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Neue digitale Umweltsensoren messen in Darmstadt die Belastung der Luft mit Schadstoffen. Hier ein Messpunkt in der Kasinostraße.

Darmstadt

Darmstadt: Luftbelastung wird jetzt flächendeckend  gemessen

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Die Digitalstadt hat ein neues flächendeckendes Umweltsensorennetz aufgebaut. Die Ergebnisse sollen für moderne Verkehrskonzepte genutzt werden.

Sie sehen aus wie elektrische Fliegenfänger mit Lamellen und sind seit kurzem an Ampelmasten, Straßenschildern oder Laternenpfählen in Darmstadt zu finden: „Hochmoderne Sensoren“, teilt die Stadt mit, die zur Messung der Luftbelastung durch den motorisierten Verkehr eingesetzt werden. Es handele sich dabei um eine „neue, digitale Luftmesstechnik“, die im gesamten Stadtgebiet flächendeckend Daten zur Luftqualität erheben soll.

Daten für intelligente Mobilitätskonzepte

Die Daten dieses Umweltsensorennetzes sollen künftig in Planungs- und Entscheidungsprozesse einfließen, um intelligente Mobilitätskonzepte zu realisieren. Das teilte die „Digitalstadt Darmstadt Gesellschaft“ mit. Ziel sei, die Emission von Stickoxiden, CO2 und weiteren Treibhausgasen zu reduzieren und die Luftbelastung möglichst gering zu halten. Die Sensoren erfassen nicht nur Schadstoffe und Feinstaub, sondern auch Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Temperatur, teilte Digitalstadt-Sprecherin Sabine Kluge auf FR-Anfrage mit. Derzeit befinde sich das Projekt noch in einer Testphase. Zur Anwendung kämen die Daten voraussichtlich 2020/21.

Höchste Belastung

Der hessenweit höchste Messwert an Stickstoffdioxiden ist 2019 in Darmstadt in der Hügelstraße mit 55 Mikrogramm erhoben worden. Im Vorjahr lag der Wert laut Umweltministerium bei 67 Mikrogramm.

Der Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft wurde alleine in Frankfurt 2019 an sechs Messstellen überschritten.

In Darmstadt gilt bereits an zwei Hauptverkehrsadern (Heinrich- und Hügelstraße) ein Dieselfahrverbot. Es ist das bisher einzige im Land. 

Im einminütigen Intervall soll das System die Messwerte an den städtischen Verkehrsrechner senden. Dessen Algorithmen verarbeiten sie weiter, woraus neue Verkehrssteuerungskonzepte entstehen können.

OB Partsch: Staus reduzieren 

 „Durch die ausgewerteten Messergebnisse und die daran angepassten Verkehrssteuerungskonzepte sollen die Bürgerinnen und Bürger sowie Pendler und Pendlerinnen bald schon feststellen, dass Verkehrsflüsse im Stadtgebiet langfristig optimiert und somit Staus reduziert werden können“, so Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne). Es sei ein „Meilenstein auf dem Weg zum digitalen Vorreiter für moderne und nachhaltige Mobilitätskonzepte“.

Auch für Klimaforscher interessant

Die Daten könnten helfen, Maßnahmen zur Reduzierung der Stickstoffdioxid-Belastung besser zu evaluieren, wie Umweltdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne) verlauten ließ. Digitalstadt-Geschäftsführer José David da Torre Suárez sieht zudem Anwendungsmöglichkeiten für Klimaforscher. Diese könnten wichtige Erkenntnisse über die Zusammenhänge von Verkehr und klimatischen Bedingungen erhalten. Nach einer Erprobungsphase sollen die Daten auf einer Datenplattform öffentlich zugänglich gemacht werden.

Laternen zählen Autos und Fußgänger

Umgesetzt wird das Digitalstadt-Projekt gemeinsam mit Verkehrsdezernat und Umweltamt, gestützt durch das Förderprogramm „Saubere Luft“. Installiert wurden die 16 neuen Messgeräte vom Berliner Unternehmen Urban Lighting Innovations. Sie ergänzen die bereits vorhandenen und durch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie betriebenen Messpunkte. Das Umweltsensorennetz komplettiert den Angaben zufolge das Projekt „Smart Lighting“. Hierbei wurden vergangenes Jahr Straßenlaternen mit Messgeräten ausgestattet, die unter anderem die Anzahl vorbeifahrender Autos und Radfahrer sowie der Fußgänger erfassen sollen.

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