Sitz an der Ludwigshöhstraße im südlichen Teil des Darmstädter Stadtteils Bessungen hat, informiert worden. Oberbürgermeister und Kulturdezernent Jochen Partsch (Grüne) berichtete der FR von einer „sehr sachlichen Diskussion“ mit den Studierenden.

Kündigung von Petra Lang: Dirigent Christian Thielemann unterstützt Petition

Eine Petition, die sich für die Rücknahme der Kündigung Langs zum Ende ihrer Probezeit zum 31. Januar einsetzt, wird inzwischen von mehr als 550 Menschen unterstützt. Zu den Unterzeichnern der Petition zählt auch Christian Thielemann, der international tätige und renommierte Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden.

Der städtische Kulturausschuss sollte eigentlich während seiner jüngsten Sitzung einer bereits Anfang Dezember vom Magistrat beschlossenen Neufassung einer Betriebsordnung für die Musikakademie zustimmen. Eigentlich ein Formalie. Doch dazu kam es nicht, weil die Studierenden auf Fehler hinwiesen und OB Partsch daraufhin die Vorlage wieder zurückzog.

Die prominente Mezzosopranistin Lang, die seit mehreren Jahren bei den Bayreuther Festspielen auftritt, hatte seit September an der Akademie, an der sie einst als Sängerin ausgebildet wurde, eine Dozentur für das Hauptfach Gesang und Klang-Entspannung inne. So bot die gefeierte Wagner-Interpretin auch eine „Klang-Reise mit Klangschalen und Gongs“ als Praxis-Seminar an. Nach der Kündigung, die nicht begründet werden musste, endete am Freitag ihre Anstellung. In den vergangenen Tagen hatten Schülerinnen und Schüler ihrer Gesangsklasse auch laut singend im Treppenhaus der Akademie protestiert. Die Studierenden kritisieren auch, dass in der neuen Betriebsordnung für die Akademie ihre Mitwirkungsrechte eingeschränkt werden sollen.

Akademie für Tonkunst: Studentin erhält nachts Chatnachricht vom Direktor

Laut Oberbürgermeister Partsch hat Akademiedirektor Meijering Lang zum Ende der Probezeit „aus Sorge um die Situation“ in der entsprechenden Abteilung gekündigt. Aus rechtlichen Gründen wolle er jedoch keine weiteren Auskünfte geben. Es gebe jedoch „Gründe, die nicht in der künstlerischen Reputation“ lägen. Der Personalrat und die Frauenbeauftragte hätten der Kündigung auch nicht widersprochen.

Demnächst wird sich auch das Kuratorium der Einrichtung mit den Vorgängen an der Akademie beschäftigen. Den Mitgliedern des Gremiums liegt nach FR-Informationen auch ein Chatverlauf vor, aus dem hervorgeht, dass sich Meijering auch in den Nachtstunden an Studierendenvertreterin Darja Goldberg gewandt hat, um ein klärendes Gespräch zu vereinbaren. Diese Art der Kontaktaufnahme, schreibt die Studentin, sei „einer offenen, vertrauenswürdigen und vor allem seriösen Kommunikationskultur nicht zuträglich“.

Meijering reagierte zunächst nicht auf Anfragen der FR, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Am späten Freitagabend teilte er dann mit, er würde „natürlich gerne“ Fragen zur aktuellen Situation an der Akademie für Tonkunst beantworten. Aber es gebe Regeln, die eingehalten werden müssten. Weil die Akademie ein Kulturinstitut der Stadt ist, bat der Akademiedirektor darum, Fragen an die städtische Pressestelle zu richten. „Auf diesem Wege wird es eine gute Kommunikation geben, wenn wir das alle wollen“, so Meijering.

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