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Verkehrsgipfel in Darmstadt: ÖPNV soll ausgebaut werden

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Straßenbahn nach Groß-Zimmern und Prüfung einer Seilbahn: Die Stadt Darmstadt und der Landkreis Darmstadt-Dieburg legen einen Plan für die Verkehrswende vor.

Wer morgens mit dem Auto nach Darmstadt rein will, braucht Geduld und starke Nerven. Gleichzeitig sind Busse und Bahnen voll. Am Nachmittag rollt die Lawine dann wieder stadtauswärts. Während die CDU kürzlich die Idee einer Nord-Ost-Umfahrung ins Spiel gebracht hat, haben sich die Stadt und der Landkreis Darmstadt-Dieburg im Auftrag der Dadina (Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation) zum ersten Mal zu einem „Verkehrsgipfel“ getroffen. Herausgekommen ist ein gemeinsamer Leitfaden für den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV). Dessen Stärkung „ist der wichtigste Punkt für die Verkehrswende“, sagte Oberbürgermeister Jochen Partsch am Dienstag bei der Präsentation der Ergebnisse.

Die Planung reicht dabei von kurzfristigen Projekten wie der Untersuchung einer Seilbahn in den Landkreis und dem Kauf des Darmstädter Nordbahnhofs bis hin zu Visionen eines südöstlichen S-Bahn-Rings im Rhein-Main-Gebiet. Der Schwerpunkt des Papiers liegt auf der Schiene, weil die Darmstädter Innenstadt am Rande ihrer Aufnahmefähigkeit für Busse ist und Straßenbahn und Eisenbahn umweltfreundlich seien.

Vorgesehen ist deshalb vor allem der Ausbau des Schienennetzes und die Taktverdichtung bestehender Routen. Aber auch ein ergänzender On-Demand-Shuttle-Service mit 75 Elektro-Vans soll ab 2021 fahren. Eine Förderung von drei Millionen Euro hat der Bund zugesagt. Als „wichtigstes Ergebnis“ sehen Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD), Oberbürgermeister Partsch und Erster Kreisbeigeordneter Robert Ahrnt (beide Grüne) die Weichenstellung für die Straßenbahn nach Groß-Zimmern an: „Wir haben uns darauf verständigt, dieses Projekt zusammen mit der Heag Mobilo voranzutreiben, da es eine realistische Perspektive bietet und in absehbarer Zeit umgesetzt werden kann.“ Auch Straßenbahnen nach Weiterstadt und Wixhausen sowie eine Verlängerung nach Griesheim-West/Riedstadt sollen geprüft werden.

Die Akteure

Die Dadinaist ein Zweckverband von Landkreises Darmstadt-Dieburg und Stadt Darmstadt, der den ÖPNV organisiert.

Im RMVverantworten außer Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg weitere hessische Kommunen sowie das Land als Gesellschafter den regionalen Verkehr. cka

Infos:www.dadina.de

Für die Planung und Umsetzung neuer Straßenbahnlinien wollen Stadt, Landkreis und das Verkehrsunternehmen Heag Mobilo im kommenden Jahr eine eigene Gesellschaft gründen. Laut Partsch will die Stadt hier zwei Millionen Euro an Planungsmitteln stellen. Allein für die Planung der Straßenbahn nach Groß-Zimmern würden jährlich 1,4 Millionen Euro, für die Planung einer Bahn nach Wixhausen einmalig 600 000 Euro veranschlagt. „Wir nehmen jetzt die Planungskosten in die Hand, damit wir gleich loslegen können, wenn die Finanzierung kommt“, sagte Ahrnt. Dabei liegt die Hoffnung auf einer Erleichterung bei der Berechnung des Kosten-Nutzen-Faktors für die Finanzierung von Schienenprojekten durch Bund und Land. Partsch zeigte sich zuversichtlich, dass es entsprechende Änderungen geben werde.

Auf dem Verkehrsgipfel stellte der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) auch den aktuellen Stand der Gutachten zum Ausbau der Odenwaldbahn und der Dreieichbahn vor. So sollen bei der Odenwaldbahn für längere Züge mit größerer Kapazität die Bahnsteige verlängert werden, bei der Dreieichbahn soll ein zusätzlicher Kreuzungsbahnhof in Eppertshausen einen Halbstundentakt bis Dieburg ermöglichen. Auch auf die Anbindung des Darmstädter Hauptbahnhofs an die ICE-Neubaustrecke Mannheim–Frankfurt will man dringen. Das sei „unabdingbar“ für eine Verbesserung des regionalen Schienenverkehrs, so Ahrnt.

Da der Verkehrsgipfel kein formales Beschlussorgan ist, müssen alle Vorhaben noch in den jeweiligen politischen Gremien und Organisationen, etwa der Deutschen Bahn oder dem RMV, eingebracht werden. Auch die Öffentlichkeit soll über konkrete Vorhaben informiert werden. Mit dem Maßnahmenpaket habe man „eine höhere Form der Verbindlichkeit bekommen“, sagte Roßdorfs Bürgermeisterin Christel Sprößler (SPD). Zur Umsetzung werde man weitere Gespräche führen, um die Projekte voranzubringen, ließ Landrat Schellhaas wissen.

Weitere Verkehrsgipfel zu anderen Schwerpunkten, etwa Radverkehr, sind für 2020 geplant.

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